Landwirte im Kreis Heinsberg beklagen Preisverfall

Von: ej
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Seit März steht Gerd Feiter (Vordergrund) mit leeren Händen da. 800 Schweinmastplätze sind nicht mehr belegt, rechts der RLV-Kreisvorsitzende Bernhard Conzen und Kreislandwirt Hans-Gerd Joeris. Fotos (2): Jennes Foto: Jennes

Kreis Heinsberg. Gähnende Leere herrscht in den Schweinemastställen auf Gut Schwertscheidt in Havert-Stein. Seit März hat Gerd Feiter, der in den vergangen 20 Jahren neben dem Ackerbau auch eine Schweinemast mit zuletzt 800 Liegeplätzen aufgebaut hat und dabei viel Geld investierte, kein Schwein mehr auf dem Hof.

Er hat die Mast komplett aufgegeben, denn auf Dauer mit Verlust zu arbeiten, das geht einfach nicht. Inzwischen herrscht nicht nur auf dem Milchmarkt Katastrophenstimmung, so Bernhard Conzen, der Vorsitzende der Kreisbauernschaft Heinsberg, der mit Feiter Vertreter der Landwirtschaft, Milchbauern, Schweine- und Bullenmäster sowie Ferkelerzeuger zu einem Informationsgespräch auf Gut Schwertscheidt begrüßte.

Mit Exporteinbrüchen und Preisrückgängen bei vielen landwirtschaftlichen Erzeugnissen bekomme auch die Landwirtschaft die Folgen der Weltwirtschaftskrise deutlich zu spüren. Conzen sprach von einer „Deflation in der Landwirtschaft”, die er mit konkreten Beispielen wie dem erneutem Preisdumping bei Milch durch den Discount-Riesen Aldi, dem Preiseinbrüchen bei Schweinefleisch und Mastbullen belegte.

„Milch ist inzwischen billiger als Mineralwasser”. Für Getreide erhalten die Landwirte mittlerweile nur noch die Hälfte im Vergleich zum Vorjahr und dies bei gestiegen Preisen zum Beispiel für Düngemittel, so Conzen. Auch in der Agrarwirtschaft hat eine Kettenreaktion eingesetzt und die geht abwärts. Weitere Massive Kritik üben die Landwirte auch an den so genannten Substituten wie Fleischimitaten und Analog-Käse. „Milchprodukte müssen aus Milch bestehen” fordern die Landwirte eine klare Kennzeichnung und Überprüfung. „Wer einen anderen Einruck erweckt, täuscht die Verbraucher.”

Nach Auffassung der Landwirte sind die schwindenden Einkommen aber nicht nur das Ergebnis niedriger Preise, sondern auch das Ergebnis hausgemachter Politik verschuldeter Kosten- und Wettbewerbsnachteile, unterstrich der Vorsitzende. Insbesondere die Benachteiligung der Agrardiesel-Besteuerung, so die Forderung an die Politik, müssen endlich beseitigt werden.

Die Landwirte in Deutschland zahlten im europäischen Vergleich seit Jahren die höchsten Steuern. „Selbst bei allen Anstrengungen zur Kostensenkung können die Landwirte eine solche Benachteiligung nicht auffangen”, so das Fazit des Vorsitzenden. Mit einer Postkartenaktion „Agrardiesel-Nachteil muss weg!” wollen die Landwirte ihrer Forderung bei den Abgeordneten Nachdruck verleihen.
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