Landwirtschaft nimmt hohe Nitratwerte im Boden sehr ernst

Von: Verena Richter
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Die Nitratwerte in den Böden beschäftigen ihn ebenfalls: Denn auch die Landwirte möchten nicht, dass das Nitrat in den Boden gerät, sagt Arndt Kremers, der selbst einen Betrieb hat. Foto: Verena Richter

Heinsberg-Karken. Arndt Kremers ist mit Leib und Seele Landwirt. Auch wenn der Betrieb mit Schweinen, Rindern und Ackerbau viel Arbeit mit sich bringt, einer anderen Tätigkeit möchte der 34-jährige Familienvater nicht nachgehen.

„Das muss so sein, sonst kann man den Beruf überhaupt nicht ausüben”, erklärt Kremers, der sich in den vergangenen Tagen sehr über einen Artikel in der Pint-Ausgabe unserer Zeitung gewundert hat. Der Verein VSR-Gewässerschutz hatte in mehreren privaten Brunnen in der Heinsberger Region zu hohe Nitratwerte gemessen und auch einen Verantwortlichen benannt: die Agrarindustrie, also die Düngepraxis der Landwirte.

Dass die Werte, die in den Wasserproben gemessen wurden, richtig ermittelt worden sind, das bezweifelt Arndt Kremers gar nicht. Dass aber allein die Landwirte für die hohen Werte verantwortlich sein sollen, indes schon. Auch dass nichts unternommen werde, um die hohen Werte zu senken, möchte er so nicht gelten lassen. „Es gibt Betriebe die unterschiedlich in ihrer Düngungspraxis sind, aber in der Regel nehmen die Landwirte die Düngeregelungen sehr ernst. Auch in der Ausbildung wird heute sehr viel Wert auf diesen Aspekt gelegt”, sagt er und verweist darauf, dass jeder Landwirt den Nitratgehalt im Boden bestimmen muss - danach wird festgelegt wie viel Nitrat er in Form von stickstoffhaltigen Düngemitteln auf die Böden aufbringen darf. Auch der Zeitpunkt wird festgelegt. Wird der Dünger nämlich zu früh auf die Felder gebracht, besteht die Gefahr, dass Nitrat ausgewaschen wird und in tiefere Bodenschichten und schließlich ins Grundwasser gelangt.

Dies werde jedes Jahr ermittelt, und ein Landwirt, der regelmäßig zu hohe Werte habe, müsse auch mit Sanktionen rechnen.

Überprüft werden die Werte von der Landwirtschaftskammer NRW. Auch dort wehrt man sich gegen den Vorwurf, dass man nichts gegen die hohen Nitratwerte im Grundwasser unternehme. Kaspar Bruckmann ist bei der Landwirtschaftskammer Geschäftsführer für die Kreisstelle Heinsberg/Viersen. Er sagt: „Es wird daran gearbeitet.” Seit mehreren Jahren gebe es in einigen Gebieten des Kreises Heinsberg bereits eine Kooperation zwischen Wasserwerken und der Landwirtschaft. Ein Berater gehe gezielt auf die Landwirte zu und berate genau zu diesem Thema. „Und seit Frühjahr 2009 gibt es in Heinsberg einen weiteren Berater, der vorrangig in den Gebieten berät, in der es die Kooperation zwischen den Wasserwerken und den Landwirten nicht gibt”, so Bruckmann.

Gesenkt werden soll der Nitratgehalt etwa mit sogenannten Zwischenfrüchten. Diese werden nach der Haupternte ausgesät und sollen die Stickstoffe binden. „Man will die Böden ganzjährig bepflanzen, auch in den Wintermonaten. Liegt der Boden brach, besteht die Gefahr, dass Nitrat ausgewaschen wird und so ins Grundwasser gerät”, erklärt Bruckmann.

Ein Schritt, der lange überfällig gewesen sei, kritisiert Harald Gülzow vom VSR-Gewässerschutz, dem die gesamten Maßnahmen noch nicht weit genug gehen. Die Richtlinien müssten noch schärfer sein, so Gülzow.

Dennoch, Kaspar Bruckmann ist zuversichtlich, dass die Maßnahmen auf lange Sicht Erfolg haben werden. Das Problem mit Nitrat sei leider, dass es sehr lange im Boden verbleiben könne und dann ins Grundwasser gerate. „Was wir da heute messen, kann schon zehn oder 15 Jahre alt sein”, erklärt Bruckmann. Wichtig sei aber auch, dass richtig gemessen werde. Die Leitungen müssten auf jeden Fall gut durchgespült werden, bevor man eine Probe entnehme, so der Fachmann.

Bei seinem eigenen Brunnen hat Arndt Kremers dies vor kurzem gemacht. Der ermittelte Wert lag bei 26,1 Milligramm pro Liter (mg/l) Nitrat und damit weit unter dem erlaubten Wert von 50 mg/l. „Das Wasser hat Trinkwasserqualität”, sagt der Karkener, der weiter ausführt: „Ich möchte doch auch nicht, dass Nitrat im Boden und im Grundwasser landet.”
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