Jahresbericht der Beratungsstelle für Suchtfragen in Hückelhoven

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Marlies Trapp, Leiterin der Beratungsstelle für Suchtfragen, stellte den Jahresbericht 2016 vor.

Kreis Heinsberg. „Alkohol trinken und Auto fahren zusammen geht nicht.“ Dies hob Marlies Trapp, die Leiterin der Beratungsstelle für Suchtfragen in Hückelhoven, bei der Vorstellung des Jahresberichts 2016 hervor – auch mit Blick auf die Aktionswoche Alkohol der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS), die in diesem Jahr unter dem Motto „Alkohol? Weniger ist besser!“ stand und das Schwerpunktthema „Kein Alkohol unterwegs!“ hatte.

„Wir haben verschiedene Angebote für Menschen, die Probleme mit Alkohol im Straßenverkehr hatten“, so ihr Hinweis. Wer mit mehr als 0,5 Promille am Steuer aufgefallen sei, bekomme in der Regel eine Geldbuße oder ab 1,1 Promille ein Strafgeld und eine Führerscheinsperre. Falle jemand sogar mit mehr als 1,6 Promille auf, werde eine Medizinisch psychologische Untersuchung (MPU) verlangt.

„Wir haben es oft schon erlebt, dass die Betroffenen der Meinung sind, dass sie nach der Sperrfrist automatisch ihren Führerschein zurückbekommen und nicht die Zeit sinnvoll nutzen, um sich zu informieren und eventuell notwendige Maßnahmen zu ergreifen“, so Trapp. Wertvolle Zeit gehe so verloren, die eigentlich genutzt werden könne, um sich auf die MPU vorzubereiten.

Die Beratungsstelle biete ein Konsumreduktionsprogramm mit dem zehnwöchigen Kurs „Kontrolliertes Trinken“ an, womit die Verhaltensänderung nachgewiesen werden könne, sofern noch keine Alkoholabhängigkeit vorliege und der Promillewert knapp über 1,6 Promille gelegen habe. Bei einem höheren Promillewert und einer Alkoholabhängigkeit sei jedoch eine abstinenzorientierte Therapie notwendig, um den Führerschein wieder zurückzubekommen, erklärte Trapp. Die Beratungsstelle berate in diesem Fall, vermittele in eine stationäre Reha und biete selbst die Ambulante Rehabilitation Sucht (ARS) an.

Der Jahresbericht zeige, dass immer noch die meisten Klienten die Beratungsstelle aufgrund einer Alkoholproblematik aufsuchen würden, so Trapp weiter. Im Jahr 2016 hätten acht Prozent mehr alkoholabhängige Menschen die Beratungsstelle aufgesucht als ein Jahr zuvor. Generell hätten im vergangenen Jahr 611 Personen (2015 waren es 633) Beratungsgespräche in Anspruch genommen, wovon 390 Intensivklienten gewesen seien und 221 es bei einem einmaligen Kontakt belassen hätten. Bei der Gruppe der Intensivklienten habe man, laut Trapp, weniger Frauen als im Jahr 2015 erreicht. „Wir haben zum ersten Mal bei der ambulanten Reha eine reine Männergruppe.“ Woran das liege, könne sie sich nicht erklären.

462 Klienten seien wegen einer eigenen Suchtmittelproblematik gekommen. 149 seien Bezugspersonen gewesen. Bei den Angehörigen habe man drei Prozent weniger erreicht als 2015. „Dies ist bedauerlich, da wir differenzierte Angebote für Angehörige wie die Angehörigengruppe und Elterngruppe bereithalten“, so Trapp.

Ein möglicher Grund sei die hohe Belastung heute durch Anforderungen in der Arbeitswelt, wie Schichtdienste und geforderte Flexibilität und Mobilität. „Es gibt weniger Zeit, sich wirklich aus­einanderzusetzen mit sich, dem Leben und der Familiengeschichte und damit kaum Zeit für die Selbstsorge.“ Dies betreffe nicht nur die Angehörigen, sondern auch die Selbstbetroffenen, erklärte Trapp.

Auch wenn die Hauptdroge Nummer eins der Alkohol sei, so sei seit 2014 ein Trend hin zu den illegalen Drogen zu beobachten, betonte Trapp. Die Beratungsstelle sei – zusammengerechnet – von 234 Klienten aufgesucht worden, die illegale Suchtmittel konsumieren würden. Diese Gesamtsumme sei somit höher als der Anteil der alkoholabhängigen Klienten.

„Wir sind froh, dass wir als Beratungsstelle viele Leute erreichen, sind aber an unserer Kapazitätsgrenze angekommen“, stellte Trapp fest. Die Beratungsstelle – im vergangenen Jahr wurde das 30-jährige Bestehen gefeiert – habe sich von zwei Mitarbeitern und 93 Klienten auf fünf Mitarbeiter, eine Honorarkraft und 611 Klienten vergrößert. „Wir beraten viel mehr als früher. Um die fachliche Qualität aufrecht zu erhalten, stoßen wir hier an eine Grenze“, so Trapp.

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