Lebenshilfe plant neue Kindertagesstätte

Letzte Aktualisierung:

Kreis Heinsberg. Die Lebenshilfe Heinsberg plant eine neue Kindertagesstätte für Kinder mit und ohne Behinderung in Ratheim. „Die Stadt Hückelhoven ist auf uns zu gekommen“, teilte Edgar Johnen, Geschäftsführer der Lebenshilfe, mit.

„Da wir die gemeinsame Förderung von Kindern mit und ohne Behinderung seit Jahrzehnten erfolgreich an unseren Standorten in Oberbruch und Geilenkirchen anbieten, sind wir der Anfrage gerne nachgekommen und wollen unser Konzept der Förderung von Kindern mit und ohne Behinderung ausbauen.“

Der Neubau mit 40 Plätzen für Kinder ab drei Jahren ist geplant an der Mühlenstraße in Ratheim. Das vom Erkelenzer Architekturbüro Josef Viethen entworfene helle und barrierefreie Gebäude soll neben der Kinderbetreuung und Kinderförderung auch Raum bieten für eine weitere Zweigstelle der Interdisziplinären Frühförder- und Beratungsstelle (IFF) mit umfangreichem heilpädagogischen und therapeutischen Förderspektrum für Säuglinge und Kleinkinder mit Entwicklungsverzögerung.

Es handelt sich um ein 1,4-Millionen-Euro-Projekt. Mit dem Bau soll nach Angaben der Lebenshilfe in wenigen Wochen begonnen werden. Der Betrieb soll im Herbst aufgenommen werden.

Schwerpunkt des Kita-Konzeptes ist die gemeinsame Förderung von Kindern mit und ohne Entwicklungsverzögerung: „Kinder mit und ohne Behinderung ebenso wie Kinder unterschiedlicher Kulturen lernen in der Gemeinschaft mit- und voneinander. Im gemeinsamen Spiel wird so das Fremde vertraut und als normal erlebt“, erklärte Agi Hirtz, Leiterin der Oberbrucher Lebenshilfe-Kita Triangel. „Nicht ohne Grund lautet das Motto der Lebenshilfe daher: Es ist normal, verschieden zu sein. Darüber hinaus legen wir als Elternverein Wert auf eine intensive und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Eltern. Schließlich sind beide Einrichtungen auch zertifizierte Familienzentren NRW.“

Gemeinsam mit ihrer Kollegin und Geilenkirchener Kita-Leiterin Birgit Roye soll Agi Hirtz die neue Kindertagesstätte konzipieren und später leiten. Spezialisiert haben sich die Lebenshilfe-Einrichtungen nicht nur auf die Förderung von Kindern mit Entwicklungsverzögerung, Verhaltensauffälligkeiten oder Autismus-Spektrum-Störungen. Die Kindertagesstätte Triangel Geilenkirchen engagiert sich seit Jahren für eine Intensivförderung von Kindern mit Hochbegabung: „Hochbegabung wird vielfach zu selten im frühen Kindesalter entdeckt, da sich eine solche Entwicklung oft hinter Verhaltensauffälligkeiten und vermeintlichen Entwicklungsstörungen versteckt“, so Birgit Roye. „Deshalb haben wir spezifische Förderangebote entwickelt, die die Kinder in ihren Stärken besonders fordern.“

Aufgrund der kleineren Gruppengrößen sowie des fachlich spezialisierten Fachkräfte-Teams wissen aber vor allem Eltern von Kindern ohne Behinderung die umfangreichen Förder- und Bildungsangebote der Triangel-Kitas zu schätzen, so Agi Hirtz.

Neben der konkreten Anfrage durch die Stadt Hückelhoven verzeichnet die Lebenshilfe nach ihrer eigenen Darstellung in den vergangenen Wochen in ihren beiden Kindertagesstätten eine verstärkte Nachfrage nach zusätzlichen Betreuungsplätzen für Kinder mit Behinderung. „Wir spüren hier die Kehrseite des landespolitischen Inklusionsprozesses“, erklärte Geschäftsführer Edgar Johnen. Der Landschaftsverband Rheinland hat laut Lebenshilfe seit dem aktuellen Kindergartenjahr festgelegt, dass alle Regel­einrichtungen auch Kinder mit Behinderung aufnehmen können. Dafür erhalten die Einrichtungen eine Pauschale in Höhe von 5000 Euro pro Kind und Jahr.

Damit entfällt nach einem Übergangsjahr ab dem nächsten Kindergartenjahr 2016/2017die bisherige Finanzierung der therapeutischen Förderung je nach Anspruch und Bedarf des Kindes mit Behinderung in integrativen Kindertagesstätten. „Die Kindpauschale soll jetzt sowohl für bauliche Veränderungen als auch für spezifische Therapie und pädagogische Förderung eingesetzt werden“, so Birgit Roye.

Mit diesen nur schwer kalkulierbaren Rahmenbedingungen scheinen nach ihrer Ansicht Regeleinrichtungen im Einzelfall überfordert: „Anders ist die Nachmelde-Welle nicht zu erklären, die drei Monate nach Beginn des neuen Kita-Jahres auf unsere Einrichtungen zurollt.“ Inklusion sei falsch verstanden, wenn die Finanzierung von barrierefreien Hilfsmitteln und Gebäudeumbauten in den Mittelpunkt gerückt werde und individuelle Förderung und Therapie mit pauschalisierten Mitteln kalkuliert werden sollten. „Lieber wollen wir Treppensteigen üben statt Rampen anzuschaffen“, forderte Birgit Roye und deutete damit an, dass der Inklusionsprozess möglicherweise zu massiven und nachhaltigen ­Exklusionstendenzen für Kinder und Jugendliche mit schwerer Behinderung führen könne.

„Im Austausch mit anderen Integrativen und Heilpädagogischen Kindertagesstätten auf Landesebene erleben wir zurzeit den gleichen Effekt: Eltern von Kindern mit einer schweren körperlichen oder geistigen Behinderung, die sich mit Einführung des neuen KiBiz bewusst für eine inklusive Förderung in einer Regeleinrichtungen entschieden haben, wenden sich jetzt verstärkt zu uns, da die Regeleinrichtung weder heilpädagogisch noch therapeutisch in der Lage sind, den individuellen Anforderungen dieser Kinder gerecht zu werden.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert