Jedes sechste Kind ist armutsgefährdet

Von: mabie
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Kreis Heinsberg. Aktueller denn je ist die Frage, wie der Staat schützend die Hand über Kinder aus sozial schwachen Familien halten soll.

Aber nicht nur die Frage, wie viel ein Kind zum Leben braucht, stand auf der Agenda der Veranstaltung unter dem Titel „Kinder brauchen mehr!” des Evangelischen Kirchenkreises Jülich in der Hütte der Begegnung im Übach-Palenberger Stadtteil Marienberg. Im Mittelpunkt stand ein Vortrag von Barbara König. Sie leitet seit 2005 als Geschäftsführerin den auf eine Initiative der Arbeiterwohlfahrt hin gegründeten familienpolitischen Fachverband „Zukunftsforum Familie”.

„Jedes sechste Kind ist armutsgefährdet”, sagte sie gleich zu Beginn. Dabei griff sie auf aktuelle Zahlen der Bundesregierung zurück, verschwieg aber auch nicht, dass beispielsweise Unicef zu höheren Raten kommt. Die materielle Benachteiligung habe auch Auswirkungen auf soziale Kontakte, könne mit negativen Einflüssen auf Lernvermögen, Sprache und Kultur verbunden sein und zu auch zu gesundheitlichen Störungen führen, die sich vor allem psychisch auswirkten.

„Im gegenwärtigen System monetärer Familienförderung werden die Regelsätze vom Eckregelsatz für Erwachsene abgeleitet”, stellte König klar. Das derzeitige System sei intransparent, bürokratisch und sozial ungerecht. Wichtige Kritikpunkte ihrerseits waren, dass Kindergeld auf Sozialgeld angerechnet werde und vor allem die aktuellen Regelsätze nicht den realen Bedarf von Kindern und Jugendlichen berücksichtigen würden. Zudem komme der Kinderzuschlag zu wenigen Familien zugute, und das angewandte Ehegattensplitting fördere lediglich traditionelle Familienverbünde.

„Wir brauchen eine Politik, die Kinder in den Mittelpunkt stellt und einen kindzentrierten Blick auf die Armut wirft”, unterstrich die Referentin. Die von ihr bevorzugte Grundsicherung für Kinder soll an alle Kinder ausgezahlt werden, unabhängig vom Alter, vom Einkommen der Eltern oder der Kinderzahl. Sie soll bis zum 27.Lebensjahr gewährt werden, um ein höheres Bildungsniveau zu ermöglichen.

Schließlich soll die Kindergrundsicherung auch der Besteuerung unterliegen, damit sie bei steigendem Einkommen abschmelzen kann. Die Finanzierung, so rechnete Barbara König vor, könnte unterm Strich sogar Geld einsparen.

Auch Superintendent Jens Sannig erklärte, worum es dem Kirchenkreis in dieser Situation geht. „Öffentlichkeit nach innen und außen herstellen, Netzwerke oder Runde Tische gegen Kinderarmut bilden und das Bildungs- und Betreuungsangebot ausbauen”, dies seien die gemeinsamen Ziele von Kirchenkreis und Evangelischer Kirche im Rheinland.

Auf diesen Grundlagen entstand dann, moderiert von Cordula Trauner, Schulpfarrerin des Kirchenkreises Jülich und Vorsitzende des Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt, eine lebhafte Diskussion.
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