Heinsberg - Jörg Nießen: Aus dem Leben eines Sanitäters

Jörg Nießen: Aus dem Leben eines Sanitäters

Von: defi
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Marcus Mesche (l.) hieß den Rettungssanitäter und Auto Jörg Nießen in der Buchhandlung Gollenstede willkommen. Mit wahren Geschichten vom Lebenretten unterhielt Nießen sein Publikum königlich. Foto: defi

Heinsberg. Seit 59 Wochen hält sich Jörg Nießen mit seinen Geschichten aus dem Leben und Schaffen eines Rettungssanitäters auf der Spiegel-Bestsellerliste. Zurzeit steht sein Buch „Schauen Sie sich mal diese Sauerei an” auf Platz 36.

In der Buchhandlung Gollenstede in Heinsberg hatte Jörg Nießen ein Heimspiel. Der in Waldfeucht aufgewachsene Autor präsentierte eine erweiterte Sonderauflage seines Bestsellers sowie das soeben erschienene Hörbuch. Die Deko zur Lesung versprühte ein wenig Live-Atmosphäre aus dem Arbeitsumfeld eines Sanis: Jörg Nießen hatte sein Redemanuskript auf der Trage eines Rettungswagens ausgebreitet.

Schon als Zivildienstleistender war Nießen im Rettungsdienst eingesetzt, die Erfahrungen dort und die späteren als Rettungssanitäter bei der Feuerwehr einer nordrhein-westfälischen Großstadt hat er zusammengefasst zu „23 wahren Geschichten vom Lebenretten”. Kollege Hein ist meist dabei. Hein ist die Essenz aus dem Tun und Reden vieler Kollegen, mit denen Nießen Dienst getan hat.

Und auch die Geschichten, die Nießen erzählt, sind nicht auf bestimmte Personen zurück zu verfolgen. Doch das Komische bei allem Tragischen ist garantiert so und nicht anders wirklich passiert. Nießen: „Es ist wohl in meiner Berufsgruppe normal, auch in tragischen und traurigen Momenten kleine Amüsements wahrzunehmen und nicht den Humor zu verlieren.” Und er fügt die philosophische Betrachtung hinzu: „So ist das mit dem Leben, es endet grundsätzlich tödlich.”

Jörg Nießen, obwohl schon durch die ein oder andere Talkshow getingelt, hat sich seine Natürlichkeit bewahrt. Da erzählt er von der Hausforderung vor heimischem Publikum zu lesen, legt los und: „Oh, und schon die Zeile verloren.” Nießen kommt einfach gut rüber, und seine Geschichten ebenso.

Der Bericht über die Herzmassage bei Herrn Zimmermann ist eine dieser köstlichen Geschichten, denen der Autor stets ein kleines Zitat vorangestellt. Zimmermanns Tod wird beispielsweise eingeleitet mit „Der Abend des Lebens bringt seine Lampe mit” (Joseph Joubert). Da spürt man sofort, dass Nießen einen Sinn für Poesie hat. Herrn Zimmermanns Leben endete, wie es Jörg Nießen schon angekündigt hatte, tödlich.

Doch nicht ohne, dass seine Frau Agnes ihre Erste-Hilfe-Künste zum Einsatz gebracht hätte. Nießen an die Witwe: „Ich konnte nicht anders und fragte nach: Wie haben Sie denn das Herz massiert, Frau Zimmermann?” Die Erklärung von Agnes Zimmermann: schön die Hand 4711 Kölnisch Wasser befeuchtet und dann im Uhrzeigersinn über die Brust des Gatten gestrichen. Nießen: „Sie mögen mich für einen Bastard halten, aber ich lachte innerlich. Das sind die Momente in meinem Beruf, in denen Tragik und Situationskomik sehr nah beieinander liegen.” Der zweite Band der wahren Geschichten vom Lebenretten ist in Arbeit, doch es braucht noch Zeit, bis das Leben genügend Geschichten für ein ganzes Buch geschrieben hat.
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