Klimaaktivisten campen ganz nah am Tagebau

Von: hewi
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Altbekannte Symbole und markige Slogans: Sie dürfen beim Klimacamp in Erkelenz-Lützerath nicht fehlen.
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Das Klimacamp: Auf einer Wiese in Erkelenz-Lützerath – nahe dem Tagebau Garzweiler – stehen die Zelte.

Kreis Heinsberg. Das Klimacamp in Erkelenz-Lützerath bringt aktuell Hunderte Klimaaktivisten und Kohlegegner an den Ort des Geschehens. Näher kann ein Camp dieser Größenordnung kaum an den Braunkohlentagebau heran­rücken.

Beim Klimacamp – verbunden mit der Degrowth-Sommerschule zum Thema Klimagerechtigkeit – wollen sich die Teilnehmer kreativ, ganz praktisch und auch theoretisch mit dem Klimakiller Kohlendioxid auseinandersetzen.

Formen des Widerstandes

In Workshops und Arbeitskreisen geht es um Formen des bürgerlichen Widerstandes und Zukunftsperspektiven gleichermaßen. Einige der Referenten stammen aus dem „politischen Süden“. So nennt man in Kreisen der Klimaaktivisten diejenigen Länder, „die nicht so privilegiert sind wie die westlichen Länder“, erklärt Melanie Schubert, die gemeinsam mit Pia Stolze für die Pressearbeit im Klimacamp zuständig ist. In den früheren „Entwicklungsländern“ seien die Auswirkungen des Klimawandels drastisch zu erleben.

Es gehe auch darum, vor dem Klimagipfel im Dezember in Paris „adäquate Strategien politischer Intervention“ unter den Klima­aktivisten zu diskutieren, betont Milan Schwarze. „Man kann Sitzblockaden durchführen, ohne dass es eskalieren muss“, ist er sich sicher. Wie das geht, wird auch im Klimacamp geübt. Zur Deeskalation können auch Clowns beitragen. Entsprechende Clown-Workshops sollen Anregungen bieten. Oder man informiert sich schon im Vorfeld, welche Protestaktion wie geahndet werden könnte, wenn man erwischt wird. „Regelüberschreitungen sind im Rahmen des Energiegipfels gerechtfertigt“, so fasst Schwarze die gängige Sprachregelung unter den Klimaaktivisten griffig zusammen. Er engagiert sich bei der Initiative „Ende Gelände“, die für das kommende Wochenende – parallel zum Ausklang des Klimacamps – Aktionstage ausgerufen hat.

Eintopf in riesigen Töpfen

Um die Versorgung der zu Spitzenzeiten knapp 1000 Klimacamper kümmert sich auch in diesem Jahr das niederländische Kochkollektiv Rampenplan. Gesund und in großen Mengen muss gekocht werden. Dementsprechend riesig sind die Töpfe, in denen der Eintopf gekocht wird.

Vom Essen aus geht es dann in die Arbeitskreise und Workshops, wo die Ideen von „Degrowth“ (Wachstumsrücknahme) und die Zusammenhänge von Kohleverstromung und Missernten in der Landwirtschaft diskutiert werden. Zur großen Versammlung und zur Podiumsdiskussion ist das Zirkuszelt, das mehrere Hundert Personen fasst, der Treffpunkt.

Resonanz aus Bevölkerung positiv

Damit man sich dort auch versteht, hat ein Dolmetscher-Kollektiv die Aufgabe übernommen, simultan in verschiedene Sprachen zu übersetzen. Die Ergebnisse bekommen die Teilnehmer bei Bedarf direkt auf den Kopfhörer gespielt. Für die internationalen Gäste ist also gesorgt. Wie sieht es mit der vom Tagebau betroffenen Bevölkerung vor Ort aus? „Natürlich hoffen wir, dass auch Anwohner zu unseren Veranstaltungen kommen“, sagt Pia Stolze beim Rundgang durch das Camp. Die Resonanz aus der Bevölkerung sei bislang positiv.

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