Kreis Heinsberg - Kreissynode: „Der ungezügelte Kapitalismus” führte in die Krise

Kreissynode: „Der ungezügelte Kapitalismus” führte in die Krise

Von: hewi
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Bei der Tagung der Kreissynode des Evangelischen Kirchenkreises Jülich im Evangelischen Gemeindezentrum von Hückelhoven: Mitglieder der Synode präsentierten eine Info-Broschüre zur Schokoladenaktion Aachen. Foto: dK

Kreis Heinsberg. Bei der Herbsttagung der Kreissynode des Evangelischen Kirchenkreises Jülich im Evangelischen Gemeindezentrum von Hückelhoven stand die Wirtschaftskrise als zentrales Thema im Mittelpunkt.

Die Krise hat Auswirkungen auf die Mitgliedsgemeinden. Rund 15 Prozent weniger Einnahmen aus der Kirchensteuer werden für das kommende Jahr erwartet. Dies macht einen Griff in die Rücklagen notwendig. Der Haushaltsplan für das kommende Jahr sieht Ausgaben in Höhe von 9,5 Millionen Euro vor.

Zur Wirtschaftskrise bezog Superintendent Jens Sannig klar Stellung. Nicht sozialstaatliche Leistungen hätten das Wirtschaftssystem in die Krise gebracht, sondern „der ungezügelte Kapitalismus”, stellte der Pfarrer in seinem Bericht heraus. Aufgabe der Kirche sei nun auch die Gestaltung der Zukunft „jenseits des destruktiven Finanzkapitalismus”.

Dabei übte Sannig auch Selbstkritik. Viel zu lange habe die Hoffnung der Evangelischen Kirche Deutschlands „auf einem positiven Bild von der Wirtschaft” geruht. In einer entsprechenden Denkschrift im vergangenen Jahr sei ein „verklärtes Bild von der Wirklichkeit unternehmerischen Handelns” gezeichnet worden, das die Realität nicht widerspiegele. „Maßlosigkeit und Gier” hätten zu der Wirtschafts- und Finanzkrise geführt, die nun alle Menschen gleichermaßen betreffe.

Ein weiteres Schwerpunktthema war die Kinderarmut. Es wurde ein Initiativantrag zur Grundsicherung von Kindern angeregt. „Die Kirche hat auf der Seite der Armen und Schwachen zu stehen”, betonte Sannig. „Deshalb gehört die Kirche auf die Straße.” Auch wurde beschlossen, für den Religionsunterricht an den Schulen acht neue Stellen zu schaffen. Somit erhöht sich die Zahl der Religionslehrer im Kirchenkreis von zwölf auf 20. Die Vermittlung religiöser Werte gehöre zur Grundbildung, betonte Sannig.

Der Kirchenkreis engagiert sich seit Jahren in Fragen der Globalisierung und ihrer Folgen. Gemeinsam mit dem Bistum Aachen wurde von den Evangelischen Kirchenkreisen Aachen und Jülich die sogenannte Schokoladenaktion Aachen initiiert. Mit dieser ökumenischen Initiative wollen katholische und evangelische Kirche für „fair gehandelte” Produkte eintreten. „Ethik ist auch ein Marktaspekt”, erklärte Sannig. Die Frage der Ethik sei auch für die Verbraucher von wachsender Bedeutung. Deshalb habe die Kirche für einen fairen Handel zu kämpfen. Vorgestellt wurde auch die neue Internetseite des Kirchenkreises Jülich zum Thema „Ökofaire Beschaffung”.

Während der Tagung wurde auch an zwei Jubiläen erinnert: an den 500. Geburtstag des Schweizer Theologen Johannes Calvin und an den 75.Jahrestag der Barmer Theologischen Erklärung.
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