Kunstvereine bei Kunsttour: Gute Kultur und Kultur als hohes Gut

Von: Markus Bienwald
Letzte Aktualisierung:
12151451.jpg
Große Ausstellungen mit vielen Künstlern sind auch etwas, vor dem sich der Verein GK Kulturgut! nicht scheut. Foto: Markus Bienwald
12151448.jpg
Werke des Erkelenzer Malers Michel Saran (m.) werden derzeit vom Verein GK Kulturgut! präsentiert. Foto: Markus Bienwald

Kreis Heinsberg. Geht es um Kunst und Kultur in Geilenkirchen, geht seit knapp sechs Jahren kaum ein Weg mehr am Verein GK Kulturgut! vorbei. Am 10. Mai 2010 gegründet, ist es eine noch vergleichsweise junge Vereinigung, die dennoch von der geballten künstlerischen Kompetenz eines wirklich großen Teams profitiert.

Dass dies dabei hilft, das erklärte Vereinsziel zu erfüllen, die Kunst- und Kulturlandschaft in Geilenkirchen verantwortlich mitzugestalten, betont auch die Vorsitzende Henriette Echghi-Ghamsari. „Neben der Belebung der kulturellen Vielfalt unserer Region ist es ein Ziel, die Stärken und Potenziale, die unsere Stadt zu bieten hat, aufzuspüren, erfahrbar zu machen und zu bewahren“, sagt sie.

Das sind viele Bausteine, doch wer sich beispielsweise die zum Anfang des Jahres gelaufene Jahresausstellung der Künstlergruppe mit dem Titel „Vier Elemente“ angeschaut hat, der weiß, dass dieser ganzheitliche Ansatz auch erfüllt wird. So waren bei dieser Schau gleich 13 Künstler dabei, zeigten auf ganz eigene Art und Herangehensweise, wie sie vier Elemente verstehen, aufgreifen und umsetzen. Da gab es beispielsweise eine klanglich wahrlich beeindruckende Performance von Mitglied Walter Verwoert. Er band mit Klangstäben sogar das Treppengeländer im Haus Basten in seine experimentelle Klangkunst ein, sorgte dafür, dass dieses Kunsterlebnis elementar und einzigartig zugleich blieb.

Die „Vier Elemente“ führten aber auch zu Gesprächen, die neben der reinen Betrachtung, der Reflektion über den Kunstgenuss, noch weitergehende philosophische Ansätze zu Tage förderten. Da gab es beispielsweise eine Runde zum Thema „Philosophie und Wissenschaft der Elemente“. Ergänzend dazu zeigte auf dem Friedlandplatz Feuerschlucker Manuel Kirchner seine Kunst, ließ mit den Feuerstößen gleichsam vergängliche, heiße und beeindruckende Lebenszeichen aufflammen.

Elementare Kunsterlebnisse

Wenn Henriette Echghi-Ghamsari über den Verein spricht, dann sind es solche im Wortsinn elementaren Kunsterlebnisse, die der Vielfalt der Kunst und der Kultur in Geilenkirchen den Weg ebnen. „Das Augenmerk des Vereins liegt neben der Fortführung des Altbewährten darin, neue Aktivitäten und Möglichkeiten im kulturellen Bereich aufzugreifen“, so die Vorsitzende. Dass die Kultur dabei viele Aspekte hat, die sich auch im Programm des Vereins widerspiegeln, zeigt auch die Tatsache, dass der Verein spezielle Fachgruppen gesammelt hat, die sich jeweils einem speziellen Thema widmen: Theater, Bildende Kunst, Literatur und Einzelveranstaltungen, die sonst in keine Schublade passen, gehören dazu. Und wer jetzt denkt, dass dort eine elitäre Gruppe versammelt ist, der irrt sich. „Wir laden gerne ein, sich einer Fachgruppe anzuschließen“, sagt die Sprecherin des Vereins.

Es geht schließlich nicht darum, nur den Gedanken an Kunst und Kultur unters Volk zu bringen. Es geht bei GK Kulturgut! auch darum, Gleichgesinnte in lockerer wie offener Runde zu treffen. Die Gedanken dürfen dann frei sein, Austausch ist erwünscht, Vorschläge für Veranstaltungen willkommen, und die Vorstandsmitglieder haben ein offenes Ohr dafür. Dass bei diesem wirklich bunten und grenzenlos kulturell angelegten Angebot die Zusammenarbeit mit den kulturellen Einrichtungen in der Stadt und der Region funktioniert, ist bei GK Kulturgut! eine Selbstverständlichkeit. So durfte der Verein, der sich dem Namen gemäß gerne um gute Kultur und Kultur als hohes Gut kümmert, zur Kunsttour im Kreis Heinsberg am Maifeiertag den Erkelenzer Maler Michel Saran mit seinen Werken in das alte Museum an der Vogteistraße einladen.

„Die eine und die andere Seite“

Dass diese Ausstellung perfekt zum Anspruch, zur Vielfalt und zum Ansinnen des Vereins GK Kulturgut! passt, zeigt sich bei einem Blick in die Arbeit Sarans. So erläuterte die Kunsthistorikerin Alexandra Simon-Tönges bei der Vernissage zur Werkschau eine Woche vor der Kunsttour die Vorgehensweise des Malers Saran. Er kaufte bei Trödlern und auf Flohmärkten beispielsweise Reproduktionen alter Meister ein, und übermalte sie. Damit schuf er aus der bereits gerahmten und gesetzten Kunst auf Grundlage des vorhandenen Motivs eine ganz neue Bildsprache.

„Die eine und die andere Seite“ lautet der bewusst vielschichtig gewählte Titel der Ausstellung. Dass diese Kunst viele Seiten hat, zeigt die Schau aber noch mit einem weiteren, sehr liebevollen und künstlerisch perfekt durchdachten Detail, denn jedes der 31 gezeigten Bilder erfährt durch die Hinterleuchtung nicht nur eine noch plastischere Raumwirkung, sondern setzt auch die sonst vergessene Rückseite der Bilder ins rechte Licht. In diesem Sinne wird da auch der Leitgedanke von GK Kulturgut!, Potenziale der Kunst und der Kultur aufzuzeigen, getroffen. Denn durch die höhere Ebene, auf die solche Werke durch Ansatz, Ausführung und Ausstellung gebracht werden, darf Kunst zum Erlebnis werden.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert