Wassenberg - Jakob Wolters: Ein „Denkmal” schon zu Lebzeiten

Jakob Wolters: Ein „Denkmal” schon zu Lebzeiten

Von: kkli
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Der niederländische Künstler
Der niederländische Künstler Frans Couveé aus Waldfeucht fertigte den Weber und Färber vor dem Wassenberger Rathaus nach dem Bild von Jakob Wolters. Foto: Rainer Herwartz

Wassenberg. Ein „Urgestein von besonderer Art” ist Jakob Wolters, der am kommenden Freitag 90 Jahre alt wird. „Woltesch Jakob”, wie ihn viele alte Freunde nennen, entstammt einer alten Wassenberger Weber-Familie.

Schon seit seiner Jugend setzt sich Jakob Wolters für das Gemeinschaftswohl ein. Lange Zeit gehörte er dem Stadtrat an, dem sein früh verstorbener Vater Leonard Wolters als Bürgermeister nach dem Krieg vorgestanden hatte. Und das Tollste, schon zu Lebzeiten besitzt der Wassenberger quasi sein eigenes Denkmal, den Weber, der vor dem Wassenberger Rathaus steht. Selbiger wurde nämlich dem Senior nachempfunden.

Mit zahlreichen Veröffentlichungen zeigte Wolters, wie sehr ihn das wirtschaftliche, kulturelle und soziale Leben in seiner Heimatstadt angeht. Herausragend ist seine umfangreiche Arbeit „Die Geschichte der Textilindustrie und Hauswebereien im Raume Wassenberg” von 2006.

Ihm gelang es dabei, den Ursprung und die Zahl der Hauswebereien zu dokumentieren und ihre Bedeutung auch für das soziale Leben zu erfassen. Mit Großbetrieben wie Krahnen & Gobbers und anderen auch mittelgroßen Firmen unterlag auch die viele hundert Hauswebereien umfassende Textilindustrie der technischen Revolution zu Beginn der 60er Jahre des 20 Jahrhunderts.

Jakob Wolters, der neben der familiären Weberei auch in verschiedenen Großbetrieben als Weber tätig war, kannte sein Metier wie kein Zweiter. Eine weitere bedeutende Arbeit von Jakob Wolters ist seine Dokumentation „Wassenberg-Innenstadt - 1897 bis 1945”. Sie zeigt in vielen Fotos und Beschreibungen mit genauer Lagebezeichnung das Gewerbestädtchen Wassenberg.

Jedes Geschäft mit seinem speziellen Angebot ist in dem Buch genau verzeichnet. Es gab wohl kein Haus, in dem nicht einst ein Spezialgeschäft seine Angebote anbot. Das meiste ist den Discountern gewichen. Vieles von der Intimität ging damit verloren.

Bilder der Zerstörung der Innenstadt durch Bombenangriffe im Kriegswinter 1944/45 zeigen auch, was verloren gegangen ist. Am meisten beeindruckten die Fotos von der Zerstörung der historischen Substanz - an der Spitze das herrliche Langschiff der Propsteikirche St. Georg von 1118 und des Rosstorplatzes. Hieran ist auch auszumachen, mit welchem Eifer das Wiederaufbauwerk von der Bevölkerung in Angriff genommen worden ist.

Mit gleichem Eifer wie an seinen Publikationen arbeitete er auch für die Schützenbruderschaft St. Georgius von 1427, deren Silbernes Ehrenzeichen, den Hohen Bruderschaftsorden und den St. Sebastianus-Ehrenorden er trägt.

Dass Jakob Wolters das heimische Brauchtum maßgeblich unterstützte, zeigt seine Mitwirkung an der Sammlung „Wassenberger Lieder” von 1884 bis 2003. In Arbeit ist in Zusammenarbeit mit einem Wassenberger Bürger eine große Dokumentation über die „Brühl”, den südlichen Stadtteil vor dem „Brühltor”. Hier wohnten, wie es so schön hieß, „ die dicken Bauern”, die in den leicht säuerlichen Wiesen den Färberwaid anbauten, aus dem in der Wassenberg Färberei der blaue Farbstoff für das Anfärben der bäuerlichen Arbeitskleidung gewonnen wurde.

Woltesch Jakob ist ein Stehaufmännchen, von dem seine Freunde hoffen, dass er seine momentane Krankheit gut überstehen wird. Seine Frau Hedwig, mit viel Humor ausgestattet, steht ihrem Mann stets zur Seite. Vor einigen Jahren wurde Jakob Wolters das Bundesverdienstkreuz verliehen. Es „traf” mit voller Berechtigung einen Bürger, der Freundschaften pflegt und immer ansprechbar ist - besonders im Johanniterstift.
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