Konrad Beikircher: Kind aus „Freilandhaltung”

Von: anna
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Eindrucksvoll berichtete Konra
Eindrucksvoll berichtete Konrad Beikircher bei seiner Lesung in der Buchhandlung Gollenstede in Heinsberg auch außerhalb der beiden Buchdeckel aus seiner Kindheit. Foto: Anna Petra Wolters

Heinsberg. Bei seinem jüngsten Besuch in Heinsberg, dieses Mal als Buchautor in der Buchhandlung Gollenstede, bot Konrad Beikircher weit mehr als ein Hör- und Seherlebnis. Sein „Auftritt” wurde zu einem wahren Fest der Sinne.

Die rund 150 Gäste seiner Lesung konnten das Kalkgestein seiner minutiösen Beschreibung folgend quasi riechen bei dem gemeinsamen, gedanklichen Spaziergang in den Dolomiten. Und sie konnten schmecken, wie sich ein Getränk verändert, wenn es mit einem richtigen Strohhalm getrunken wird.

„Als Strohhalme noch aus Stroh waren - Eine Kindheit in Südtirol”, lautet dann auch der Titel des Buches, in dem Beikircher sich auf die Spuren seiner eigenen Kindheit gemacht hat. Dreh- und Angelpunkt des Werkes ist der Ort Bruneck, in dem das „Konnele” am 22. Dezember 1945 geboren wurde. In 26 kleinen Kapiteln und auf 175 Seiten nimmt der Bub den Leser und natürlich auch den Zuhörer mit in seine Welt.

Eigentlich viel zu kurz gefasst für einen echten Beikircher, und so verriet der Autor gleich zu Beginn, dass die bedruckten Seiten nur noch etwa ein Drittel dessen ausmachen, was einmal sein Manuskript war. Den Rest habe seine Lektorin „weggehauen”. Sie habe daraus ein literarisches Werk gemacht und den Inhalt auf die Essenz „eingedampft.” Eine Zeit lang habe er damit „a bisserl” ein Problem gehabt. „Ich wollte sonen Wälzer, ist ja mein Leben”, erinnerte er sich, fügte aber zugleich hinzu, seiner Lektorin mittlerweile absolut dankbar zu sein.

Was aber nicht heißt, dass er seine Kindheitserinnerungen vor Publikum nicht weit auswalzen würde, das dann auch noch mit ganz viel Humor und ohne seine Zuhörer mit seinen Ausflügen in minutiös geschilderte Details zu langweilen.

Fast eine ganze Viertelstunde brachte er so alleine beim Vorlesen des Vorwortes zu. Nahezu jedes gelesene Wort war ihm dabei Stichwort für eine kleine Anekdote außerhalb der beiden Buchdeckel.

„Ich bin ein Friedenskind”, ging er zum Beispiel bis in den März 1945 zurück. „Da kamen vormittags die Amis vorbei. Papa ging nach Hause und hat sich gefreut. Mama hat sich gefreut, und im Dezember bin ich auf die Welt gekommen.” Zudem sei er in „Freilandhaltung” aufgewachsen, habe schon als Dreijähriger einen Aktionsradius von drei bis vier Kilometern gehabt. „Wirklich wahr, da ist nix übertrieben”, schob er hier und da ein. Und seine emotional eindrucksvolle Art der Darstellung trug schließlich nicht zuletzt dazu bei, dass ihm jeder im Publikum glaubte.

Wenn das auch nicht immer leicht fiel. Etwa bei den „getunten” Bremsen oder, schlimmer noch, bei der Vorstellung, dass Beikircher in seiner Kindheit getestet hat, wie ein getrockneter Kuhfladen schmeckt oder sich vor seiner Nase der Regenwurm noch kringelte auf dem mit Erde belegten Brot. Alles glaubte man ihm, wenn er auch selbst schon im Vorwort verraten hatte, dass die historische Genauigkeit in Bezug auf die korrekte Einordnung von Daten ihm gar nicht so wichtig ist: „Natürlich steht hier nur die Wahrheit, die reine Wahrheit, wie ich sie erlebt hat, wie ich sie gerne erlebt hätte, wie ich sie gesehen habe, wie ich sie lieber gesehen hätte.” Fast hätte dieses Buch dazu geführt, „dass ich keine Lust mehr habe, hier im Rheinland zu leben, dass ich zurück will nach Südtirol”, schreibt er dort auch. „Bis ich gemerkt habe, dass ich gar nicht an die Orte zurück will, sondern in diese geborgene Zeit.”

So ganz nebenbei warb Beikircher für eine Reise in seine Heimat. Er sorgte für ausgelassene Heiterkeit, als er wieder ins Buch zurückkehrte und sein kindliches Wissen preisgab, wie denn die Kinder auf die Welt kommen und wie sie denn überhaupt hineinkommen in den Bauch der Mama. Schließlich gab er sich in der Zugabe wieder ganz als Kabarettist, als er einen ganz aktuellen Witz aus dem Rheinland zum Besten gab. Nicht gehen ließen ihn viele seine Zuhörer, ehe er ihnen das aktuelle Buch und auch ältere Werke signiert hatte.
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