Kann es für Eis zu heiß sein?

Von: defi
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Die Peters betreiben seit drei
Die Peters betreiben seit drei Generationen ein Eiscafé in Ratheim. Sohn Frank (r.) und Mutter Helene (2.v.r.) bemühen sich täglich um das Wohl der Gäste. Foto: defi

Kreis Heinsberg. Zu heiß für Eis!? - Wenn eine weiß, bei welchen Temperaturen Eis am besten über die Verkaufstheke geht, dann Helene Peters aus Ratheim. Das Eiscafé Peters am Kirchberg im alten Ortskern des Zechenorts führt heute Sohn Frank.

Morgens um halb sechs, sonntags auch etwas früher, schmeißt Frank Peters die Eismaschine an. Täglich frisch wird angerührt, was große und kleine Eisliebhaber erfreuen soll. Klettert dann aber der Wetterfrosch die Sproßen hoch bis über die 30 Grad Marke, wird der kühle Abend das Tagesgeschäft retten müssen. „Die Leute gehen bei 35 Grad einfach nicht mehr raus”, weiß Helene Peters, „dann ist es ihnen tagsüber sogar zu heiß für ein Eis.”

Seit 52 Jahren verkauft Helene Peters Eis. Ganz hinten im Eiscafé hängt eine Fotografie aus den Anfängen der Eisdiele. In einer kleinen Holzbude verkauften die Peters, die ihr Geschäft in der dritten Generation betreiben, selbst gemachtes Speiseeis. Schon Oma Anna rührte das Eis jeden Tag frisch an mit einem großen Holzspachtel. Es gab in dem kleinen Holzbüdchen Schoko, Nuss, Sahne, Vanille und Himbeere.

Davon kann Frank Peters, der immerhin auch schon 20 Jahre im Geschäft ist, nur träumen. Das Eisgeschäft hat sich den individuellen Kundenwünschen angepasst, und so gibt es anstelle von fünf Eissorten der frühen Jahren, die noch auf kleinen Papptellern gereicht wurden, an die 25 Sorten plus X-Varianten an Eisbechern, zum Beispiel zehn Variationen des Klassikers Spaghettieis.

Im Eiscafé Domino kämpfen Dolce Latte und Schwarzwälder Kirsch um die Gunst der Eisliebhaber. Marina Walter ist Geschäftsführerin bei Domino und hat schon als Kind in der Heinsberger Hochstraße ihr Eis geschleckt. Seit 25 Jahren ist Domino dort ansässig, damit die zweitälteste Eisdiele am Ort und zurzeit Mitstreiter von insgesamt drei Eiscafés in der Heinsberger Innenstadt. Marina Walter besucht regelmäßig die Eismessen im italienischen Rimini, die größte, aber auch die Insiderbörse ist in Longarone, ebenfalls im Heimatland aller Schlemmermäuler gelegen.

Platz für 26 Sorten Eis bietet das Geschäftslokal von Domino: Wer klug rechnet, wird schnell herausbekommen, das 26 weniger eine neue Sorte Eis, nur noch 25 freie Plätze bedeutet. Heißt, wenn Marina Walter begeistert vielleicht von der Messeneuheit „Sauerer Apfel mit Kokos eingestrudelt” aus Italien zurückkehrt, läuft ihr und vielleicht dem ein oder anderen Eisgourmet das Wasser schon im Munde zusammen, doch die neue muss sich erstmal gegen die alte Sorte im Tresen behaupten. Marina Walter: „Das dauert eine ganze Zeit, bis sich ein neues Eis bei den Kunden durchgesetzt hat und bis dahin müssten unsere Kunden ja vielleicht auf eine liebgewonnene Eissorte verzichten.”

So gut wie „Kokosnuss-Banane mit Honig eingestrudelt” auch für echte Eisliebhaber klingen mag, Zitrone und Erdbeer werden ihren Platz in den Kühlboxen nicht freiwillig hergeben. Dass weiß auch Gerd Penners vom Eisparadies Penners in Tüddern. Jedes Jahr probiert er, mal wieder einen Exoten in die Eistheke einzuschmuggeln - das Drachenfruchteis ganz aktuell, selbstverständlich ohne die Stacheln der Kaktee zubereitet.

Gerd Penners, der zusammen mit seinem Vater Rainer täglich die Eisportionen anrührt, wird auch weiterhin neue Eiskreationen seinen Kunden anbieten. Aber irgendwie geht der Trend doch immer wieder, vor allem bei den gerade erlebten Jahreshöchsttemperaturen in Richtung Zitrone, Erdbeer und auch mal Joghurt. Gerd Penners: „Die Kunden mögen einfach die Sorten, die wir schon immer hatten am liebsten.”

Wenn der Wetterfrosch persönlich sein Sonnenschirmchen aufgespannt hat, muss Penners aus der inneren Ruhe Kraft schöpfen: „Was dann hier abgeht, ist nicht normal. Den ganzen Tag volle Suppe.” Heißt, der nach Eis dürstende Kunde scheut zumindest in Tüddern nicht einmal mehr die glutheißen Nachmittagsstunden und vertröstet sich auf die Dämmerung um Labsal an den Eisschalen zu suchen. Selbst wenn es eigentlich „zu heiß für Eis” ist, brummt im Eisparadies das Geschäft.
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