Kammeroper Köln bietet ein Wechselbad der Gefühle

Von: hl
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Erkelenz. „Es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blühen”: Wer kennt sie nicht, diese Melodie aus dem Musical „My fair Lady”, das zur Eröffnung der neuen Theatersaison am Donnerstag in der Stadthalle aufgeführt wurde. Damit war der Kultur GmbH vor ausverkauftem Haus ein glänzender Start gelungen, der wohl in der Hauptsache der erst fünf Jahre alten Kammeroper Köln zu verdanken war.

Vor Beginn der Veranstaltung hatten sich wohl viele Besucher gefragt, ob es denn gelingen könnte, ein solches Stück auf einer relativ kleinen Bühne aufzuführen. Denn immerhin war der Erfolg der Geschichte des Blumenmädchens Eliza unter anderem einem mit acht Oscars bedachten Film zu verdanken und nicht zuletzt den unvergessenen Aufführungen im Theater des Westens Anfang der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts. Ob das wohl gut gehen würde?

Um es gleich vorweg zu nehmen: Es ist gut gegangen, sogar sehr gut. Das Musical nach Shaws „Pygmalion” und dem Film von Pascal mit den Liedtexten von Lerner und der Musik von Loewe (deutsch von Gilbert) hat nicht umsonst alle Bestandteile eines Klassikers; und das liegt nicht nur an den eingängigen Melodien, die auch nach mehr als einem halben Jahrhundert noch Herz und Gemüt bewegen, sondern auch an der Geschichte, um die es geht: Der Sprach-Professor Henry Higgins geht eine Wette ein, dass es ihm gelingen werde, nach einem halben Jahr aus einem Blumenmädchen mit seinem ordinären Gossendialekt der Londoner Slums eine Lady der High Society zu machen.

Für ihn, den Macho mit egomanischen Zügen, ist Eliza ein wissenschaftliches Objekt, das er mit abstrusen Übungen quält, und dem völlig abgeht, dass er es mit einem empfindsamen Menschen mit Träumen und Sehnsüchten zu tun hat. Erst ganz zum Schluss wird aus dem Nur-Intellektuellen ein verliebter Mann.

Die Inszenierung der Kölner Kammeroper (Musikalische Leitung Ina Hilsberg, Regie Lajos Wenzel, Choreografie Robina Steyer, Bühnenbild Ulrich Wolff) brachte nicht nur viele musikalische und choreografische Feinheiten auf die Bühne, es legte auch besonderen Wert auf eine genaue Personenführung und ließ dabei vor einem farbigen, aber nie grellen und den jeweiligen Szenen angepassten Bühnenbild das Panorama eines von starken sozialen Unterschieden und Gegensätzen geprägten spätviktorianischen London entstehen.

Und die sieben Mitglieder des Kammerorchesters der Kölner Symphoniker unter der Leitung von Daniel Kirchmann unterstützen ansteckend und mit vielen Impulsen die chorischen und tänzerischen Leistungen der 15 Ensemblemitglieder. Alle Sängerinnen und Sänger bestachen mit ihren ausgesprochen schönen und kraftvollen Stimmen und gaben ihren jeweiligen Rollen einen unverkennbar passenden Ausdruck. Robert Neal Foster war der scheints stets betrunkene Alfred P. Doolittle, Sean Brenn der unglücklich verliebte Freddy Eynsford-Hill, Bernhard Dübe der etwas hagestolze, aber liebenswerte Oberst Pickering und Volker Hein der in seiner Menschenverachtung oft abstoßende Henry Higgins. Eine ganz besondere Leistung bot Maria Mucha als Eliza Doolittle: Stimmlich und schauspielerisch verkörperte sie in (fast) idealer Weise die Wandlung von der „Gossenpflanze” zur feinen Lady mit den damit verbundenen anrührenden Wechselbädern der Gefühle.

Lang andauernder Beifall und Standing Ovations am Schluss.
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