Kann sich Heinsberg drei Bäder leisten?

Von: disch
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Kostenfaktor Schwimmbad: Im We
Kostenfaktor Schwimmbad: Im Wechselspiel der geöffneten Freibäder ist in diesem Jahr Kirchhoven an der Reihe. Allerdings sorgt die wenig sommerliche Witterung nicht gerade für Riesenandrang. Foto: defi

Heinsberg. Auf eine solche Top-Platzierung hätte die Stadt Heinsberg wohl liebend gerne verzichtet: Der Bund der Steuerzahler NRW hat eine Umfrage zu Kosten und Auslastung der Schwimmbäder in den 23 kreisfreien Städten und den 30 Kreisstädten in Nordrhein-Westfalen präsentiert.

Wie bereits aktuell gemeldet, liegt Heinsberg mit einem Zuschuss von 13,25 Euro pro Badegast in der Liste der Negativ-Spitzenreiter auf Platz zwei. Nur in der Stadt Hagen (13,69 Euro) fällt der Zuschuss höher aus. Ganz anders sehen da die Zahlen der Positiv-Spitzenreiter aus: 3,18 Euro pro Badegast in Minden oder 3,67 Euro in Siegburg.

Der Bund der Steuerzahler hat die Zahlen aus dem Jahr 2010 zugrunde gelegt: Für die Stadtwerke Heinsberg (sie ist als 100-prozentige Tochtergesellschaft der Stadt Besitzer und Betreiber der im jährlichen Wechsel geöffneten Freibäder in Kirchhoven und Oberbruch sowie des Hallenbades in Heinsberg) weist die Umfragetabelle einen Zuschussbedarf in Höhe von über 1,027 Millionen Euro aus. Bei insgesamt 77 561 Besuchern (37 968 im Hallenbad und 39 593 im Freibad) macht dies in der Abrechnung 13,25 Euro pro Badegast.

„Die Zahlen stimmen”, bestätigt der Erste Beigeordnete der Stadt Heinsberg, Jakob Gerards, der auch einer der Stadtwerke-Geschäftsführer ist.

So habe im vergangenen Jahr der Zuschussbedarf für das Hallenbad bei 593.000 Euro gelegen, für das 2010 geöffnete Freibad in Oberbruch bei 312.000 Euro und für das 2010 geschlossene Freibad in Kirchhoven bei 122.500 Euro. Denn auch ein geschlossenes Freibad verursache Kosten, so Gerards, vor allem über die Abschreibungen, aber auch für kleinere Pflege- und Unterhaltungsarbeiten.

„Die Zahlen können wir nicht wegdiskutieren”, so Gerads. Sie seien auch nicht neu, aber der vom Bund der Steuerzahler erstellte interkommunale Vergleich mache diese Problematik doch noch deutlicher. Und dadurch „wird das noch bitterer”, wie der Beigeodnete einräumt. Die Gesellschafterversammlung der Stadtwerke - ein mit Ratspolitikern aller Fraktionen besetztes Gremium - werde sich mit dem Thema auseinandersetzen, die Zahlen diskutieren und gegebenenfalls handeln müssen.

Steigt Zuschussbedarf weiter an?

Eine Stellschraube, um an den einzelnen Kostenpositionen für die Bäder etwas zum Positiven zu verändern, sieht Gerards nicht; tendenziell steigende Energiekosten dürften vielmehr eher zu einem weiteren Anstieg des Zuschussbedarfs führen. Mit zusätzlichen Attraktionen mehr Besucher in die Bäder zu locken und so mehr Ennahmen zu erzielen, hält Gerards ebenfalls für wenig Erfolg versprechend: „Dann wären ja auch erst einmal hohe Investitionen, sprich noch mehr Ausgaben notwendig.”

Nach Ansicht von Gerards stellt sich vielmehr eine grundsätzliche Frage: „Kann sich eine Stadt in dieser Größenordnung auf Dauer drei Bäder leisten?” Wobei noch zu bedenken sei, dass am Lago Laprello - zumindest in Teilbereichen - ebenfalls das Schwimmen erlaubt sei.

Der Bund der Steuerzahler hatte unter anderem angeregt, Kommunen sollten über eine Beteiligung von Bürgern oder über Public-Private-Partnership-Modelle (PPP-Modelle) nachdenken. In solchen Fällen sind Bäder in privater Hand. „Für die Betriebs- und Unterhaltungskosten kommt dementsprechend der Investor auf. Damit Schulen und Vereine aber nicht die normalen Eintrittspreise zahlen müssen, zahlt die Stadt für sie ein Nutzungsengelt an den Betreiber”, erklärt der BdSt NRW das Prinzip.

„Ich glaube, dass es sehr schwierig sein dürfte, Private, seien es Investoren oder Vereine, dafür zu begeistern, ein Bad zu führen”, zeigt sich Gerards eher skeptisch, was die Realisierungschancen einer solchen Option in Heinsberg angeht. Auch wenn er diesen Gedanken nicht gänzlich ausschließen will.

Was machen Kommunen wie Minden oder Siegburg anders als Heinsberg?

Was machen Kommunen wie Minden oder Siegburg anders als Hagen oder Heinsberg? Die Antwort laut Bund der Steuerzahler: „Man geht neue Wege.”

In Minden werde beispielsweise nur das Kombibad von der städtischen Bädergesellschaft betrieben. Die beiden Freibäder dagegen lägen in der Hand von Vereinen. An den Kosten eines Vereins beteilige sich die Stadt mit einem jährlichen Zuschuss von 25000 Euro (ab 2011 nur noch 20.000 Euro). Das andere Freibad komme völlig ohne Zuschüsse der Stadt aus. Auch in Bad Oeynhausen, Hamminkeln, Schwelm, Siegen und Kevelaer seien Vereine für die Schwimmbäder verantwortlich. Sie würden den Kassendienst übernehmen, Rettungskräfte für den Notfall bereitstellen, Aktionen planen und realisieren, um die Attraktivität ihres Schwimmbades zu erhöhen, und bei der Reinigung helfen. „Insgesamt gibt es in NRW mehr als 50 solcher sogenannten Bürgerbäder und die Erfahrung ist durchweg gut”, so der BdStNRW.

Einen anderen Weg geht die Stadt Siegburg. Sie setzt laut BdSt NRW auf ein Public-Private-Partnership-Modell (PPP-Modell).

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