Laut, schweißtreibend, lustig: Taiko ist Meditation, Musik und Sport

Von: Mirja Ibsen
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Noch wird geübt, dass der Schweiß fließt und am 9. September wird es dann richtig laut in der Hückelhovener Aula: Die Heinsberger Taiko-Schule von Stephanie Rosen-Strauch und Guido Strauch lädt zum ersten abendfüllenden Konzert ein. 35 Trommler stehen auf der Bühne. Foto: mib
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Noch wird geübt, dass der Schweiß fließt und am 9. September wird es dann richtig laut in der Hückelhovener Aula: Die Heinsberger Taiko-Schule von Stephanie Rosen-Strauch und Guido Strauch lädt zum ersten abendfüllenden Konzert ein. 35 Trommler stehen auf der Bühne. Foto: mib

Heinsberg-Kirchhoven. „Dum, dum, dum, dum, taka, taka, dum, dum; ...“ Trommelschläge dringen gedämpft durch das geschlossene Rolltor ganz am Ende der Stapper Straße in Kirchhoven. Leicht ist es nicht, die Lagerhalle zu finden. Die Gebäude in dem Gewerbegebiet sehen alle ähnlich aus: grau, kantig, nüchtern. An diesem hängen Schilder: „Wadaiko“ und „Taiko-Energie“ und „Taiko-Event“.

Stephanie Rosen-Strauch und Guido Strauch, Leiter der Heinsberger Taiko-Schule, habe lange gesucht, bis sie einen Ort wie diesen gefunden haben. Ein Ort, an dem sie so richtig laut sein können. Hier dürfen sie, und zwar vier Stunden am Tag. Das haben sie vom Vermieter, der ein Lärmgutachten hat erstellen lassen, schriftlich. So oft und so lange erklingt das „Dum, dum, dum“ zwar selten, jetzt allerdings um so intensiver.

Hinter dem Rolltor hüpfen in weite Hosen gehüllte Beinpaare im Takt. Arme kreisen, Beine dehnen, Handgelenke schütteln: Auch Taiko-Spieler müssen sich aufwärmen. Taiko? Taiko, das ist Sport, Meditation und Rhythmus, sagt Stephanie Rosen-Strauch. Gemeinsam mit ihrem Mann bietet sie hier Workshops an, gibt Kurse, bringt Teams zusammen, gestaltet Events.

Im Kreis Heinsberg sind ihre Trommeln und ihre Gruppe öfter zu hören, zum Beispiel bei so Veranstaltungen wie dem Nato-Jubiläum in Geilenkirchen. Die Stadt Wegberg wirbt heute noch mit einem Bild, auf dem der Marktplatz proppenvoll ist, erzählt Stephanie Rosen-Strauch. Sie grinst. „Wenn man genau hinsieht, kann man uns darauf erkennen.“ Die Menge drumherum haben sie „zusammengetrommelt“.

Trommeln verbindet, sagt die Heinsbergerin. Ihren Mann und sie übrigens auch. Sie haben sich übers Trommeln kennen und lieben gelernt. Damals schwangen sie noch in Düsseldorf die Bachis, wie die hölzernen Schlegel beim Taiko heißen. Dort ist die japanische Art zu trommeln wegen der intensiven Verbindung zu Japan viel bekannter. Das gemeinsame Dojo in Heinsberg-Kirchhoven eröffneten sie im Jahr 2012.

65 Quadratmeter ist die Übungshalle groß. Große Trommeln stehen auf Rollbrettern, damit sie leichter zur Seite geschoben werden können, im Regal lagern hölzerne Bachis, Plakate mit Unterschriften japanischer Taiko-Künstler hängen an den Wänden. Auf dem Spiegel an der linken Seitenwand kleben Zettel mit kryptischen Abkürzungen: IOIOII.

Die Probe hat begonnen. Es ist laut und es ist heiß. Sauna gibt es hier gratis zum Fitnessprogramm dazu. Denn das Tor muss geschlossen bleiben. 110 Dezibel laut, also nur ein wenig leiser als ein Düsenjet (125 Dezibel, gemessen in hundert Metern Entfernung), kann so eine japanische Trommel sein. Wobei es vor der Trommel lauter ist, als dahinter.

Der Schall geht nach vorne weg. „Bei uns braucht niemand Ohrenstöpsel“, sagt Stephanie Rosen-Strauch. Der Rhythmus geht nicht nur ins Ohr. „Er geht genau da hin“, sagt die Taiko-Spielerin und zeigt auf den Punkt, wo sich die beiden Rippenbögen treffen. Das ist ziemlich nah dran am Herzen. Alles gerät in Schwingungen.

Stephanie Rosenstrauch hat beobachtet, dass das Trommeln auch eine therapeutische Wirkung haben kann. Auf Kinder mit Wahrnehmungsstörungen zum Beispiel, aber auch auf Menschen mit Depressionen. Johanna strahlt, hebt die Bachis und wartet auf den Einsatz der Shime-Daiko, die kleine, hell klingenden Trommel, die den Takt angibt. Dann lässt sie die Holzschlegel schwungvoll auf ihre Miya-Daiko, eine mittlere Trommel, fallen.

Die Tochter von Stephanie Rosen-Strauch ist die jüngste Trommlerin der Gruppe. Zehn Jahre ist sie alt. Schon als Baby war sie dabei, wenn ihre Eltern mit einer Düsseldorfer Gruppe professionelle Taiko-Auftritte hatten, die sie manchmal bis nach Berlin führten. Sie ist infiziert vom Taiko-Virus. Wenn man einmal damit angefangen habe, könne man nicht mehr ohne, sagt Stephanie Rosen-Strauch, die es eine zeitlang ausprobiert hat.

„Sa“, ruft Stephanie RosenStrauch und reißt ihren rechte Bachi hoch. Klingt spektakulär. „Sa“ markiert aber eigentlich nur eine Pause, erklärt die Heinsbergerin in einer Pause grinsend. „Don, Do Ka Ta, Do Ko“, die internationale Sprache der Taiko-Spieler klingt selbst wie Musik. Den Spielern sagt sie genau, wann sie welchen Holzschlegel auf ihre Trommel schlagen müssen. Noten lernen muss keiner. „Ich sage immer, wenn man bis acht zählen kann, kann man auch trommeln.“

Drei Wochen bis zum Auftritt

Die Probe dauerte heute ein wenig länger. Nur noch drei Wochen dauert es bis zum Auftritt in Hückelhoven. Der Schweiß fließt, Wasserflaschen werden geleert, Lakritze wird genascht – und es wird viel gelacht. Trommeln lockert nicht nur die Handgelenke, sondern auch Mundwinkel. „Dum, dum, dum...“

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