Kreis Heinsberg - Journalist Thomas Roth blickt in die Zentren der Großmächte

Journalist Thomas Roth blickt in die Zentren der Großmächte

Von: anna
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Thomas Roth, Journalist und langjähriger ARD-Korrespondent in Moskau und New York, warf einen Blick auf die aktuelle Situation Europas zwischen den beiden Großmächten Russland und USA. Foto: Anna Petra Thomas

Kreis Heinsberg. Für das vierte und letzte Sparkassen-Gespräch in diesem Jahr unter dem Leitgedanken „Unser Haus Europa. Wie stabil ist unser Fundament?“ war ein Kenner der aktuellen politischen Situation zu Gast in der Kreissparkassen-Hauptstelle in Erkelenz.

„Gefährliche Zeitenwende? Trump, Putin und die Krise der europäischen Politik“: So hatte Thomas Roth, Journalist und ehemaliger Moderator der ARD-Tagesthemen, seinen Vortrag überschrieben. Roth, der mehrere Jahre sowohl im ARD-Studio in Moskau als auch in New York gearbeitet hatte, blickte vor mehr als 400 geladenen Gästen in die Machtzentren der Großmächte hinein.

An zwei Beispielen machte Roth seinen Zuhörern unverblümt deutlich, was er vom amerikanischen Präsidenten Donald Trump hält. Er erinnerte an die Rede Trumps vor den Vereinten Nationen, in der er Nordkorea indirekt einen nuklearen Krieg angedroht habe. „Die Schockwellen würden uns hier in Erkelenz treffen“, betonte er.

„Der verwechselt einfach Politik und Knalleffekt“, entfuhr es Roth mit Blick auf die aktuelle Verlegung der amerikanischen Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem. Trumps Methode, Politik zu machen, sei der „Vorschlaghammer“, so Roth weiter. Dennoch werde auch Europa noch drei Jahre mit ihm leben müssen, so seine These. Und dabei sei Trump gar kein Politiker, „sondern ein hochgradig narzisstischer Immobilienmilliardär mit autokratischen Zügen“.

Was das Verhältnis zum russischen Präsidenten Wladimir Putin betreffe, würden die beiden keine Freunde werden. Dass es eine Verbindung im Rahmen des Wahlkampfs gegeben habe, sei unstrittig, aber bisher nicht nachweisbar, erklärte Roth und lenkte den Blick nach Moskau. Um Putin verstehen zu können, müsse man zurück­blicken bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion 1991. Chaos, Kriminalität und Armut seien die Folgen gewesen. Und nur vor diesem Hintergrund sei die Popularität dieses autoritären Präsidenten verständlich.

Putin habe den Mauerfall in Dresden erlebt und das damalige Schweigen aus Moskau. Daher sehe er heute jede Reformbewegung als Gefahr, die im Keim erstickt werden müsse. „Nur der Starke hat eine Chance“, laute Putins Code. Bei Trump seien es mehrere Faktoren, die ihn zum Präsidenten gemacht hätten: Schwäche von Gegenkandidatin Hilary Clinton, Finanzkrise, Zerfall der republikanischen Partei und seine permanente Grenzüberschreitung.

Für Europa sei in dieser Konstellation wichtig, aus seinem „bequemen Tiefschlaf“ zu erwachen. Nur ein Europa, das zu seinen Werte stehe, sei in der Lage, dem Druck des „Trumpismus“ und des „expansiven Putinschen Autoritarismus“ zu begegnen.

Und wen das Europa, in dem seit 70 Jahren im Großen und Ganzen Frieden herrsche, nicht überzeuge, dem legte er ein Zitat von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker ans Herz: „Wer an Europa verzweifelt, dem empfehle ich einen Gang über die Soldatenfriedhöfe!“ Und selbst fügte Roth noch hinzu: „Wenn Sie diesen Gang machen, dann nehmen Sie Ihre Familien mit.“

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