Klimapilger erkunden das Kohlerevier

Von: ptj
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Auf dem Weg zum Klimagipfel nach Paris: Rund 60 „Pilger für Klimagerechtigkeit“ informieren sich im Tagebau Inden. Foto: Jagodzinska

Kreis Heinsberg. Auf dem Weg zur UN-Klimakonferenz in Paris, bei der ein neues internationales Klimaabkommen beschlossen werden soll, machten rund 60 „Pilger für Klimagerechtigkeit“ im Rheinischen Braunkohlerevier Station.

Auf Einladung des „Vereins zur Förderung kirchlicher Umweltberatung in der katholischen Kirche (FKU), des evangelischen Kirchenkreises Jülich und der Projektorganisation Regionale Ölpflanzennutzung (P.R.O.) durchliefen sie ein vielschichtiges Tagesprogramm. Das hatte zum Ziel, zum Thema „Erhalt der Schöpfung“ über die Zerstörung der Landschaft und die Klimabelastung durch Braunkohlegewinnung und -verstromung aufzuklären und eine Diskussion über alternative Energien anzustoßen.

„Verheizte Heimat“

Begonnen wurde mit einem liturgischen Impuls in der evangelischen Kirche. Dort berichtete der ehemalige Indener Pfarrer Wolfgang Kosta über seine Erfahrungen in der Umsiedlungsgemeinde, wo öffentliche Proteste nicht üblichen seien. Sein damaliges Plakat mit dem Titel „Verheizte Heimat“ habe er wieder abhängen müssen, obwohl man „als Kirche das Recht hat, den Preis zu benennen“.

Zweite Station war der Aussichtspunkt Merödgenerstraße des Tagebaus Inden mit seinen bis zu 45 Meter starken Kohleflözen, die bis zu 230 Meter tief liegen, und einer Jahresförderung von rund 22 Millionen Tonnen Braunkohle. „Lassen Sie sich nicht täuschen“, forderte P.R.O.-Vorsitzender Hans-Peter Katz die Pilger auf, die den Tagebau bei wunderschönem Sonnenschein erstmalig in Augenschein nahmen. Seine Hintergrundinformationen verpackte er in dem Märchen „Im Land der stählernen Drachen“, die „ein ganzes Land samt Bevölkerung als Tribut fordern“ und ihnen das Gefühl vermitteln, Auserwählte zu sein.

Vermittelt wurden Daten über Entstehung, Technik, Kosten, Umwelt-Auswirkungen der Tagebaue und soziale Konflikte inklusive Arbeitsplätze im Strukturwandel. Auf die Frage eines Pilgers zum Erhalt der Feuchtgebiete antwortete der Indener Tagebauleiter Dr. Andreas Wagner: „Wir betreiben dieses System von Versickerungen seit rund 20 Jahren, das seit dieser Zeit stabil funktioniert. Wir kompensieren nur das, was die Tagebaue abziehen. Wir verdrängen eigentlich eher das Wasser der intensiven Landwirtschaft um die Tagebaue herum“. Er verwies auf 800 Arbeitsplätze allein im Indener Tagebau. Er betonte, im Generalverdacht als „Klimakiller“ zu stehen, „tut uns auch weh. Wir sind auch Christen“. Katz entgegnete: „Wir sind nicht gegen die Arbeitsplätze, sondern gegen das System.“

Die Mittagspause im katholischen Pfarrzentrum Inden/Altdorf statt war verbunden mit der Betrachtung der ökumenischen Ausstellung „Klima-Kreuz“. Ein anschauliches Beispiel zum Themenkomplex „Alternative Energiegewinnung / Landwirtschaft und Umsiedlung“ war am Nachmittag die Biogasanlage und das Holzpelletwerk im Energiepark Ameln, wo Effizienzgewinne durch Kraft-Wärme-Kopplung erzielt werden.

Gang durch menschenleere Dörfer

Das Thema „Kirche und Umsiedlung“ im Abbaugebiet Garzweiler II erlebten die Politpilger hautnah beim Gang durch menschenleere Dörfer wie Borschemich. Der katholische Pfarrer Günter Salentin, früherer Dechant in Erkelenz, der bereits seit 20 Jahren an der Seite der Garzweiler-Gegner kämpft, ohne die im Tagebau Beschäftigten auszugrenzen, zählte zu der kleinen Gruppe der Umsiedlungszeugen, die den Pilgern gerne darüber berichteten.

Am Markt in Immerath fand ein abschließender Austausch über persönliche Eindrücke und die Botschaft des Tages statt. Nach dem Reisesegen durch Pfarrer Salentin formulierte der evangelische Superintendent und Vertreter der Klima-Allianz Deutschland, Jens Sannig, seinen Reiseimpuls: „Wer jetzt bei der Energiewende bremst, anstatt konsequent auf Energieeffizienz und erneuerbare Energien zu setzen, setzt nicht nur die Klimaschutzziele aufs Spiel, sondern gefährdet auch die zukunftsfähige Umstrukturierung der alten Kohlereviere“.

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