Kritik an Sendemast mit Windrad

Von: Franz Windelen
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Waldfeucht. „Antennenträger mit autarker Stromversorgung” - das hört sich etwas kryptisch an. Wenn man allerdings Besucher des Bau- und Planungsausschusses der Gemeinde Waldfeucht war, weiß man, dass es sich um einen Mobilfunksendemast mit Windrad handelt.

Zum einen bei der Ortschaft Löcken und zum andern zwischen Haaren und Brüggelchen, am Rande des Scharbroichs, möchte der Netzbetreiber E-Plus diese autarken Fernmeldestationen errichten. Der Antennenträger als solcher ist 40 Meter hoch, darauf wird zusätzlich ein zehn Meter hohes Windrad installiert, das - zusammen mit einem Solarmodul - für Energie sorgt. Sendemaste sind - erfahrungsgemäß - ein sensibles Thema, zumal neuerdings die Variante Windrad hinzukommt.

Und so verwundert es nicht, dass der Antrag im Ausschuss intensiv diskutiert wurde. Gregor Conen, Grüne, befürchtete einen „Wildwuchs” von Sendeanlagen in der Gemeinde. „Warum können die Masten nicht in einer Konzentrationsfläche zusammengefasst werden?”, wollte er wissen.

Bürgermeister Heinz-Josef Schrammen machte deutlich, dass das geplante Konzept für die Ausweisung einer solchen Fläche nach einem Beschluss des Bau- und Planungsausschusses aufgegeben worden sei. Man habe deshalb den Netzbetreibern den Vorschlag unterbreitet, die Anlagen auf gemeindeeigenem Terrain zu bauen. Aus funktechnischen Gründen sei dies beim Standort Scharbroich nicht Möglich; hier will der Antragsteller die Anlage auf einem privaten Waldgrundstück errichten.

Schrammen betonte, dass das E-Plus-Netz in der Gemeinde Waldfeucht schlecht aufgestellt sei, aber hier eine rege Nachfrage bestehe. „Ich beabsichtige nicht, den Netzausbau zu verhindern”, erklärte er. In puncto Wildwuchs meinte er: „Die anderen Betreiber - D1, D2 und O2 - haben erklärt, dass sie keinen neuen Anlagen brauchen, sondern die bestehenden aufrüsten.”

Peter Garczarek, Grüne, kritisierte vor allem den Sendemast bei Löcken, der wegen der Strahlung zu nah an die Wohnhäuser heranreiche: „Mit seinem Windrad gehört er in den Windpark.” Ralf Kretschmann von der UFW gab zu bedenken: „Die neuartigen Mini-Windkraftsendeanlagen, die demnächst wohl überall stehen, sind den Bemühungen Waldfeuchts im Wettbewerb ,Unser Dorf hat Zukunft nicht förderlich.” Den ästhetischen Aspekt griff Schrammen auf: „Mittlerweile werden kleine Windräder auf Einfamilienhäuser montiert. Das ist ein Problem, was uns noch beschäftigen dürfte.”

Den Makel im Landschaftsbild monierte auch Heinz-Josef Laufens, UBG. Der Mast im Wald zwischen Haaren und Brüggelchen sei in landschaftsschutz- und umweltschutzrechtlicher Hinsicht (unter anderem wegen des angrenzenden renaturierten Kitschbaches) störend. Auch er war der Meinung, dass beide Masten zu nahe an der Bebauung stehen. „Wenn die autark sind, warum setzt man sie nicht irgendwo anders hin?” Franz Dieter Janßen, CDU-Fraktionsvorsitzender, hielt dagegen: „Sobald ein Sendemast aufgebaut wird, wird dies sofort kritisiert. Dabei sind wir im Haus, im Büro massiver Strahlung durch Computer oder andere elektrische Geräte ausgesetzt. Das ist dann alles normal.”

Am Ende gab es - bei zwei Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen - den Kompromiss: Der Ausschuss beschließt, das Einvernehmen zu den Bauanträgen des Netzbetreibers zu erteilen. Außerdem wird die Verwaltung beauftragt, sich im Gespräch mit E-Plus in beiden Fällen um eine Standortverschiebung möglichst auf gemeindeeigene Grundstücke zu bemühen; ferner sollen die Antennen weiter entfernt von der Wohnbebauung positioniert werden.

Das letzte Wort bei diesem priviligierten Bauvorhaben hat aber die Baugenehmigungsbehörde, der Kreis Heinsberg, der alle rechtlichen Aspekte zu bewerten hat. Und so sprach der Ausschuss auch sein Anliegen aus, die Eingriffe in Natur und Landschaft gering zu halten.
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