Kreis Heinsberg will der Agit den Rücken kehren

Von: disch
Letzte Aktualisierung:
13665101.jpg
Das Technologiezentrum am Aachener Europaplatz, in dem die Agit ihre Räume hat. Foto: Harald Krömer

Kreis Heinsberg/Aachen. Der Kreis Heinsberg wird der Aachener Gesellschaft für Innovation und Technologietransfer (Agit) den Rücken kehren. Dies zeichnet sich ab, nachdem die Kreistagsfraktionen von CDU, Bündnis 90/Die Grünen, FDP und Freien Wählern einen gemeinsamen Antrag für die Sitzung am 2. März gestellt haben mit dem Ziel, aus der Agit auszutreten.

Seit der Gründung im Jahr 1983 habe sich die Agit zu einer technologieorientierten, regionalen Wirtschaftsförderungsagentur entwickelt, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung der Fraktionsvorsitzenden Norbert Reyans (CDU), Maria Meurer (Grüne), Stefan Lenzen (FDP) und Walter Leo Schreinemacher (FW). Aus heutiger Sicht müsse man jedoch feststellen, „dass die Großzahl der von der Agit durchgeführten Projekte eher eine Wirtschaftsförderung für Stadt und Städteregion Aachen darstellt“.

Der Kreis Heinsberg habe „eine sehr leistungsfähige Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG), die bereits heute weitestgehend Aufgaben der Agit übernimmt und gegebenenfalls ergänzend externe Leistungen einkaufen könnte“.

Der Kreis Heinsberg strebe auch im Bereich der Mitgliedschaft in überregionalen Gremien einen möglichst effizienten Mitteleinsatz an. Vor dem Hintergrund des geringen Mehrwerts der Agit für den Kreis Heinsberg sehen die vier Fraktionen in alternativen Mitgliedschaften „einen größeren Nutzen für die Bürger im Kreis“. Die Liste der freiwilligen Leistungen des Kreises Heinsberg enthalte für die Position Agit einen Haushaltsansatz in Höhe von 95.900 Euro.

Diese Mittel könnten nach Ansicht der Fraktionen als Mitgliedsbeitrag beispielsweise für die Metropolregion Rheinland oder für eine weitere Stärkung der eigenen WFG eingesetzt werden. Die Fraktionsvorsitzenden bekräftigten für ihre Fraktionen, dass im Sinne eines effizienten Mitteleinsatzes der freiwilligen Leistungen ein Ausscheiden des Kreises aus der Agit sinnvoll sei.

„Ich kann den Antrag der Fraktionen nachvollziehen“, sagte Landrat Stephan Pusch (CDU) am Freitag auf Anfrage. Angesichts der in politischen Gremien des Kreises bereits geführten Diskussionen um finanzielle und personelle Ressourcen sei – auch vor dem Hintergrund des beabsichtigten Beitritts des Kreises Heinsberg zur Niederrhein Tourismus GmbH – eine Abwägung, was am wenigsten zielführend für den Kreis Heinsberg sei, notwendig. „Ich halte diesen Antrag für richtig“, so Pusch.

Agit-Geschäftsführer Dr. Lothar Mahnke erklärte: „Wir bedauern das natürlich sehr, zumal wir gerade in einer Phase der Neuausrichtung der Agit sind, die gerade diese Kritikpunkte, die in dem Antrag stehen, aufgreift. Wir sehen die Agit nach wie vor als eine Klammer der gesamten Region. Und diese Klammerfunktion halte ich auch für sehr wichtig mit Blick auf den Strukturwandel, der ja gerade auch für den Kreis Heinsberg noch bevorsteht“, so Mahnke mit Blick auf die Zeit nach der Braunkohle. „Für uns wäre es sicherlich gut, wenn gerade auch im Kreis Heinsberg über die Neuausrichtung der Agit diskutiert würde. Der Antrag kommt sehr früh. Ich würde mir wünschen, dass diese Diskussionsphase erst einmal abgewartet würde.“

WFG-Geschäftsführer Ulrich Schirowski betonte, die Wirtschaftsförderung sei auf Kreisebene und in den Städten und Gemeinden gut aufgestellt: „Wir sind durchaus in der Lage, unsere Aufgaben zu erfüllen.“ Da sei die Frage nach dem konkreten Mehrwert der Agit für den Kreis mehr als berechtigt – erst recht angesichts der angespannten Lage der öffentlichen Haushalte.

Mit Blick auf regionale Zusammenarbeit über die Kreisgrenzen hinweg sei der Kreis Heinsberg gut positioniert, verwies er unter anderem auf Zweckverband Region Aachen („die Klammer der Region“), Innovationsregion Rheinisches Revier und Grünmetropole sowie zukünftig wohl Metropolregion Rheinland und Niederrhein Tourismus.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert