Kunsttour: „Wir wollen Textilkunst eine Lobby verschaffen“

Von: jwb
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Farbenprächtige Textilkunst von Friedgard Mirwald und Barbara Kubat-Rietz wird bei der Kunsttour in Waldfeucht-Bocket zu sehen sein. Foto: Bindels
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An der Longarmquiltmaschine: Friedgard Mirwald (l.) und Barbara Kubat-Rietz. Foto: Bindels

Kreis Heinsberg. Bei der Kunsttour, dem Tag der offenen Ateliers und Galerien in der Freizeit-Region Heinsberg, werden in diesem Jahr auch einige „Neulinge“ dabei sein, sprich Künstlerinnen und Künstler, die zum ersten Mal teilnehmen. Die Textilkünstlerinnen Barbara Kubat-Rietz und Friedgard Mirwald sind zwei von ihnen.

Alles bei den Textilkünstlerinnen ist außergewöhnlich. Es beginnt beim Namen „Freiquiltgehege“ für das Atelier, geht über die Technik des Quiltens und hört auch nicht auf bei den farbenprächtigen Kunstwerken.

Das Domizil der Künstlerinnen ist ein Einfamilienhaus und liegt mitten in ländlicher Umgebung. Alle Räume dienen der Ausstellung, der kreativen Arbeit und der Weitervermittlung einer besonderen Technik – der des Quilten. Ein Quilt besteht aus drei Lagen. Diese Schauseite kann Patchwork sein, kann Muster haben oder aus der Verarbeitung von ausgesuchten weiteren Materialien gestaltet werden. In die Mitte kommt eine Lage Vlies, darunter eine Stofflage.

„Quilten ist das Zusammensteppen der drei Lagen mit einem Nähstich“, wird die Technik von den beiden Frauen erläutert. Erst das Quilten gebe dem Quilt die plastische Dimension, die einen schönen Kontrastpunkt zum Farbenspiel der Oberseite darstelle, ergänzen sie.

Friedgard Mirwald ist schon lange von der aus der amerikanischen Lebenswelt kommenden Technik begeistert. Die Wanderausstellung „Patchwork“ im Jahr 1985 in Stuttgart habe bei ihr die Faszination für die handwerklich anspruchsvolle und gleichzeitig kreative Technik ausgelöst. Seit 1997 habe sie auch in Kursen ihre Erfahrung weitergegeben.

„Ich bin ihre Schülerin und im Jahr 2004 zur Quilttechnik dazugekommen“, verrät Barbara Kubat-Rietz im Gespräch. Seit drei Jahren sei das Wagnis eines eigenen Domizils eingegangen worden. In den kreativen Prozess würden nicht nur traditionelle Patchworkmaterialien verarbeitet, sondern diverse Stoffe bis zu exotischen Materialien werden experimentell für die Gestaltung genutzt.

Von selbstentwickelten Mustern und Nähvorlagen über freie Schneidetechniken bis zum Färben der Stoffe gestalten die beiden Frauen ihren kreativen Prozess komplett selber. Eine Longarmquiltmaschine ermöglicht ihnen großformatige Quiltwerke. Mit dem freischwenkbaren Arm gelingen schwungvolle Nähte federleicht.

Das Spiel mit Farben und Formen spiegelt sich in ihren ästhetischen Werken – vom Wandbehang bis zu Modeaccessoires – wider. Längst hätten sie sich vom traditionellen Textilhandwerk zur experimentellen Textilkunst weiterentwickelt, sehen sie sich in der Kunst verortet. Ihre Wandbehänge sehen sie in der Tradition der Wandteppiche.

Politisch sei ihre Kunst nicht, wohl aber habe sie einen langen sozialen Ursprung, sind sich beide sicher. Von der Trachtenherstellung bis zu den gesteppten Decken scheinen diese Traditionen ihnen recht zu geben. Vorbilder für ihre eigene Entwicklung seien unter anderem die Künstler Ricky Tims, Gina Parker, Cathy Frank und Jermie Wallen.

Wenn auch die eine oder andere Ausstellungsteilnahme wie im Café Lebensart (Hückelhoven) schon erfolgt sei, die Motivation zur Teilnahme an der Kunsttour beschreiben die beiden Textilkünstlerinnen so: „Wir wollen der Textilkunst eine Lobby verschaffen und wollen zeigen, dass Kunstwerke auch mit textilen Materialien möglich sind. Wir gestalten Bilder, die den Kreationen in Acryl und Öl in nichts nachstehen.“

Bei der Kunsttour sind ihre Arbeiten in Waldfeucht-Bocket an der Oidtmannstraße 9 zu sehen – auch bereits am Samstag, 6. Mai, von 10 bis 17 Uhr.

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