Kreis Heinsberg: Nach Jobverlust gleich ein Viertel in Hartz IV

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Kreis Heinsberg. Nach Berechnungen des Deutschen Gewerkschaftsbundes rutscht knapp ein Viertel der Beschäftigten im Kreis Heinsberg nach einem Jobverlust direkt in Hartz IV, Leiharbeitnehmer trifft es laut DGB noch stärker.

Insgesamt 1907 Beschäftigte im Kreis Heinsberg, die im Jahr 2011 aus einer sozialversicherten Tätigkeit heraus arbeitslos wurden, sind nach Gewerkschaftsangaben direkt ins Hartz IV-System gerutscht. Dies entspreche 23,06 Prozent aller arbeitslos gewordenen Menschen im vergangenen Jahr.

Normalerweise hätten Beschäftigte, die ihren Arbeitsplatz verlieren würden, Anspruch auf das aus Sozialbeiträgen der Arbeitnehmer und Arbeitgeber finanzierte Arbeitslosengeld. Durch die mit der Hartz-Gesetzgebung einhergehende Verschärfung der Anspruchsregelungen falle heute ein großer Teil der Arbeitslosen durch die Maschen des Sozialversicherungssystems und unterliege einem erhöhten Armutsrisiko, erklärte der DGB.

Denn wer arbeitslos werde und in den vergangenen zwei Jahren nicht mindestens zwölf Monate in einem sozialversicherten Beschäftigungsverhältnis stand, rutsche direkt in die Fürsorgeleistung Hartz IV. Im Jahr 2011 sind im Kreis Heinsberg insgesamt 8269 Menschen aus einer sozialversicherten Beschäftigung heraus arbeitslos geworden, nur etwa drei Viertel von ihnen erhielt demnach Leistungen aus dem Arbeitslosenversicherungssystem. Besonders problematisch ist nach DGB-Berechnungen die Situation in der Leiharbeitsbranche. Dort sei fast jeder Zweite nach Job-Verlust unmittelbar auf staatliche Fürsorge angewiesen. Für die Leiharbeitskräfte sei das Hartz IV-Risiko nach Jobverlust drei- bis viermal höher als im verarbeitenden Gewerbe.

Da die Mietkosten (Kosten der Unterkunft) für Hartz IV-Empfänger von den Kommunen übernommen würden, werde der Kreis Heinsberg durch die Sicherungs­lücken des Sozialversicherungssystems und die Politik des Heuern und Feuerns insbesondere in der Leiharbeit auch finanziell in besonderer Weise belastet.

Der DGB forderte, die Regelungen der Arbeitslosenversicherung insbesondere für kurzfristig Beschäftigte zu verbessern. Aus gewerkschaftlicher Sicht sollte insbesondere die Rahmenfrist, in der ein Anspruch erworben werden kann, wieder von 24 auf 36 Monate verlängert werden. Alle, die in den letzten drei Jahren mindestens zwölf Monate beschäftigt waren, würden dann wieder Arbeitslosengeld I erhalten, wie dies bereits vor den Hartz-Gesetzen der Fall war. Das würde die Benachteiligung befristet Beschäftigter etwas verringern und die Mietaufwendungen im Kreis Heinsberg für arbeitslose Hartz IV-Empfänger reduzieren.

„Die fairste Regelung wäre es, wenn Menschen, die nur kurz beschäftigt waren und ihren Arbeitsplatz verloren haben, mindestens für die Dauer ihres letzten Beschäftigungsverhältnisses Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung erhalten, bevor sie an die Jobcenter durchgereicht werden. Schließlich haben sie dafür Beiträge entrichtet”, so der Vorsitzende der ­DGB-Region NRW Süd-West, Ralf ­Woelk.
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