Konzert: Gekonntes Zusammenspiel und fiktives Streitgespräch

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Kreis Heinsberg. Einen außergewöhnlichen Konzertabend im Rahmen der ohnehin besonderen Meisterkonzerte der Anton-Heinen-Volkshochschule des Kreises Heinsberg erlebten die Zuhörer in der Erkelenzer Stadthalle. Es musizierte das Parfenov-Duo (André Parfenov, Klavier, und Iuliana Münch, Violine) nicht nur auf beeindruckend hohem Niveau, sondern auch mit einem gehörigen Schuss Witz und Humor und dem gelungenen Versuch, der manchmal für viele abschreckend wirkenden modernen Musik ihr atonales Image zu nehmen.

Der Pianist und Komponist André Parfenov studierte am Tschaikowsky-Konservatorium in Moskau und an der Folkwang-Hochschule in Essen. Seit 2000 ist er Solopianist an den Städtischen Bühnen Krefeld und Mönchengladbach.

Iuliana Münch studierte an den Musikhochschulen in Bukarest und Köln und hat sich einen Namen gemacht als Kammermusikerin und Solistin. Seit 2009 arbeiten die beiden erfolgreich im Parfenov-Duo zusammen.

Auf dem Programm standen Werke von Maurice Ravel (Sonate für Violine und Klavier G-Dur), Wolfgang Amadeus Mozart (Sonate für Violine und Klavier Nr. 21 e-Moll) und Sergej Prokofjev (Sonate für Violine und Klavier D-Dur op. 94a). Dabei zeichnete ein homogenes Zusammenspiel, bei dem keiner sich in den Vordergrund musizierte, das Duo aus.

Durch das Programm führte Iuliana Münch, die anmerkte, verschiedene Komponisten seien zum Konzert eingeladen gewesen. Mozart habe abgesagt, als er erfuhr, dass auch Ravel eingeladen sei. Aber der Lebendigste von allen sei sowieso Parfenov.

Und bei einem fiktiven Streitgespräch, das Parfenov und Münch als Mozart und Prokofjev über Prinzipien des Komponierens führten, klagte Mozart: „Was ist aus meiner Musik geworden?“ Und die trockene Antwort des russischen Kollegen: „Ich finde Ihre Briefe viel besser als Ihre Musik.“

Wie im Thema des Abends – „Der Komponist auf der Bühne“ – angedeutet, standen natürlich Werke von Parfenov im Mittelpunkt des Programms. Das begann mit „Reminiszenz und Fuga nach altirischer Art“ für Klavier solo, vom Komponisten großartig und mitreißend vorgetragen.

Außergewöhnlich lebhaft und spritzig erklang auch „Hommage an Sergej Sergejewitsch“ (Bearbeitung für Violine und Klavier nach einem Thema von Prokofjevs Cinderella Walzer). Und persönliche Erfahrungen klangen durch in der musikalischen Verarbeitung von „Erfolg und Blamage eines Installateurs“ im Stil amerikanischer Country-Musik.

Anrührend und zu Herzen gehend war der „Piloten-Tango“ aus dem Ballett „Verlorene Kinder“, der erst kurz zuvor in Mönchengladbach uraufgeführt wurde. Damit erinnert der Komponist an die Tragödie von 2002, als bei Überlingen am Bodensee unter anderen 52 russische Kinder ums Leben gekommen waren. Aber es stehen nicht Leid und Schmerz im Mittelpunkt der Musik, sondern die Erinnerung an glückliche Tage.

Dass Musik mit Esprit gut zusammenpasst, zeigte sich auch in der Zugabe: Fröhlich-frech erklang die 59 Sekunden dauernde „Zahnarzt-Polka“. Und es gab natürlich auch Blumen.

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