Konzert für Klarinette und Orgel: Den Geschmack der Hörer gut getroffen

Von: sche
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Heinsberg. Die Musik in St. Gan-golf ist auch nach Jahren der Vielfalt wie des Erfolges noch für Überraschungen gut. Die Besucher drückten ihre Zufriedenheit jetzt mit Sonderbeifall aus. Die Darbietenden goutierten das mit Zugabe.

Oft werden heute zeitraffende Konzerte mit stilistischen Verbindungen tituliert. „Von Barock bis Klezmer” hat es noch nicht geheißen. Dafür stand das Kölner Brüderpaar Christian Wolf, Klarinette, und Daniel Wolf, Orgel. Den Märztermin mussten sie aus Gesundheitsgründen absagen und holten ihn jetzt nach.

Musiker müssen ein Näschen haben, was heute ankommt. Das ist schon die halbe Miete. Die Beiden waren besonders erfolgreich, den Geschmack der Hörer zu treffen, weil sie keine „Hemmungen” hatten, zum Beispiel Barock spielten, obwohl es zu der Zeit noch keine Klarinetten gab.

Der flämische Flötist Jean-Baptiste Loeillet gehörte einer Zeit an, die unter dem Zeichen stand: auf zu neuen Ufern! Man wollte nicht nur alte Werke spielen, sondern neue erfinden, auch wenn sie nicht selten in deren Schatten standen. Loeillet war das Kirchturmsdenken fremd, und er emigrierte nach London.

Die Wolfs standen vor der Aufgabe, seine virtuosen Flötentöne zu einem neuen Klang Klarinette-Orgel zu verschmelzen. Ähnliches war gefordert bei Albinonis beliebtem Adagio in g-moll, obwohl es dem Blasinstrument selten gelingt, Streicher zu ersetzen. Darunter leiden alle „Harmonien”.

Der Klarinettist fand sich immer besser in die akustischen Möglichkeiten von St. Gangolf, obwohl er nicht verleugnen konnte, von Jazz oder Klezmer stark beeinflusst zu sein, während sein Bruder Alte Musik bevorzugte, die er am besten solo ausspielen konnte.

Dazu zählte der Klassiker Johann Ludwig Krebs, einer der besten Schüler von J.-S. Bach, der es seinem Lehrer gleichzutun trachtete und opulente, fugierte Orgelgroßwerke verfasste, mit dem der Organist prächtig auftrumpfen konnte, um ein weiteres Mal Improvisationskünste im alten Stil zu beweisen. Dafür trat der Klarinettist mit äußerst gefühlvollen Improvisationen direkt vor das Forum.

Alte Musik ist wie ein alter Schatz. Dazu zählten die englischen Maskentänze, fünf an der Zahl, die dieses Konzert besonders prägten. Diese Tänze stellen eine Fundgrube sowohl für Folkloristen wie Klassiker dar, denn diese Musik ging später in die Kunstmusik ein. An den Höfen wie auf Jahrmärkten und bei Festen war diese Musik außerordentlich beliebt.

In der bildenden Kunst sind als Zeitzeugen die Münchener Moriskentänzer von Erasmus Grasser erhalten geblieben. Nymphen oder Hexen wurden hier in der Musik „anonym” vergegenwärtigt und waren für die Besucher ein besonderes Erlebnis, schon wegen ihres delikatem Rhythmus. Es folgte ein weiterer Ohrwurm, Eric Saties Premiere Gnossienne.

Klezmer-Musik ist immer beliebter geworden, obwohl sie in der Literatur nicht mal erwähnt wird. Diese Musik „von der Wiege bis zum Grabe” schildert das tiefgläubige musikalische Empfinden der Ostjuden. Die Klarinette ist ihr Paradeinstrument, dem die Orgel nur „nachlaufen” kann.

Der stehende Schlussbeifall beendete ein Konzert, bei dem es selten so „populär” zugegangen war.
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