„Kleine Kühlschränke”: Worüber sich US-Gastschüler in Heinsberg wundern

Von: Christian Bosten
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Gundi Sander-Edel (l.), Leiter
Gundi Sander-Edel (l.), Leiterin des Gymnasiums Hückelhoven, in der Bildmitte Staatssekretär Thomas Rachel und die Betreuerin der jungen Amerikaner, Ima Sturm (r.). Foto: Sommer

Kreis Heinsberg. Oktoberfest, Weißbier und Menschen in bayerischen Trachten - das ist das klischeebeladene Bild der Deutschen in den Vereinigten Staaten.

Dass Deutschland aber wesentlich facettenreicher daherkommt, haben sechs Austauschschüler aus den Vereinigten Staaten während ihres einjährigen Aufenthalts im Kreis Heinsberg festgestellt.

Die Schüler sind Stipendiaten im Parlamentarischen Patenschaftsprogramm (PPP), einem Förderprogramm für transatlantischen Schüleraustausch, das vom Deutschen Bundestag sowie dem Kongress der USA unterstützt wird und 1983 von beiden Seiten ins Leben gerufen wurde. Da die Jugendlichen von jeweils einem Bundestagsabgeordneten als Paten betreut werden, steht Thomas Rachel, der parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung bereit.

Seitdem der CDU-Politiker im Bundestag vertreten ist, ist er von diesem Patenprojekt begeistert und unterstützt es nach Kräften. Im August 2011 kamen die sechs Schüler aus den USA nach Deutschland.

Dane Austreng, der im Staat Washington beheimatet ist und derzeit in Hückelhoven wohnt und das dortige Gymnasium besucht, wunderte sich über einen ungewöhnlichen deutschen Vorgang. Für ihn sei es „überraschend gewesen, dass meine Gastmutter jeden Morgen das Fenster öffnete, um frische Luft ins Zimmer zu lassen. Bei uns Zuhause gibt es nur Klimaanlagen”, sagt er.

Auch die verhältnismäßig kleinen Kühlschränke machten Dane Austreng Angst, da er glaubte, zu wenig zu essen zu bekommen. Taylor Eastman aus Kalifornien, die in Heinsberg wohnt und die Betty-Reis-Gesamtschule in Wassenberg besucht, erkennt viele Vorteile in Deutschland. So sei es viel schneller möglich, mit öffentlichen Verkehrsmitteln die nächstgelegenen Großstädte zu erreichen. In den USA sei man meist auf ein Flugzeug angewiesen, um die langen Distanzen zu überwinden. Ihre Begeisterung geht sogar so weit, dass sie nach ihrem Schulabschluss an der RWTH Aachen Biochemie studieren möchte.

Phoebe Law, die auch aus dem Staat Washington kommt, ist derzeit in Wegberg Zuhause und besucht das Maximilian-Kolbe Gymnasium. Ihr Hobby Taekwando lebt sie begeisternd in Aachen aus. Kassondra Ptak, die aus South Dakota stammt, wohnt zurzeit ebenfalls in Wegberg und besucht die Betty-Reis-Gesamtschule. Das fußballbegeisterte Mädchen spielt momentan als Torhüterin in der Damen-Mannschaft des Kreisligisten SSV Kirchhoven und wandelt auf den Spuren der besten Torhüterin der Welt, der US-Amerikanerin Hope Solo.

Auch Micah Nelson aus Minnesota, der in Hückelhoven wohnt und das städtische Gymnasium besucht, hat als Triathlet ehrgeizige sportliche Pläne. Besonders begeistert zeigten sich die US-amerikanischen Schüler von der fünften Jahreszeit, dem Karneval. Dabei betonten sie besonders das Zusammengehörigkeitsgefühl beim Straßenkarneval, das den Schülern aus den USA überhaupt nicht bekannt ist.

Die stellvertretende Schulleiterin des Hückelhovener Gymnasiums, Radegunde Sanders-Edel, fügt an, dass sich die Schule immer bemüht habe, Schüler aus den USA einzuladen. Denn es sei zu erkennen, dass Schüler, die ein Jahr weg waren, wesentlich gereift sind. Ein Lehrbuch könnte dies nicht vermitteln. Am 21. Juni heißt es für die amerikanischen Austauschschüler Abschied zu nehmen: Dann reisen sie zurück in ihre „richtige” Heimat.
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