Lebenshilfe feiert Jahrestag und neues Gebäude in Oberbruch

Von: Anna Petra Thomas
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Lockere Gesprächsrunden sorgten für Kurzweil: Bärbel Jouk, Jürgen Rosenthal, Prof. Dr. Jeann Nicklas-Faust, Heinz Schmitz und Josef Giebel (von links) waren die ersten Gäste von Ralf Raspe (rechts) auf der Bühne. Foto: Anna Petra Thomas
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Gleich mehrere glückliche, kleine Katzen wie diese aus der Lebenshilfe-Kita Geilenkirchen sahen die Gäste der Jubiläumsfeier tanzend auf der Bühne.
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Lebenshilfe-Vorsitzender Klaus Meier (rechts) freute sich sehr, dass Ralf Raspe die Moderation der Jubiläumsfeier übernahm.

Kreis Heinsberg. Eine ebenso bewegte wie bewegende Feier war sie, die Jubiläumsveranstaltung der Lebenshilfe Heinsberg am 50. Jahrestag der Vereinsgründung am Freitag. Keine langen Reden gab es in dem zum Festsaal umfunktionierten Speisesaal im neuen Gebäude der Lebenshilfe in Oberbruch, sondern Gesprächsrunden, die Ralf Raspe gekonnt moderierte.

„Der Zufall wollte es so“, erklärte Klaus Meier, Vorsitzender des Vereins Lebenshilfe Heinsberg, zu dem Glücksfall, dass Jubiläum und Einsegnung des neuen Gebäudes zusammen gefeiert werden konnten. Neben Freude und Stolz empfinde er an diesem Tag eine tiefe Dankbarkeit für die Frauen und Männer, die sich in den 1960er Jahren aufgemacht hatten, etwas für ihre behinderten Kinder zu tun. Neben zahlreichen Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Verbänden konnte er als Gast aus der bundesweiten Vereinigung der mehr als 500 Lebenshilfe-Einrichtungen die Geschäftsführerin Prof. Dr. Jeanne Niklas-Faust begrüßen. Bundesvorsitzende Ulla Schmidt gratulierte in Form einer Videobotschaft ebenso wie zahlreiche Künstler, die mittlerweile Freunde der Lebenshilfe Heinsberg sind.

„Es war ein regnerischer Tag“, erinnerte sich Jürgen Rosenthal als einer der Gründerväter und langjähriger Geschäftsführer der Heinsberger Lebenshilfe in der ersten Gesprächsrunde unter dem Motto „Wie alles begann…“ Elf Eltern hatten sich in einer Gaststätte zu einer Interessengemeinschaft zusammengefunden. Und doch sei ihnen das selbst ein bisschen suspekt gewesen. Die Nazizeit sei noch nicht lange vorbeigewesen, und gerade in den Dörfern hätten viele Eltern ihre behinderten Kinder doch eher zurückgehalten…

Und die Ärzte hätten die Eltern damit beruhigt, dass diese Kinder doch früh sterben würden, pflichtete ihm Heinz Schmitz bei, langjähriges Vorstands- und Ehrenmitglied. Sichtlich bewegt lauschte das Publikum da auch der Geschichte, die Josef Giebel, erster Mitarbeiter der Lebenshilfe-Werkstatt, von sich erzählte. Er sei ins Waisenhaus gekommen, nachdem seine Mutter „abgehauen“, sei, berichtete er. Erst im Alter von 15 Jahren habe er laufen gelernt. Auch von seinem Leben in der Wohnstätte in Wildenrath erzählte er. Einmal habe ihn jemand gefragt, wann er denn abends wieder „im Heim“ sein müsse. „Das ist kein Heim, das ist die Wohnstätte Wildenrath, habe ich ihm gesagt“, erklärte Giebel und erntete dafür viel Beifall.

In einem Drei-Minuten-Film sahen die Gäste der Feier den Abriss des alten Lebenshilfe-Gebäudes und an selbiger Stelle den Neubau. Architekt Josef Viethen und Lebenshilfe-Geschäftsführer Edgar Johnen ließen die zweijährige Bauzeit noch einmal Revue passieren. Im neuen Gebäude solle sich der Besucher spontan wohlfühlen und sich schnell orientieren können, vor allem aber solle es ein Treffpunkt für alle sein. „Hier soll Leben in der Bude sein!“, so der Wunsch von Johnen.

Um die aktuelle Situation behinderter Menschen drehte sich eine zweite Gesprächsrunde, an der auch Landrat Stephan Pusch teilnahm. Er würdigte die Lebenshilfe als einen der großen Arbeitgeber in der Region und äußerte sich deutlich, als er auf ein mögliches Konkurrenzdenken in der heimischen Wirtschaft angesprochen wurde. „Wenn die Schwächsten nicht allein verwahrt, sondern Teil eines ganz normalen Alltags sein sollen, dann muss dies der Gesellschaft etwas wert sein“, so sein klarer Standpunkt. Er wünsche sich, dass Josef Giebel einmal bei Anne Will sitzen und dort ehrlich und menschlich über das Thema Flüchtlinge reden könnte, denn er repräsentiere immerhin eine große Bevölkerungsgruppe, fügte der Landrat hinzu.

Einig waren sich die Teilnehmer dieser Runde darin, dass die Inklusion weniger Zustand als eher Ziel oder besser noch ein Lebensmodell ist, dass es aber immer den Eltern behinderter Kinder überlassen sein solle, zu entscheiden, was für ihr Kind das Beste sei. Daher pflege der Kreis Heinsberg auch beide Systeme, sprach Pusch sich deutlich für die Beibehaltung von Förderschulen aus. „Es gibt für jeden Menschen individuell einen richtigen Weg.“

Den Abschluss der Festveranstaltung bildete die Einsegnung des neuen Gebäudes durch den regionalen Behindertenseelsorger Diakon Peter Derichs und den evangelischen Pfarrer Sebastian Walde. Als „Gemeinsam leben in Vielfalt“ stellte Derichs noch einmal das Motto des Jubiläumsjahres vor und zugleich das Lebenshilfe-Logo als ein großes Mosaik aus bunten Steinen, das von Lebenshilfe-Mitarbeitern gefertigt worden war.

Für die musikalische Unterhaltung sorgte die Band „Workshop“. Als kleine Katzen tanzten Kinder aus der Lebenshilfe-Kita Geilenkirchen, und Kinder aus der Kita Oberbruch brachten ein Geburtstagsständchen auf die Bühne.

Im Anschluss an die Veranstaltung lud Vorsitzender Meier natürlich zur Besichtigung der neuen Räume ein.

Zudem erinnerte er an das Wochenende 9. bis 11. September: Dann will die Lebenshilfe zusammen mit der Rurtalschule und der Stadt Heinsberg ein „inklusives Stadtfest“ feiern.

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