Krüger malt Bilder mit seiner Stimme

Von: Anna Petra Thomas
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Trotz einer langen Schlange vor dem Signiertisch nahm sich Hardy Krüger viel Zeit für jeden, der ihm ein Buch entgegenhielt. Foto: Anna Petra Thomas

Heinsberg. Da soll mal einer sagen, nur Frauen seien eitel. Nein, zumindest Hardy Krüger ist es auch. So findet sich zumindest in der Biografie, die den Umschlag seines neuesten Werks mit Titel „tango africano” ziert, keine Information über sein Alter.

Der fehlende Hinweis auf die Tatsache, dass der berühmte Schauspieler und Buchautor bereits 83 Jahre alt ist, hätte aber gar nicht fehlen müssen, denn Krüger beeindruckte sein Publikum in der voll besetzten Heinsberger Christuskirche auch bei seinem dritten Besuch in Heinsberg.

Einem Pfarrer könne man keine größere Freude bereiten als eine volle Kirche vor sich zu haben, begrüßte zunächst der evangelische Pfarrer Sebastian Walde als Hausherr die Gäste des Abends und verlas dann den kompletten Text der Biografie aus dem Buchumschlag. Als dann Krüger den Altarraum betrat, kannte der Beifall schon vor der Lesung kein Ende. Der Autor genoss ihn sichtlich. „Ich fühle mich hier auf Anhieb wohl”, gab er unumwunden zu.

Er bat den Pfarrer, als „Oberbeleuchter” das „Saallicht” zu löschen und tat dann nicht das, was viele Autoren tun; nämlich hier und da wichtige Passagen aus ihrem Buch vorzulesen und den Zuhörern den Rest zu erzählen. Krüger präsentierte seine „fliegenden Blätter” und betonte, er habe die Geschichte für diese Lesung „neu geschrieben, neu gefasst, neu kondensiert.” Er setzte sich und las.

Aber nicht nur einfach so: Da war die einfach, aber dennoch perfekte Inszenierung, bei der Krüger im Altarraum saß mit Leuchten um sich herum, die an Dreharbeiten erinnerten. Von dort nahm er seine Zuschauer mit, ja er malte Bilder vor ihren Augen. Das gelang ihm nicht nur durch seine eindrucksvolle Stimme, sondern immer dann besonders gut, wenn er selbst in die Rolle von Protagonist Karl Waller schlüpfte, der sich in seinem Flugzeug aufmacht zu seiner Geliebten Annika, die am Fuße des Kilimandjaro lebt. Die Hitze, die sich in der Piper breit machte beim Flug über den Nil, wurde sogar in Heinsbergs Kirche spürbar.

Dass Krügers schauspielerische Leistung dabei ebenso beeindruckte, bedarf kaum der Erwähnung. Aber sie war Teil des Gesamtwerks, das er an den Altar der Christuskirche brachte. Schwer atmete er zum Beispiel, als er in die Rolle Wallers schlüpfte, der im Sudan gerade Sprit in seine Piper pumpte, oder als er seine Füße fest auf den Boden presste wie Waller, der gerade mit beiden Füßen auf den Bremspedalen stand. Haften blieben schließlich bei den Zuhörern auch die Feinheiten der Sprache Krügers. „Unsere Hände halten sich umklammert. Nackt, als wären Hände Körper”, fühlte er wie Waller oder sprach perfekt Sächsisch, als er in die Rolle des Sudanesen schlüpfte, der einst in der ehemaligen DDR gelebt hatte.

Dazwischen war er immer wieder er selbst, sprach das Publikum direkt an, als sein „viel geliebtes”, „hoch geschätztes” oder „liebenswertes”, von dem er sich am Ende sogar als „Ihr ergebener Hardy Krüger” verabschiedete.

„Oberbeleuchter” Walde sprach allen Zuhörern aus dem Herzen, als er Krüger für sein „Kopfkino”, für seine „warmen, authentischen Worte” dankte. Sichtlich gerührt war der Autor ob des stürmischen Beifalls, der ihm danach zuteil wurde. „Wenn Sie so weitermachen, kann es Ihnen passieren, dass ich wiederkomme”, rief er ins Publikum, bevor er sich zusammen mit seiner Frau Anita daran machte, seine Bücher zu signieren. „Fragen Sie dabei, was Sie wollen, erzählen Sie mir alles, ich habe auch Zeit mitgebracht”, forderte er. Es brauchte nicht lange, bis er mit vielen seiner Zuhörer am Signiertisch im Gespräch war.
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