Kunst verbindet mit und ohne Behinderung

Von: defi
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Menschen mit und ohne Behinderung schufen im Projekt „Zu wenig Platz“ der Lebenshilfe Heinsberg gemeinsam Kunst. Bei der Ausstellungseröffnung reichte der Platz trotz vieler Besucher für ein Gruppenfoto. Foto: defi
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Viel Beachtung fanden die Kunstwerke der Ausstellung „Zu wenig Platz“ schon bei der Ausstellungseröffnung. Fotografien dokumentieren den Entstehungsprozess in den Werkstätten der Lebenshilfe. Foto: defi

Kreis Heinsberg. Moni hat glücklicherweise gute Nerven. Sie kellnert im Café Samocca der Lebenshilfe Heinsberg, gleich am Begas Haus in der Heinsberger „Altstadt“. Das Café platzte aus allen Nähten. Moni und ihre Kollegen mussten den Überblick behalten. Erst kamen die Feiertagsgäste und dann auch noch die vielen Menschen, die Kunst gucken wollten, diesmal nicht im Begas Haus, sondern im Samocca.

„Zu wenig Platz“ heißt die Ausstellung, die das gemeinsame künstlerische Schaffen von 14 Menschen mit Behinderung aus dem Förderbereich der Lebenshilfe Heinsberg und zehn Künstlern der Region im DIN Lang Format, 10x21 Zentimeter, zeigt. Auch im Service des Samocca arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung zusammen, also der ideale Ort, dort einmal Kunst zu zeigen, die den Inclusionsgedanken in die künstlerische Tat umsetzt.

Der „Motor“ des Projektes, Georg Kohlen, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit bei der Lebenshilfe, habe im Vorfeld spekuliert, ob denn wohl der Ausstellungstitel auch auf Menschen mit Behinderung zutreffen könnte, die in unserer Gesellschaft vielleicht „zu wenig Platz“ bekämen, wie Klaus Meier, Vorsitzender der Lebenshilfe in seiner Begrüßungsrede erzählte. Doch, so Meier weiter: „Ich denke aber, dass sich die Menschen mit schweren Behinderungen mit Hilfe der Künstlerinnen und Künstler mit dieser Ausstellung ein Stück Platz in der Gesellschaft zurückerobert haben.“ Die sehr gut besuchte Vernissage am Maifeiertag war ein weiteres Beispiel für gelebte Inklusion, wie sie von der Lebenshilfe mit Projekten wie dieser Ausstellung gerne ins Bewusstsein und den Alltag der Menschen getragen wird.

Wie der Alltag behinderter Menschen bei der Lebenshilfe aussieht, hatten die zehn an diesem Projekt beteiligten Künstler erfahren. Christa Walters aus Heinsberg ist eine von ihnen. Sie traf auf ein Mädchen, das sie sofort an das Sterntalermärchen der Brüder Grimm erinnerte. Melanie Palm heißt die junge Frau. Sie wurde die Partnerin von Christa Walters bei „Zu wenig Platz“. Je nach dem Grad der Behinderung steuerten die Lebenshilfemitarbeiter das Ihrige zu den Kunstwerken bei. Melanie Palm lieferte neben der Inspiration auch den Werkstoff für das Kunstwerk, Papier. Ihr Aufgabengebiet bei der Lebenshilfe ist das Zerreißen von alten Zeitungen, die in weiteren Arbeitsschritten von ihren Kollegen zu handgeschöpftem Papier verarbeitet werden. Die Anmut der behinderten jungen Frau bei ihrem Tun und die bei ihrer Arbeit herabfallenden Papierschnipsel lieferten den Ursprungsgedanken zum gemeinsamen Kunstwerk. Während die Künstler von ihren durchweg positiven Erfahrungen der Zusammenarbeit berichteten, bleibt den Künstlern mit Behinderung vielleicht die Freude darüber, „das andere Menschen sich ihre Arbeit anschauen, ihre Leistung mit Respekt betrachten“, wie Georg Kohlen es ausdrückte.

Die Ausstellung „Zu wenig Platz“ war nicht nur zur Kunsttour zu besichtigen, sondern ist noch bis 31. Mai im Café Samocca präsent, somit auch am 5. Mai, dem „Europäischer Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung“. Ein schöner Katalog dokumentiert die Arbeit.

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