Künstlerforum: Fotoarbeiten und die Wahrheit der Zeit

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Eine Fotoarbeit der Künstlerin Ellen Katterbach aus Mönchengladbach.

Kreis Heinsberg. Nach zwei sehr interessanten Ausstellungen im Frühjahr mit der Verleihung vom Marlies-Seeliger-Crumbiegel-Preis 2016 an die Aachener Künstler Sabine Jacobs und Ralf Wierzbowski als Höhepunkt setzt das Künstler-Forum Schloss Zweibrüggen seine Veranstaltungsreihe mit der Ausstellung von Fotoarbeiten der Künstlerinnen Ellen Katterbach aus Mönchengladbach und Barbara Göbel aus Köln fort.

Vom 25. September bis 23. Oktober präsentieren die Künstlerinnen ihre fotografischen Arbeiten für die Öffentlichkeit im Übach-Palenberger Schloss Zweibrüggen.

Ellen Katterbach arbeitet mit analoger Fotografie, Schwarz-Weiß- und Farbmaterial, Fotoübermalungen. In Baden-Baden geboren, hat sie ein Kunst- und Designstudium bei Professor Detlef Orlopp an der Hochschule Niederrhein in Krefeld mit Diplom abgeschlossen. Anschließend erhielt sie dort einen Lehrauftrag für Fotografie. Die Erinnerung ist nichts als eine Selbstreflexion, eine Ich-Bestätigung: Die Fotografie erhält ihren Sinn nur durch eine lebendige Verbindung zwischen Erinnertem und Erinnerndem.

So wie der Einzelne aber vergisst und stirbt, so verliert auch die Fotografie ihren Erinnerungswert. Sie ist, als Dia oder Negativ, einem steten Zerfallsprozess ausgesetzt, womit eine Analogie hergestellt wird zwischen Verfall und Tod und dem chemisch fortlaufenden Zersetzungsprozess. Katterbach macht diesen Prozess in ihrer Arbeit sichtbar. Sie benutzt eigene oder fremde, auf Flohmärkten oder aus Nachlässen erworbene Negative und Dias unterschiedlicher Themenkreise.

Sie alle stellten irgendwann das Zeugnis, das Dokument einer Wirklichkeit, einer Wahrheit dar. Nun unterwirft sie diese einer kalkulierten Prozedur, die im krassen Gegensatz zur üblichen Behandlung fotografischer Materialien steht.

In diesem von Katterbach kontrollierten, aber nie gelenkten Prozess, der als Ergebnis die ganze Bandbreite natürlicher Zersetzungserscheinungen beinhaltet, entsteht eine neue Bilderwelt, die alte Aussagen überlagert, verwischt, aber nicht negiert und schließlich eine dem Anliegen der Künstlerin entsprechende Wahrheit darstellt.

Die Bilder, die unter ihrer Hand entstehen, jene Bilder, die sich selbst fortentwickeln und weit weg von jeder ohnehin unglaubwürdig gewordenen Objektivität ihr eigenes ebenso zerbrechliches Leben führen, reduzieren sich völlig nüchtern auf eine Wahrheit: die Wahrheit der Zeit und ihres unweigerlichen Fortschreitens.

Barbara Göbel bleibt in ihren Arbeiten sachlich reproduzierende Beobachterin. Sie zeigt einen Gegenstand in situativer Veränderung durch ein Medium und lässt so Ungewohntes sehen, obwohl es real vorhanden ist. Fotografie und Realität scheinen eine Einheit zu sein, gibt der fotografische Vorgang doch ausnahmslos das wieder, was sich auf der Bildebene zu manifestieren scheint.

Barbara Göbel benutzt Ausschnitte, Bruchstücke einer sichtbaren Realität, die sie auf fotografischem Wege gewinnt, ohne willkürliche Eingriffe oder Veränderungen im Sinne eines gewollten Inhaltes herbeizuführen.

Sie hält sich an technische Vorgänge des Sehens und zeigt, dass der Begriff der Realität ein sehr schillernder ist. Sie zeigt einen Gegenstand, aber sie sucht ihn in situativer Veränderung, gegeben durch ein Medium, eine Spiegelung beispielsweise, oder sie wählt einen minimalen Ausschnitt, der in seiner Struktur eine andere Wirkung aufweist.

Sie setzt die Möglichkeiten der Bildbearbeitung ein, um einen anderen Blickwinkel zu erzielen, als er in der normalen Ansicht möglich ist; der einen Gegenstand in ungewohnter Weise zeigt, aber dennoch einen wahrnehmbaren, objektiv richtigen Eindruck aufweist. Sie erweitert die Realität eines Gegenstandes oder Vorgangs um weitere Wahrnehmungen.

Sie beobachtet intensiv und entdeckt weitere Ebenen der Realität, die genauso real und wahr sind wie die üblicherweise benutzte Darstellung. Dazu benutzt sie die technischen Möglichkeiten der Fotografie und der digitalen Bildbearbeitung, die das Wahrnehmungsfeld des Menschen entscheidend erweitern. Sie erweitert den Beobachtungshorizont des Betrachters, ohne dabei ein vordergründiges Nützlichkeitsdenken zu beachten.

Ihre Arbeiten erweitern für Betrachter das Feld der Realität, liefern einen Beitrag zur Definition und zeigen, was der Wahrnehmung sonst verborgen bliebe.

Eröffnet wird die Ausstellung am Sonntag, 25. September, um 11 Uhr mit einer Vernissage im Schloss Zweibrüggen. Der Vorsitzende des Künstler-Forum Schloss Zweibrüggen, Professor Dieter Crumbiegel, und Wolfgang Jungnitsch, Bürgermeister der Stadt Übach-Palenberg, werden die Begrüßung der Gäste und der Künstler vornehmen.

Die Einführung in Werke und Arbeiten der ausstellenden Künstlerinnen erfolgt durch Professor Crumbiegel. Die Vernissage wird musikalisch begleitet von dem Pianisten Frank Ollertz.

Die Öffnungszeiten der Ausstellung vom 25. September bis 23. Oktober sind jeweils an den Sonn- und Feiertagen von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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