Lebenslanges Lernen im Umgang mit alten Menschen

Von: hewi
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Pia Weberskirch, Patrick Peltzer und Rebecca Barten sowie die finnische Austauschschülerin Kaarena Manolio (v.li.) erweitern ihren beruflichen Horizont über Grenzen hinweg.

Hückelhoven-Brachelen. Drei Wochen waren die angehenden Altenpfleger ziemlich auf sich allein gestellt. Denn weder die Kollegen noch die Bewohner des Altenheims konnten deutsch. Schnell lernten Rebecca Barten, Pia Weberskirch und Patrick Pelzer, „dass Kommunikation immer möglich ist” und dass auch eine gehörige Portion Eigeninitiative nötig war.

Ihren Dienst taten die drei angehenden Altenpfleger im Rahmen eines europäischen Austauschprogramms im Oktober vorigen Jahres in dem ungarischen Ort Zalaeggerzsey, in der Nähe des Plattensees. Gefördert wurde der Arbeitsbesuch mit Mitteln des Programms für lebenslanges Lernen der Europäischen Union. Ihre Ausbildung absolvieren die drei im Brachelener Haus Berg und im Christinenstift in Gereonsweiler. Den Blockunterricht besuchen sie im Institut für Pflege und Soziales (IPS) der AWO, das gleich neben dem Haus Berg liegt. Dessen Leiterin Martina Stegmann ist überzeugt, dass der Austausch den angehenden Pflegern viel gebracht hat.

„Es ist wichtig, dass sie neue Erfahrungen sammeln und andere Pflegesituationen hautnah kennen lernen”, erklärt sie. Dem schließt sich auch der Leiter von Haus Berg, Bernd Bogert an. „Die Idee, die dahinter steckt, ist einfach”, erklärt er. „Nämlich dahin zu gehen, wo man noch etwas Neues lernen kann.” Beide sind der Auffassung, dass durch solche Aktionen die Pflegeausbildung attraktiver gemacht werden kann.

Dass die Pflegesituation in Ungarn eine andere ist, können die drei Austauschpfleger nach ihrer Rückkehr bestätigen. „In Zalaeggerzsey sind zwei Pfleger für rund 50 teilweise demente Patienten zuständig”, erklärt Pelzer. Daher seien Standards, die hierzulande gelten, nicht möglich. „Die Patienten werden höchstens zweimal pro Woche geduscht”, hebt Barten hervor. Trotzdem seien sie zufrieden mit ihrer Situation.

Einen Gegenbesuch der Ungarn wird es aus finanziellen Gründen nicht geben. Trotzdem ist auch Brachelen Ziel eines Besuches. Denn derzeit ist die Finnin Kaarena Manolio im Haus Berg zu Besuch, um zu sehen, wie Pflege in Deutschland funktioniert. Die 56-jährige ist erstaunt. Denn die Atmosphäre im Haus Berg ist anders, als in der finnischen Einrichtung, in der sie lernt. „In Deutschland wird der alte Mensch viel mehr berücksichtigt, es herrscht ein großes Zusammengehörigkeitsgefühl”, erklärt sie. „In Finnland steht die wissenschaftliche Betrachtung mit ihren Regeln und Vorschriften im Vordergrund.”

Dies mag daran liegen, dass in Finnland die Pflege in staatlichen Einrichtungen geleistet wird. Das Thema Demenz im Alter ist dort jedoch ebenso bekannt wie der Pflegenotstand. In der Region lernt Manolio während ihres vierwöchigen Aufenthalts verschiedene Pflegeeinrichtungen kennen. Denn der demographische Wandel trifft viele europäische Länder. Daher sei es sinnvoll, voneinander zu lernen und sich regelmäßig auszutauschen.

Auch Stegmann und Bogert sind davon überzeugt, dass die Ausbildung durch solche Erfahrungen besser wird. Im Haus Berg ist ein freiwilliges soziales Jahr Voraussetzung, um eine Pflegeausbildung zu beginnen.
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