Kirche St. Anna: Erinnerung an gesprengtes Wahrzeichen

Von: hama
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Filigrane Arbeit: Erich Peters (Mitte) hat wieder ein Kirchenmodell – diesmal der alten Kirche von Schierwaldenrath – gebaut. Gemeinsam mit Gerd Ezilius und Siggi Schlebusch entstand auch ein Buch über die Geschichte des Gotteshauses bis zu ihrer Zerstörung. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Gangelt-Schierwaldenrath. Wenn Ende des Monats in der Schierwaldenrather Kirche St. Anna das Schlusslied gesungen ist, sind die Besucher zum dritten Kirchencafé eingeladen. Dabei wird nicht nur die Geselligkeit in dem Gotteshaus gepflegt, drei Herren werden außerdem ihre Recherchen rund um die erste, 1889 eingeweihte Kirche vorstellen. Herausgekommen ist in Buchform ein hervorragender Beitrag zur Ortsgeschichte, der an das Gewesene erinnert und die heutige Generation mahnt.

Denn diese Kirche, Vorgängerin der heutigen Kirche St. Anna, wurde während des Zweiten Weltkrieges im Oktober 1944 von der deutschen Wehrmacht gesprengt, weil die Verantwortlichen Angst hatten, dass der hohe Kirchturm den Alliierten als Ausguck diesen könnte.

Erschreckend war, was die Schierwaldenrather nach der Evakuierung von ihrer Kirche wiederfanden. Umso größer zu bewerten die Leistung derer, die geholfen haben, St. Anna in ähnlicher Form wieder aufzubauen. Während Erich Peters im letzten Jahr sein Modell von St. Anna-neu im Maßstab 1:50 beim 2. Kirchencafé vorgestellte hatte, wird diesmal die Ur-Kirche den Gästen präsentiert.

Im gleichen Maßstab hat er in 456 Arbeitsstunden aus Sperrholz, Holzleim und Farbe die alte Kirche auferstehen lassen. „Ja, so hat sie wirklich mal ausgesehen“, urteilte eine alte Schierwaldenratherin und adelt damit das Modell zusätzlich. Zusammen mit Gerd Ezilius und Siggi Schlebusch hat Erich Peters auch an dem Buch gearbeitet.

„St. Anna, Pfarre und Kirche schrieben Geschichte durch den Krieg“, ist der Titel, dem noch „Eine sinnlose Zerstörung – eine Mahnung zum Frieden“ angefügt ist. Es finden sich ein Grußwort von Pfarrer Hannig, die Planungen durch den Architekten Erasmus Schüller und manch Wissenswertes um die Kirche.

Es finden sich aber vor allen Dingen Berichte von Zeitzeugen. Die sind für die Nachwelt von immenser Wichtigkeit, da deren Zeit ja langsam abläuft. Unter anderem kommen Agnes Spiertz, Paul Vallen, Heinrich Hilgers und Mathilde Spennrath zu Wort. Heinz Dieken hat aufwendig einen Jagdbomberangriff auf die Kreisbahn (heutige Selfkantbahn) recherchiert.

Hierzu waren bis dahin viele unterschiedliche Versionen in Umlauf. In dem Buch wird aber auch an die gefallenen und vermissten Soldaten und Ziviltoten der beiden Kriege erinnert. Die Tatsache, dass ein 14-jähriger sinnlos zu Tode kam, soll den Grundstein zu diesem Buch gelegt haben.

All das und eine kleine Ausstellung rund um die Recherche zur Kirchengeschichte werden am 26. Oktober nach dem Gottesdienst um 10.30 Uhr in St. Anna präsentiert. Den Anlass bietet die Einsegnung der ersten Kirche vor 125 Jahren. Außerdem wird an den 70. Jahrestag der Zerstörung des Gotteshauses erinnert. Die Organisatoren wünschen sich sehr, dass über all diese Geschichten eine rege Diskussion stattfindet, während man bei Kaffee und Brötchen beisammen ist.

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