Kindergartenbus steht vor dem endgültigen Aus

Von: Dettmar Fischer
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Die Minen der Kinder aus Walde
Die Minen der Kinder aus Waldenrath und Umgebung meinen es ernst, sie fordern: „Rettet den Kindergartenbus”. Foto: defi

Heinsberg-Waldenrath. Seit 30 Jahren werden Kinder aus den umliegenden Dörfern mit dem Bus zum städtischen Kindergarten in Waldenrath gefahren. Zum Beginn des neuen Kindergartenjahres im September stellt die Stadt Heinsberg die Busbeförderung ein und hat dies den betroffenen Eltern mit einem Schreiben vom 29. Juni mitgeteilt.

25 Kinder fährt der Bus derzeit morgens zum Kindergarten und holt sie mittags wieder ab. Marlies Boms ist seit 24 Jahren Busbegleiterin und hat stets ein waches Auge auf „ihre” Kinder. Für Boms und die Eltern ist der Kindergartenbus mehr als nur eine Möglichkeit, die Mädchen und Jungen sicher in den Waldenrather Kindergarten zu bringen, der Bus ist für sie ein Stück intaktes Dorfleben. Dieses wollen sich die Väter und Mütter nicht so einfach nehmen lassen und haben daher die Elterninitiative „Rettet den Kindergartenbus” gegründet.

Die erste Gemeinschaftsaktion fand am Samstag vergangener Woche statt: T-Shirts bemalen. „Bus bleib noch hier” haben Mia und ihre beste Freundin Emily auf ihre weißen Shirt geschrieben. „Wenn der Bus nicht mehr kommt, verliere ich meine Freunde”, schrieb Leon. Auf dem Hemd des kleinen Jeremy, der den größten Teil seiner Kindergartenzeit noch vor sich hat, steht: „Ich will auch noch mit dem Bus fahren.” So wie Jeremy möchten das im kommenden Kindergartenjahr circa 30 Kinder tun, doch daraus wird wohl nichts werden, wenn die Stadt Heinsberg bei ihrer Entscheidung bleibt - und davon ist wohl aus zu gehen.

Die Beförderung der Kinder zum Kindergarten ist eine freiwillige Leistung der Stadt und fällt in die „Konsolidierung des städtischen Haushalt”, wie Hermann Rademächers, Leiter des Schulamtes der Stadt Heinsberg, in seinem Schreiben an die Eltern mitteilte, zum Opfer. Zweite Aktion der Initiative „Rettet den Kinderbus” war die erste Elternversammlung in der Bürgerhalle Scheifendahl. 25 Mütter und Väter waren gekommen und Waldenraths Ortsvorsteher Manfred Fell. Zwei Kinder aus Scheifendahl, zwei aus Aphoven, eins aus Erpen, 21 aus Straeten und sechs Kinder aus Pütt fahren mit dem Kindergartenbus, notierte Manfred Fell auf seinem Merkzettel, den er in die nächste Sitzung der CDU-Stadtratsfraktion am kommenden Montag mitnehmen wird. Allzuviel Hoffnung, dass er seine Fraktion dazu wird bewegen können, geschlossen für den Erhalt des Kindergartenbusses zu kämpfen, machte Fell den Eltern aber nicht.

Das Argument „auch in den übrigen Heinsberger Ortschaften fahren Eltern ihre Kinder selber in den Kindergarten” sei schwer zu widerlegen, räumte der Ortsvorsteher ein. Die Eltern sehen das anders. Christina Koprek, Mutter von Jeremy, befürchtet: „Wenn der Kindergartenbus wegfällt, werden einige Eltern ihre Kinder im Kindergarten abmelden müssen. Unsere Kinder verlieren ihre Freunde und sozialen Kontakte.” Marlies Boms ergänzt: „Wir haben immer gedacht, hier sind noch so viele Kinder, da bleibt der Bus bestehen.”

Eine Mutter aus Pütt hatte in der Annahme, der Bus würde auch im kommenden Kindergartenjahr noch fahren - erst vor vier Wochen habe man ihr das noch bestätigt -, ihr Kind in Waldenrath angemeldet. Es gibt Familien und Alleinerziehende ohne Auto oder mit nur einem Fahrzeug. Da sehen sich manche schon bei Schnee und Regen übers Feld und über unbeleuchtete Straßen mit ihren Kindern zum Waldenrather Kindergarten ziehen. Mit einer Prise schwarzem Humor unterlegt meinte Christina Koprek: „Dann machen wir einen Sammelspaziergang zum Kindergarten.”

Ein Sammelbus wäre einfacher - doch wer bezahlt´s? Die Eltern sind zwar bereit, ihren monatlichen Beitrag zum Kindergartenbus von zurzeit 6 Euro aufzustocken. Doch ganz ohne Unterstützung der Stadt wird sich wohl kein Kindergartenbus finanzieren lassen. Die Elterninitiative „Rettet den Kinderbus” will aber so schnell nicht aufgeben.

Schülerbeförderung: Ebenfalls auf dem Prüfstand

Nach der bisherigen Regelung bezahlte die Stadt Heinsberg die Beförderung zu den städtischen Kindergärten Waldenrath und Magdeburger Straße Heinsberg sowie zum Kindergarten Unterbruch, der in anderer Trägerschaft steht. Rechtlich war die Stadt dazu nicht verpflichtet.

Dies sei aufgrund der finanziellen Situation zukünftig nicht mehr haltbar, teilte die Stadt den Erziehungsberechtigten mit. Im Rahmen der Gleichbehandlung aller Kinder sei es auch nicht mehr vertretbar, da die Beförderung ohnehin nur zu den drei Kindergärten erfolgte.

Auch die Schülerbeförderung, im Gegensatz zum Kindergartenbus keine freiwillige Leistung der Stadt, wird zurzeit auf Einsparpotenziale überprüft.

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