Erkelenz-Borschemich - Kirchenchor in Borschemich singt nach 162 Jahren zum letzten Mal

Kirchenchor in Borschemich singt nach 162 Jahren zum letzten Mal

Von: dn
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Mit einem Festgottesdienst verabschiedeten Pastor Rombach und Pater Theodarus Megens den Kirchenchor Cäcilia der Kapellengemeinde Borschemich. Nach 162 stellt der Chor sein Wirken ein. Foto: Dahmen

Erkelenz-Borschemich. Nach 162 Jahren werden die Sängerinnen und Sänger des Kirchenchores Cäcilia Borschemich am 2. Weihnachtstag zum letzten Male zur Ehre Gottes und zur Erbauung und Freude der Gemeinde singen und somit ihre gesangliche Mitwirkungen bei Kirchen und örtlichen Anlässen in der Kapellengemeinde St. Martinus einstellen.

Fehlender Nachwuchs, fortgeschrittenes Alter und Krankheit einiger Mitglieder sowie die altersbedingte Aufgabe des Chorleiters Peter Stresius (75) haben zu diesem Schritt geführt. In einem Festgottesdienst verabschiedete Pastor Werner Rombach und Pater Theodardus Megens den Chor offiziell mit vielen Dankesworten. Als Abschiedsgeschenk an die Kapellengemeinde führte der Chor die Messe brvis no. 7 in c von Charles Gaunod auf. Schon wieder ein Verein weniger, schon wieder ein Verein, der aufgibt, mag sich mancher im Gottesdienst gesagt haben.

Dazu erklärte Vorsitzender Hans-Jürgen Goebels in seinem Dank am Schluss der Messe, der Grund für die Auflösung basiere nicht auf die stattfindende Umsiedlung und den daraus resultierenden Folgen. Die Gründe seien einfach Fakten, die seit Jahrzehnten gleich sind: Überalterung und kein Zuwachs in den einzelnen Stimmen.

Erschwerend käme jetzt hinzu, dass Dirigent Peter Stresius in den verdienten Ruhestand trete, und der Chor sich um einen neuen Chorleiter oder Chorleiterin bemühen müsse. „Eine fast aussichtslose Situation, zumal unser Chor für einen Neuanfang in den einzelnen Stimmen einfach zu schwach besetzt ist”, betonte der Vorsitzende. Es gehe hier um grundsätzliche Problematik des fehlenden Nachwuchses in den Kirchenchören. Dazu stellte Goebels die Fragen zum Nachdenken in den Raum: Woran liegt es, dass es bei den Chören keinen Nachwuchs gibt? Ist es, weil es ein Kirchenchor ist und dies heute nicht mehr „in” ist? Ist es, weil immer weniger Menschen mit der Kirche etwas anfangen können? Oder fehlt es heute generell an Bereitschaft, sich einer Gemeinschaft anzuschließen? Gibt es heute keine Idealisten mehr, die sich mit Freude und Begeisterung für eine gute Sache einsetzen?

Die offizielle Verabschiedung nahm Hans-Jürgen Goebels gleichzeitig zum Anlass, Dank zu sagen an die fördernden Mitglieder, Freunde und Gönner, allen Mitgliedern der Pfarrgemeinde, den Ortsvereinen und kirchlichen Gremien. Ganz besonders beim Chorleiter Peter Stresius für seine Geduld und Ausdauer, Anne Jansen für die musikalische Begleitung an der Orgel wie auch beim Organisten Hermann-Josef Müller für seine stets aufmunternden Blicke auf der Orgelbühne.

7Wenn der Chor am zweiten Weihnachtstag zum letzten Mal singen wird8, so Goebels, „muss es nicht unbedingt bedeuten, dass es künftig keine gesangliche Mitwirkung bei Gottesdiensten mehr geben werden”.

Stehender Applaus am Ende

„Wir sind bemüht, soweit sich genügend bereitwillige Sängerinnen und Sänger aus unserem Chor finden werden, uns einem gemischten Kirchenchor anzuschließen.” Allerdings müsse sichergestellt sein, dass dieser Chor dann zumindest an den kirchlichen Feiertagen an einem Tag, den Gottesdienst in Borschemich oder später in Borschemich-neu mitgestaltet. Erste Gespräche wurden bereits geführt. Tatsache bleibe, der Kirchenchor wird nach 162 Jahren zum Jahresende seine gesangliche Tätigkeit einstellen. Dem Schlussgesang folgte Dank für 162 Jahre im Dienst der musica sakra minutenlanger stehender Beifall. Einen besonderen Platz in der Chronik der Vereinsgeschichte von Borschemich hat der Kirchenchor mit seinem Wirken gefunden.
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