Kreis Heinsberg: Zahl der Straftaten auf neuem Höchststand

Von: disch
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Immer noch viel zu viele Wohnungseinbrüche: Im vergangenen Jahr verzeichnete die Polizei im Kreis Heinsberg 821 solcher Delikte. Foto: dapd

Kreis Heinsberg. „Der Landestrend ist auch an uns nicht spurlos vorbeigegangen”, sagte Landrat Stephan Pusch, Chef der Kreispolizeibehörde Heinsberg, als am Dienstag bei einem Pressegespräch die Kriminalitätslage 2011 präsentiert wurde.

17.624 gemeldete Straftaten bedeuteten gegenüber dem Jahr 2010 einen Anstieg um 498 Fälle (oder 2,91 Prozent). Damit ist der Höchststand der vergangenen zehn Jahre erreicht worden. Zugleich sank die Aufklärungsquote im vergangenen Jahr um 3,19 Punkte auf 47,54 Prozent. Unter den 6096 ermittelten Tatverdächtigen sind 252 Kinder, 682 Jugendliche und 737 Heranwachsende.

Für das Mehr an Straftaten gab es allerdings einen markanten Grund: Die Zahl der von der Bundespolizei angezeigten Fälle von Beförderungserschleichung, die in die Statistik der Kreispolizeibehörde einfließen würden, sei von 270 auf 800 angestiegen, erklärte der Erste Kriminalhauptkommissar Franz-Josef Krichel. Besonders viele ertappte „Schwarzfahrer” beeinflussen also das Kreis Heinsberger Zahlenwerk diesmal nachhaltig.

Um Vergleichbarkeit zwischen Regionen oder Kommunen zu ermöglichen, gibt es die sogenannte Kriminalitätshäufigkeitszahl. Sie gibt als rechnerische Größe die Zahl der Straftaten pro 100.000 Einwohner an. Da liegt der Kreis Heinsberg mit 6913 immer noch deutlich unter dem Landeswert von 8470. „Ausreißer” ist allerdings die Kreisstadt Heinsberg selbst: Sie liegt mit 9065 als einzige Kommune des Kreises über der NRW-Zahl.

Krichel berichtete mit Blick auf Heinsberg von mehr Spielhallen- und Tankstellenüberfällen, mehr Körperverletzungsdelikten, mehr Kennzeichen- und mehr Taschendiebstählen. Zudem entwickelte sich aus einem Einzelfall im Zusammenhang mit Kinderpornografie im Internet ein Sammelverfahren, das sich laut Polizei gegen Betreiber von Seiten ohne Altersschutz richtet. Statistisch wurden so 110 Fälle der Stadt Heinsberg zugerechnet, weil dort das ermittelnde Kommissariat seinen Sitz hat...

In der Stadt Heinsberg wie im Kreis Heinsberg insgesamt ist die Zahl der Wohnungseinbrüche zurückgegangen. Es wurden kreisweit 821 Wohnungseinbrüche verzeichnet (2010: 841); davon waren 308 Versuche (2010: 323). „Auch wenn die Zahl der Wohnungseinbrüche leicht gesunken ist: 821 sind immer noch viel zu viel”, so Landrat Pusch.

„Das Niveau kann uns nicht zufriedenstellen”, pflichtete ihm Polizeidirektor Hans-Joseph Rademacher bei. Mit 322 Einbrüchen pro 100.000 Einwohner liegt der Kreis über dem NRW-Wert (282). Allerdings: In anderen Regionen wurden 2011 mehr Einbrüche als 2010 verzeichnet: so in der Städteregion Aachen (plus 23 Prozent) oder im niederländischen Süd-Limburg (sogar plus 62 Prozent).

Krichel äußerte die vorsichtige und hoffnungsvolle Einschätzung, „dass unsere Konzepte langsam greifen”. Dazu gehörten die Sensibilisierung der Nachbarschaft und der Appell zu verstärkten Sicherungsmaßnahmen (von umfassender Beratung durch das Kommissariat Vorbeugung bis zum simplen Ratschlag, die Haustüre abzuschließen) ebenso wie Schwerpunkteinsätze von Polizei-Hundertschaften. Allerdings: Die Aufklärungsquote ist bei den Einbrüchen von 14,98 auf 8,28 Prozent gesunken.

Die Statistik aufgeschlüsselt:

Die Zahl der Straftaten mit Schusswaffen (ob mitgeführt, gedroht oder geschossen) blieb im vergangenen Jahr mit 83 (2010: 82) konstant.

Bei den Gewaltdelikten gab es im Kreis einen Anstieg um 2,5 Prozent, während landesweit ein Rückgang um zwei Prozent verzeichnet wurde. Die Zahl der Tötungsdelikte (ob Mord oder Totschlag; inklusive Versuchen) sank von 13 auf acht. Die Zahl der Raubdelikte stieg deutlich um 54 Fälle auf 167 Taten an. Die Gesamtzahl aller Körperverletzungsdelikte stieg von 1389 auf 1419 an.

Verzeichnet wurden wesentlich mehr angezeigte Diebstähle aus Neu- und Rohbauten, aus Baubuden und von Baustellen (64 Fälle in 2010 und 125 in 2011). Beim Diebstahl aus Kfz (1178) und an Kfz (648) gab es deutliche Zuwachsraten, während die Zahl der Pkw-Diebstähle von 174 auf 167 zurückging; dabei blieb es in jeweils 16 Prozent der Fälle beim Versuch.

Auffallend: Es gab mehr Tankbetrug (394 Fälle bedeuteten einen Zuwachs um 66,2 Prozent) und weniger Ladendiebstahl (776 Fälle stellten einen Rückgang um 19,8 Prozent dar).

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