Hückelhoven-Ratheim - Kraftwerk in der Ruraue für 21 Millionen

Kraftwerk in der Ruraue für 21 Millionen

Von: Norbert F. Schuldei
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In Containern wird die Biomass
In Containern wird die Biomasse an die Anlieferungsstellen der beiden Kraftwerke auf dem Gelände von Schacht 3 gebracht. Foto: Schuldei

Hückelhoven-Ratheim. Die Zeche Sophia-Jacoba war nicht nur der größte Arbeitgeber in Hückelhoven und im Umkreis - 1986 zählte man noch rund 5000 Beschäftigte -, sondern zumindest indirekt auch die größte Dreckschleuder weit und breit: 1984 wurde die Rekordmenge von 420.000 Tonnen „Extrazit” gefördert.

Wie viel Kohlendioxid mit dem Verbrennen dieses hochwertigen, aber nicht eben umweltschonenden Brennstoffes in die Luft gepustet wurde, kann man nur erahnen. Aber solche Zeiten gehören der Vergangenheit an; Hückelhoven blickt schon lange nach vorne.

In seiner Rede beim Neujahrsempfang wird Bürgermeister Bernd Jansen ankündigen: Die Stadt Hückelhoven wird für das Jahr 2012 eine „regenerative Energiebilanz” ziehen. Um auszuloten, was an möglichem Energiepotenzial in diesem Bereich vorhanden ist und wie dies effizient genutzt werden kann, hat man sich Spezialisten der Fachhochschule Jülich als Partner geholt. Ein erster Workshop zu diesem Thema mit Vertretern der Verwaltung und der Politik hat bereits am 14. Dezember stattgefunden.

Einen wesentlichen Beitrag zu einer positiven regenerativen Energiebilanz für die Stadt leisten die beiden Biomasse-Kraftwerke, die auf dem alten Zechengelände an der Sophiastraße schon seit Jahren in Betrieb sind. Gefüttert werden die von der WEP (Wärme-, Energie- und Prozesstechnik) betriebenen Kraftwerke mit Biomasse: Holzabfall und Straßengrün, Schnitt von Bäumen und Sträuchern.

Aus diesen Rohstoffen - insgesamt weit mehr als 100 000 Tonnen pro Jahr - wird in einem ausgetüftelten System neben Strom auch Wärme erzeugt, die als „Fernwärme” über ein Leitungssystem („Ringleitung”) in die Häuser im Stadtgebiet transportiert wird. Rund 4000 Haushalte in Hückelhoven werden momentan mit Fernwärme versorgt.

Energetisch gesehen will die WEP in einigen Jahren vollkommen CO2 neutral sein. Im Industriepark Rurtal laufen derzeit die Vorbereitungen zum Bau eines dritten Biomasse-Kraftwerkes in Hückelhoven. Der Bebauungsplan (B-Plan 6-101-1/DF, Ratheim, SJ-Schacht 4/HK, Zechenring) ist mittlerweile so modifiziert worden, dass ein solcher Bau dort planungsrechtlich möglich ist. „Wenn alles gut geht”, sagt WEP-Geschäftsführer Klaus Brücher, „haben wir Ende Februar den Scooping-Termin”.

Scooping-Termin, das bedeutet: Die Regierungspräsidentin in Köln lädt alle Ämter, die mit dem Neubau eines solchen Kraftwerkes zu tun haben, an einen Tisch, um die rechtlich vorgeschriebenen Untersuchungen für solch ein Projekt auf den Weg zu bringen. Eigentlich hatte man mit einer Fertigstellung des rund 21 Millionen Euro teuren neuen Kraftwerkes zum Ende 2013 gerechnet. „Aber das werden wir nicht einhalten können”, sagt Brücher. Er rechnet mit der Inbetriebnahme im Frühjahr 2014.

Dann sollen am Standort zwischen Ratheim und Wassenberg aus biologischer Masse pro Jahr drei Megawatt, also 3000 Kilowatt, elektrische Energie erzeugt werden; das entspricht 15 Megawatt thermischer Energie. Was konkret auch heißt: Rund 800 Haushalte im Stadtgebiet Hückelhoven werden damit zusätzlich CO2 mit neutraler Fernwärme beheizt werden können.

„Wir befürworten das neue Kraftwerk-Projekt natürlich sehr”, sagt Hückelhovens Bürgermeister Bernd Jansen. Und er sagt auch, warum: „Zum einen ist es natürlich gut für unsere ambitionierte Energiebilanz. Zum anderen ist Fernwärme günstiger als Öl und Gas. Das macht sich im Geldbeutel der Bürger positiv bemerkbar”. Die Nachfrage nach einem Fernwärmeanschluss ist in der Stadt ungebrochen hoch. Und, was man auch nicht vergessen sollte: Mit dem Kraftwerk wird der Industriepark Rurtal ein wenig mehr gefüllt. Gibt es Aussichten auf weitere Ansiedlungen dort? „Wir sind dran. Aber wir suchen dort nicht das schnelle Glück, wir wollen eine Leuchtturmansiedlung”, sagt Jansen.

Es liefen, so der Bürgermeister, Gespräche mit dem „produzierenden Gewerbe”, die „mehrere hundert” Arbeitsplätze schaffen würden. „Aber”, das will der Bürgermeister betont wissen, „konkret ist da noch nichts”.
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