Kommune als Anwalt für junge Menschen

Von: defi
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Kreis Heinsberg. Die Ergebnisse des Forschungsprojektes „Offene Kinder- und Jugendarbeit im Kreisjugendamtsbezirk Heinsberg: Bedarfe der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen“ wurden dem Jugendhilfeausschuss des Kreises Heinsberg präsentiert.

Der Ausschuss hatte die Katholische Hochschule Aachen mit diesem Forschungsprojekt beauftragt. Die Projektverantwortlichen, Prof. Dr. Marianne Genenger-Stricker und Prof. Dr. Verena Klomann, hatten zusammen mit ihrem Team eine ­Bestandsaufnahme in den Jugendamtskommunen Gangelt, Selfkant, Übach-Palenberg, Waldfeucht, Wassenberg und Wegberg erstellt und Handlungsempfehlungen erarbeitet. Die Zielgruppe der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen hatte sich in insgesamt 25 Gruppendiskussionen, an denen 283 Personen teilnahmen, zur offenen Kinder- und Jugendarbeit geäußert. Zusätzlich hatte das Forschungsteam in sechs Interviews insgesamt 21 Experten der offenen Kinder- und Jugendarbeit befragt.

Professorin Marianne Genenger-Stricker erläuterte, dass die moderne Patchwork-Identität der Zielgruppe sehr individuell gestaltet werde. Gesellschaftliche Veränderungen würden sich auf die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen auswirken. Der demografische Wandel, Migration, Flucht, Rechtspopulismus, das Zurückziehen des Sozialstaates und die Medialisierung und Digitalisierung hätten Auswirkungen.

Genenger-Stricker: „Bildung ist mehr als das, was in der Schule passiert.“ Daher würden die Zukunftschancen der Kinder und Jugendlichen auch stark von den außerschulischen Bildungsangeboten wie der offenen Kinder- und Jugendarbeit geprägt. Da würden sich die Meinungsbildung und die so wichtigen sozialen Kompetenzen ent­wickeln.

„Zu wenig Zeit“ werde von Kindern, Jugendlichen und jungen Heranwachsenden gleichermaßen beklagt, hatte das Forschungsteam festgestellt. Der Zielgruppe „Freiräume“ zu schaffen, sei auch ein Auftrag an das aktuelle Bildungssystem. Die in der offenen Kinder- und Jugendarbeit gemachten Freizeitangebote habe die Zielgruppe als nur eingeschränkt erreichbar wahrgenommen. Schlechte Verbindungen und hohe Kosten im Öffentlichen Personennahverkehr seien kritisiert worden. Jugendliche würden oft von öffentlichen Plätzen vertrieben, wurde beklagt. Bei Kindern spiele die Verpflegungsmöglichkeit in den Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit eine nicht unbedeutende Rolle.

Kontinuität, Verlässlichkeit und Sicherheit seien Stichworte, die für eine erfolgreiche Kinder- und Jugendarbeit unerlässlich seien. Wichtig sei für Kinder wie Jugendliche, dass sie in den Einrichtungen Freunde treffen können. Altersspezifische Angebote würden erwartet.

Eine Empfehlung des Forschungsteams an Politik und Verwaltung lautet: „Entwicklung und Ausbau eines Mobilitätskonzeptes“. Eine weitere: „Die Kommune muss sich als Anwalt für junge Menschen sehen.“ Die finanzielle und personelle Ausstattung der offenen Kinder- und Jugendarbeit müsse verbessert und abgesichert werden. Alle jungen Menschen müssten Zugang zu allen Sozialräumen haben.

Der Jugendhilfeausschuss wird sich in einer speziellen Sitzung mit den Ergebnissen des Forschungsprojektes befassen.

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