Kultur in der Kirche: Eine alte Verbindung mit neuer Perspektive

Von: sche
Letzte Aktualisierung:

Heinsberg-Oberbruch. Troubadour, Fahrender Gesell, Bänkelsänger - Christoph Esser aus Birgden schlüpfte in die Rollen, wie sie kamen.

Und er kam seinen Hörern menschlich damit sehr nah, so dass sie nicht genug bekamen. Gute zwei Stunden extemporierte der „Zupfgeigenhansel” en suite bei seiner öffentlichen Premiere in der Reihe „Kirche heute - immer etwas anderes.”

Immer schon hat Christoph Esser gerne gesungen und sich für Balladen-Gesang interessiert. Dabei beließ er es bisher beim privaten Kreis. Dass viel mehr in ihm steckt, bewies er überzeugend. Gleichzeitig erwies er sich als Kenner der Szene vom Mittelalter bis heute. Er verfolgte die Linie der Liedersänger zurück bis in die graue Vorzeit. Zugleich ließ er Vorlieben erkennen.

Reinhard Mey kam er so nahe, dass man ihn damit verwechseln konnte. Mit diesem Liederabend unterstrichen die beiden Repräsentanten des Arbeitskreises, Beate Königs und Pfarrer Rosenkranz, die zunehmende Bedeutung für die Heinsberger Kultur. Mit dem Konzert passt sich der Arbeitskreis der Zeit an. Leere Kassen sind kein Grund für kulturellen Verzicht.

Die Sache muss sich selbst finanzieren, sagt der Pfarrer. Für ihn ist die Hauptsache, die Menschen neu zu interessieren. Man lässt sich etwas Neues einfallen und holt Leute, die etwas können, um ihnen Gelegenheit zu geben, sich öffentlich zu präsentieren.

Der aus Hülhoven stammende Aachener, Schulrat von Beruf, war ein Paradebeispiel, dass es auch ohne geht und auch, dass es hierzulande noch unentdeckte Talente gibt. Diejenigen, die das Gitarrenspiel Essers bereits kannten, wussten nichts um seine Sangeskünste. Dabei verbindet ihn nur wenig mit einem typischen Balladensänger. Er ist mehr ein Grenzgänger, der auf die breite Volkskunst abhebt. Herz-Schmerz kam bei Esser nicht vor.

Klar setzte er sich gegen den Kitsch ab. Seine Liebeslieder des ersten Teils waren alles andere als traute Weisen. Da war wenig Platz für Romantik. Balladen enthalten Botschaften, wenn man so will, Moralin, und die wurden herausgestellt. Noch deutlicher wurde Esser im zweiten Teil, als er ein „politisch Lied, ein garstig Lied” anstimmte, das von Freiheit und Unterdrückung handelte, aber auch Platz für die Loreley oder einen Wilhelm Busch hatte.

Schon im ersten Teil hatte sich Esser mit dem Gangelter Heimatdichter Peter Staas in die „Niederungen” der Mundart gebeut. Nun folgte das Jiddisch und weitere Beweise, dass Esser sich auch in der Mundart bestens auskennt. Immer kulminierte er um Reinhard Mey, dessen Texte sich wie Parabeln ausnehmen. Bestes Beispiel: „Der Bär”.

Aber auch Rolf Biermann, Hannes Wader, Erich Mühsam, der 1934 im Konzentrationslager Oranienburg ermordet wurde, hatten etwas zu sagen. Esser deutete den Rollenwechsel durch Änderung der Kopfbedeckung an - und er faszinierte stets auf Neue.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert