Karneval: Experten warnen vor Chlamydien & Co.

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Frauen, die die Pille nehmen, können dadurch zwar eine ungewollte Schwangerschaft vermeiden, dies sei aber kein Grund, sich in Sicherheit zu wiegen. Den Schutz vor einer übertragbaren Erkrankung bietet nur ein Kondom. Foto: Oliver Berg/dpa

Kreis Heinsberg. „Nur gute Laune soll anstecken“ – unter diesem Motto setzt der Aids-Beratungs- und Hilfsdienst der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Hückelhoven wieder auf die Aktion „Schutzengel im Karneval“ und bietet erneut Kondome zum Selbstkostenpreis und viele kostenfreie Give-aways wie Blöcke, Buttons und Magnete zur gezielten Weitergabe im Straßenkarneval für Karnevalsgruppen in der jecken Zeit an.

Alle Materialien sind nach Angaben der Initiatoren besonders für junge Erwachsene geeignet. Grund: Zu keiner Jahreszeit wird mehr gebützt als in der fünften. Wenn es allerdings nicht beim Bussi bleibt, ist Vorsicht geboten. Denn übertragbare Geschlechtskrankheiten können den Spaß schnell trüben.

Sicherheit nur durch Kondome

Renate Kaspar und Rut Hölz von der Aids-Beratung der Arbeiterwohlfahrt erleben es nach den tollen Tagen immer wieder: Ratsuchende, die vorsichtig die Vermutung äußern, sie hätten sich da „vielleicht etwas eingefangen“. Nicht selten müssen Ärzte dann den Verdacht auf eine sexuell übertragbare Infektion (STI) bestätigen.

„Durch den gesteigerten Alkoholkonsum an den Karnevalstagen sind manche Menschen enthemmt und machen sich im entscheidenden Moment keine Gedanken über das Thema Schutz und Verhütung“, erläutert Rut Hölz, Sozialpädagogin der Beratungsstelle. Frauen, die die Pille nehmen, können dadurch zwar eine ungewollte Schwangerschaft vermeiden, dies sei aber kein Grund, sich in Sicherheit zu wiegen. Den Schutz vor einer übertragbaren Erkrankung bietet nur ein Kondom.

Chlamydien, Syphilis, Feigwarzen, Pilzinfektion, Genitalherpes, Tripper oder der gefährliche HI-Virus – die Liste der Geschlechtskrankheiten ist lang. Erstere gehören zu den häufigsten sexuell übertragbaren Erkrankungen der Welt.

Ausgelöst werden sie meist durch den Bakterienstamm Chlamydia trachomatis, mit dem sich in Deutschland schätzungsweise 300.000 Frauen pro Jahr infizieren. Zwar können Männer gleichermaßen betroffen und Überträger sein. „Bei Frauen besteht aber aus anatomischen Gründen eine höhere Gefährdung“, sagt Einrichtungsleiterin Renate Kaspar.

Oft nur lückenhaftes Wissen

Die Erfahrungen in der Beratungsarbeit und auch bei Aufklärungsveranstaltungen zeigen laut Kaspar, dass sexuell übertragbare Infektionen oft bagatellisiert werden. Das Wissen über Krankheitszeichen, Infektionsverläufen und mögliche Folgen einer unbehandelten Infektion sei oft lückenhaft.

„Im Arbeitsalltag werden wir häufig gefragt: ,Wie erkennt man, dass man sich angesteckt hat?‘ oder ,Was muss man tun, wenn man Krankheitszeichen hat?‘“, sagt Rut Hölz. In der Präventionsarbeit werden daher gezielt Informationen über Ansteckungswege, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten bei einer sexuell übertragbaren Infektion in den Vordergrund gestellt.

Wer Krankheitszeichen bei sich entdeckt, solle sich vertrauensvoll an einen Arzt wenden, so Rut Hölz. Aber auch Gesundheitsämter bieten anonyme und zum Teil kostenlos Testmöglichkeiten an. Generell gelte aber: „Vorsicht ist besser als Nachsicht.“

Weitere Informationen zu sexuell übertragbaren Krankheiten gibt es in der Aids-Beratung Hückelhoven unter Telefon 02433/901730. Die Beratung ist anonym und kostenlos. Alle Informationen sind auch in Broschüren nachzulesen, die ebenfalls kostenlos zur Verfügung gestellt werden können.

Aber auch Gesundheitsämter, Fachärzte und Hausärzte sind fachkundige Anlaufstellen. Speziell für junge Menschen sind die Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung geeignet.

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