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Jetzt hats auch die Polymer erwischt

Von: Rainer Herwartz
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Bald wird auch Polymer vom Wer
Bald wird auch Polymer vom Werbeschild des IPO verschwinden. Foto: Herwartz

Heinsberg-Oberbruch. „Die Hoffnung stirbt zuletzt”, heißt es. Für die Polymer Oberbruch GmbH (POG), die im Jahr 2008 aus der Insolvenzmasse der Kuag Elana GmbH im Industriepark Oberbruch eine Polykondensation erwarb, traf dies wohl zu.

Mit 30 Millionen Euro sollte die Polykondensation erweitert werden, träumte Geschäftsführer Michael Strätling im Mai 2009 von einem Neuanfang, der sich am Ende nicht realisieren sollte. Beim Amtsgericht in Aachen wurde jetzt ein Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt.

Das glücklose Agieren, das zuvor schon unterschiedlichen Kuag-Eignern in den Jahren 2005 und 2007 die Insolvenz bescherte, scheint dem Unternehmenskomplex anzuhaften wie eine Last, die sich nicht abschütteln lässt. Die polnische Boryszew-Gruppe, die nach der ersten Insolvenz im Februar 2005 auf dem Parkett erschien, erweckte den Eindruck, mit der Übernahme schlicht überfordert zu sein, und die Londoner Investmentfirma Carlson Private Equity Ltd., an die die Polen das Unternehmen dann überraschend schnell veräußerten, schlidderten schon 2007 in die nächste Pleite, ohne dass zwischenzeitlich eine Entwicklung hin zum Positiven erkennbar gewesen wäre.

„Kuag Elana produzierte bis Mitte 2007 nur mattierte Polyestergranulate für textile Anwendungen, nahm jedoch nicht wahr, dass etwa seit 2000 der europäische Markt für dieses Produkt mehr und mehr schrumpfte”, nannte Strätling im Mai 2009 gegenüber unserer Zeitung den wesentlichen Grund für den Niedergang von Kuag. Ein nicht mehr zeitgemäßer und zu kostenträchtiger Rohstoff habe die Talfahrt beschleunigt.

Die POG wollte beweisen, dass es auch anders geht. Durch eine technische Umstellung nebst erheblicher Diversifikation der Produkte würde das Husarenstück gelingen, glaubte die Firmenleitung. Neben den mattierten Chips sollten zukünftig auch glänzende und superglänzende, solche für medizinische Anwendungen, Chips auf der Basis von schwermetallfreien Katalysatoren und für Folien sowie flammhemmende und solche für die Herstellung von PET-Flaschen in die Angebotspalette aufgenommen werden.

Nach Umbau und Erweiterung hoffte die POG, sich mit bis zu 130.000 Jahrestonnen ein gehöriges Stück vom Kuchen abschneiden zu können. Auch etwa 80 Mitarbeiter hätten dann im Unternehmen wieder ihr Auskommen gefunden. Der Haken war allerdings, dass es vor der Verwirklichung der hochfliegenden Pläne eben noch der Investition von rund 30 Millionen Euro bedurfte. Als ein halbes Jahr später die Räder im Werk immer noch still standen, erklärte Geschäftsführer Strätling auf Nachfrage, dass das Konzept der Polymer Oberbruch zwar nie Zweifel bei den potenziellen Geldgebern habe aufkommen lassen, aber die Folgen der Finanzkrise fatal seien.

Bei den Investoren aus Indien, Singapur und Thailand, die zehn Millionen Euro als erforderliches Eigenkapital in das Unternehmen stecken wollten, saß das Geld plötzlich nicht mehr so locker. Insolvenzverwalter Johannes Klefisch aus Aachen nannte gegenüber unserer Zeitung einen Betrag von sechs Millionen, der sich wohl immer noch in der Schwebe befinde.

Mitarbeiter verloren durch die Insolvenz keine mehr ihren Job, wie Klefisch mitteilt. Das war ja bereits bei Kuag geschehen. Damals waren es gegen Ende 164. Derzeit, so lässt Klefisch wissen, werden durch den Insolvenzverwalter und die Polymer-Geschäftsführung Übernahmemöglichkeiten durch nationale und internationale Investoren ausgelotet.
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