Gangelt-Langbroich - Langbroicher Bürgertreff wird zum Schauspielhaus

Langbroicher Bürgertreff wird zum Schauspielhaus

Von: agsb
Letzte Aktualisierung:
11516895.jpg
Schluss mit lustig: Dem Schneidergesellen Tüene Tüne (Stefan Keulen) wird es zu bunt, er macht den Abflug. Die Verwirrungen und das Durcheinander sind gewaltig. Foto: agsb
11516896.jpg
Liebe geht durch den Magen: Am Ende des turbulenten Stücks wird doch noch alles gut. Foto: agsb

Gangelt-Langbroich. Die Insider wissen es schon seit Jahren: Das Langbröker Selfkanttheater ist spitze. Und es gab seit dem Wochenende eine neue positive Erkenntnis für die Gemeinde Gangelt: Der Bürgertreff mausert sich zum Schauspielhaus der Gemeinde.

Am Wochenende sahen hunderte begeisterte Zuschauer den Dreiakter „Alles anee jeni-et“ (Alles aneinander genäht), erlebten fast zweieinhalb Stunden Schauspielkunst vom Feinsten. Es gab im Stück absolut keinen Leerlauf, weil durch zahlreiche Gags ständig die Lachmuskeln der Zuschauer aktiviert wurden.

Dazu kam am Samstagabend ein Glücksgriff. Im Publikum saß ein Zuschauer, dessen Gelächter allein einen Saal unterhalten kann, und so für ausgelassene Stimmung sorgte. Davon ließen sich auch die Laienschauspieler anstecken. Das Stück führte die Langbroicher Theaterfreunde bereits Mitte des Jahres zum Jubiläum der Kreissparkassen-Stiftung zusammen mit niederländischen Freunden auf. Bereits zur Premiere feierte es einen Riesenerfolg, und man war sich bei der Auswahl des neuen Stücks der Saison schnell einig: „Wir spielen es nochmal mit unseren Leuten.“ Es war eine gute Idee, denn einzelne Rollen schienen auf den Leib geschneidert zu sein. Dennoch wurde eines deutlich: Das Langbröker Selfkanttheater hat seine erfahrenen Asse und auch eine Jugend, die schon jetzt nicht mehr aus dem Ensemble wegzudenken ist.

Der Dreiakter ist ein Kracher, zumal die Handlung stets für Verwirrung im Hause von Tüene Tuen sorgte. Der Inhalt: Tüene Tüen (Stefan Keulen) und seiner Frau Tüene Niss (Anja Wagner) führen ein beschauliches Leben in ihrer Dorfgemeinschaft. Da kommt es Niss gerade recht, dass sie ein Grundstück von ihrem Vater erben soll. Aber das Erbe hat einen Haken: Niss muss glücklich verheiratet sein und in sehr guten Verhältnissen leben. Zur Kontrolle schickt der Notar des Vaters Jolanda von Lichtenstein (Christel Schlebusch) zu einem Besuch nach Langbroich, später taucht auch noch Veronika von Lichtenstein (Doris Nießen) auf. So wird aus dem Schneidergesellen kurzerhand ein Fabrikbesitzer mit Butler. Auf die Schnelle werden Niss Freundin Fing (Stefanie Schröder) und Tüens Freund Kaalbätsere Kon (Arndt Horrichs) in den Plan eingeweiht und als Hausmädchen und Bedienstete engagiert.

Dorftratsche Mulle Greet (Marianne Heutz) bekommt alldies mit, weiß aber nicht so recht welches Spiel gespielt wird. Weiter im Geschehen wird auch Sven Gossen als Postbote Fränz, dem ein gefüllter Magen wichtiger ist als eine gefüllte Posttasche, auf das falsche Spiel aufmerksam. Zuletzt will auch noch Bürgermeister Piet Laumen ein Grundstück von Tüene Tüen kaufen und schickt einen Notar (Doppelrolle für Helmut Schürkens) zur Unterzeichnung vorbei. Zunächst scheint der Plan aufzugehen, bis Mutter Seef (Maria Horrichs) auftaucht. Die Verwirrung auf ganzer Linie ist perfekt.

Jedoch stellt der Zuschauer schnell fest, dass vor allem die unschlagbare Mischung aus Alt und Jung den besonderen Charme des Theater ausmachen. Stefan Keulen als Schneidergeselle Tüene Tüen, ferner seine Mutter Tüene Seef (Maria Horrichs) und Mulle Greet (Marianne Heutz) muss man hervorheben. Stefan Keulen als Schneidergeselle spielt seine Rolle in solcher Perfektion und Gelassenheit, als stünde er jeden Tag auf den Brettern, welche die Welt bedeuten.

Das Stück erhält auch seine Würze im gesprochenen Platt. Es kamen Pointen wie aus der Pistole geschossen. Da saß Maria Horrichs (Mutter von Tüene Tüen) auf der Bank am Kaminofen und griff in jeder freien Sekunde zu ihrer Schnapsflasche. Da erkannte man gleich die jahrelange Schauspielschule von Langbroich. Auch die Auftritte von Mulle Greet, exzellent gespielt von Marianne Heutz, sorgten für Lachsalven. Beispielsweise mit dieser Unterhaltung zweier Seniorinnen: „Ein Arztbesuch war früher schöner. Als man 20 war sagte der Dok, ziehen sie sich mal bis auf die Unterhose aus. Mit 50 sagte er dann nur noch: machen Sie sich oben mal frei und mit 70 sagt er: strecken Sie mal die Zunge raus.“

Weitere Erfolgsgaranten sind in Sachen Bühne, Technik, Maske, Soufflieren: Andreas Hausmann, Isabelle Schlicher, Hedwig Barion, Christoph Görtz, Sandra Hausmann, Christina Schroten, Karl-Heinz Gossen, Franz-Josef Ronkartz und Gino Ronkartz.

Es gibt noch vereinzelte Restkarten für die Veranstaltungen in Langbroich und Heinsberg. Erworben werden können die Karten bei Maria Horrichs (Telefon 02454/6263) oder bei der Stadt Heinsberg unter Telefon 02452/14 193 (für die Veranstaltung am 20. Februar in Heinsberg).

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert