Joachim Gauck will die Freude an der Freiheit nicht verlieren

Von: hl
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Joachim Gauck  (2.v.r.) wurde
Joachim Gauck (2.v.r.) wurde vom Vorstand der Volksbank Erkelenz-Hückelhoven Rainer Corsten, Dr. Veit Luxem und Josef Brück (v.l.) willkommen geheißen Foto: Koenigs

Erkelenz. Mit Standing Ovations bedankten sich die Zuhörer in der voll besetzten Stadthalle bei Joachim Gauck, dem Bürgerrechtler und ehemaligen Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten, der auf Einladung der Volksbank Erkelenz zum Thema „Freiheit als Verantwortung” sprach.

In mehr als einstündiger freier Rede begeisterte der ehemalige Pfarrer und erste Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, ausgezeichnet mit vielen Preisen und Ehrungen, sein Publikum.

Dr. Veit Luxem, der Vorstandsvorsitzende der Volksbank, hatte den „begnadeten Redner”, zahlreiche Ehrengäste, Mitglieder und Kunden der Volksbank begrüßt und betonte nach einer kurzen Analyse der augenblicklichen Staatsschulden- und Finanzkrise, welche die Menschen in Sorge und Unsicherheit versetze, dass „die Menschen ein Finanzsystem wollen, das ihnen dient” und sich nicht, wie beim Shareholder Value, ausschließlich an den Interessen von Aktionären ausrichte.

Wer nun beim Thema „Freiheit als Verantwortung” einen Vortrag erwartet hatte, der sich aus philosophisch-theologischer Sicht akademisch mit diesen beiden für das Zusammenleben wichtigen Begriffen auseinandersetzte, wurde vielleicht enttäuscht, dafür aber „entschädigt” durch eine lebendige Rede, voller Verständnis für die Menschen mit ihren Wünschen und Sehnsüchten, witzig („Für manche Ossis sind die Wessis eine Mischung aus Ostfriesen und Blondinen.”) und so humorvoll, dass irgendwo im Saal immer gelächelt, wenn nicht gelacht und sogar Beifall geklatscht wurde.

Mit vielen Beispielen, seien sie nun politischer oder privater Art, aus seinem nun schon 71 Jahre dauernden Leben, erläuterte Gauck sein Verhältnis zur Freiheit, die viele Jahre durch ein unfreies System eingeschränkt und beschnitten war, und mit dem in Deutschland noch nie gehörten Satz „Wir sind das Volk” die „da oben zersetzt” habe.

Diese Freiheit sei aber nicht zu verwechseln mit andauernder Glückseligkeit und bedeute immer nicht so sehr eine Freiheit „von”, sondern eine Freiheit „zu”. Die Freude an der Freiheit dürfe man sich nicht nehmen und sie vor allem nicht in „eine Kultur des gepflegten Verdrusses ausarten” lassen.

Und daraus ergebe sich für jeden, der seine Würde als Bürger ernst nehme, die Verpflichtung, Verantwortung zu übernehmen. So könne sich eine „Lebensform der Bezogenheit” entwickeln. Zur Verantwortung zählte der Redner auch die für ihn selbstverständliche Pflicht zum Wählen, zum Wählen nicht von vollkommenen Parteien und Politikern, sondern von weniger schlechten.

Und zum Schluss, wenn man das etwas despektierlich sagen darf, brach bei Joachim Gauck noch einmal der Prediger und Pfarrer durch, als er den Satz aus der Genesis, wonach der Mensch nach dem Bilde Gottes geschaffen sei, nach langem Nachdenken nun übersetze mit „Der Mensch hat Verantwortung für sich und alles, was um ihn herum ist.”
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