Kuchen als Salz in der Suppe der Kunsttour

Von: Dettmar Fischer und Karl-Heinz Hamacher
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Künstler Johannes Reul erklä
Künstler Johannes Reul erklärt Kunsttour-Gast Doris Zeller-Kamp, wo einst die Schiene lag, nämlich im Maul des Affen. Foto: Fischer

Kreis Heinsberg. „Vorsicht, steile Treppe”, gibt Johannes Reul den Besuchern mit auf den Weg, die ihn zur Kunsttour 2012 in seinem Atelier im ersten Stock seines Einfamilienhauses an der Settiner Straße aufgesucht haben.

Der Pastor bei der Einsegnung des Hauses und ein paar Jahre später ein Schrubber hatten das Parterre über die steile Treppe schon einmal im Sturzflug genommen. Doch nicht nur beim Abgang war der Künstler Reul um das Wohl seiner Gäste bemüht. Wie viele andere Kunsttour-Teilnehmer auch hatte sich Johannes Reul, seit 2005 Teilnehmer der Kunsttour, viel Mühe gegeben, um sein Heim in eine kleine Galerie umzuwandeln.

Auch für das leibliche Wohl der Kunstinteressierten war nicht nur im Hause Reul, hier hervorzuheben die selbst gebackenen Nussecken, gesorgt. Kaffee und Kuchen gehören seit vielen Jahren an den meisten Kunsttour-Stationen einfach dazu. Das Salz in der Suppe jeder Kunsttour sind aber die Gespräche mit dem Künstler.

„Hg” heißt eine kleine Plastik, in die Johannes Reul eine Porzellanschale eingearbeitet hat, in die früher in Apotheken Quecksilber gefüllt wurde. Reul an Bert Tharau und dessen Kunsttour-Begleiterin Monika Stroh: „Sie könnten aber bei Hg auch an ein kleines Pissoir denken.”

Fünf Stationen hatten sich Bert Tharau und Monika Stroh ausgesucht für die Sonntagstour. Kunsttour-Gast im Hause Reul, Doris Zeller-Kamp, fand fünf Stationen schon genug, mehr als vier seien einfach zu viel: „Und am besten zwischendurch noch ein längeres Stück mit dem Rad fahren.” Bert Tharau: „Wir waren eben bei Dietmar Heinzel, der macht viel mit altem Holz, die Arbeiten muss man wirklich erst einmal auf sich wirken lassen.”

Johannes Reul zeigte neben Skulpturen, in die er gerne Fundstücke integriert, etwa Halterungen für Eisenbahnschienen, die in Kombination mit geschliffenem Eichenholz einen Affenkopf ergeben, auch Acryl-Bilder. Reul: „Auch für mich ist es interessant bei der Präsentation für die Kunsttour zu sehen, was hast Du letztes Jahr gemacht.” „Gemacht” hat er sehr schöne, farbige ins abstrakte gehende Gemälde. Reul trägt zunächst Farben auf, die mit und mit unter einer schwarzen Schicht verschwinden. Kratzt dann mit einer scharfen Klinge solange Farbschichten ab, bis der Punkt erreicht ist, an dem er den Punkt setzt, den Schlusspunkt. „Verhüllung - Entblößung” nennt er diesen Werk-Zyklus.

„Der Farbe gebe ich Vorrang vor dem Motiv”, erklärte Gereon Heil den Kunsttour-Besuchern in seinem Atelier in Heinsberg-Uetterath. Von Beginn der Kunsttour an ist Gereon Heil mit von der Partie, und er lacht, wenn er sich zurück errinnert: „Bisher hatten wir meistens Glück mit dem Wetter.” Tatsächlich war der Regen 2012 ein Novum der Kunsttour. In diesem Jahr zeigte Gereon Heil, Schüler von Konrad Klappheck an der Kunstakademie Düsseldorf, neben einem Querschnitt durch sein Werk mit sehr schönen Zeichnungen noch aus seiner Studienzeit großformatige Gemälde aus seiner „Dorf”-Serie. Heil zeigt in dieser Reihe Ansichten von Dörfern aus einer ungewöhnliche Perspektive, der Vogelperspektie. Gereon Heil erläuterte seinen Gästen: „Die Sicht nach unten erlaubt es den Horizont zum Beispiel an den unteren Bildrand zu legen, wodurch der Eindruck des Taumelns noch verstärkt wird.”

Willi Wagels aus Birgden war der einzige Kunsttour-Teilnehmer in der Gemeinde Gangelt. Gerne hätte er seine umfangreiche Sammlung an eigenen Kunstarbeiten auch wieder im Garten präsentiert. „Davon hatten wir uns bei dem Wetterbericht aber schon am Samstag verabschiedet”, erzählte er und führte die Besucher durch sein Haus in der Gaterstraße, dass buchstäblich von oben bis unten vollgepackt mit Kunstwerken ist.

Dass der Holzofen knisternd Wärme verbreitete, sorgte für noch mehr Atmosphäre im Haus. In der ersten Etage dominierten die religiösen Motive. Unter anderem ein beeindruckender „Kreuzweg”, der das Leben von der Wiege bis zur Bahre (Foto) zum Thema hat. Daneben gab es Collagen und Malerei, Druckgrafiken und Skulpturen zu entdecken.

Tiefgründiges, Ironisches, Abstraktes und dazwischen immer wieder Bilder und Arbeiten, die den Künstler Willi Wagels selber zeigen. Einige Werke hatten es allerdings doch in den Garten geschafft, wie zum Beispiel die Geld-Wäsche-Anlage. Wer aus dem kalten Draußen herkam, der hatte sich einen wärmenden Kaffee verdient.
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