Jahresausstellung der Künstlergruppe Canthe im Alten Rathaus

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Zur Jahresausstellung hatte die Künstlergruppe Canthe nach Ratheim ins Alte Rathaus eingeladen. Foto: Koenigs

Hückelhoven-Ratheim. Der Sessel hat Hände, von denen eine die Fernbedienung hält. Um den Sessel herum sind Kartoffelchips zerstreut, in ihm thront eine leere Bierflasche. Nur der Mensch, der eigentlich drin sitzen sollte, der fehlt.

Seltsam ist auch der Titel, den Toni Jansen seinem Arrangement gegeben hat: „My home is my castle oder TV-Mutation oder Über das Bedienen von Klischees”. Zu sehen ist es bei der Jahresausstellung der Künstlergruppe Canthe”, die wie immer im Alten Rathaus in Ratheim zu sehen ist.

Insgesamt acht Künstler aus der Region stellen ihre Werke aus, die den vieldeutigen Titel „Orte/Verortungen” trägt. Zu sehen sind die Darstellungen und Inszenierungen von Orten, die durch die künstlerische Darstellung aus ihrer Statistenrolle gerissen oder gar erst als Orte im fassbaren Sinne erkennbar werden. „Wenn man so will, lassen sich die Geschichte in all ihren Bereichen und auch die persönliche Lebensgeschichte an Orten festmachen”, betonte der Canthe-Vorsitzende Dr. Hans Latour bei der Eröffnung, als er der Idee der Ausstellung und ihres Titels nachspürte.

Der Aachener Kunsthistoriker Dr. Dirk Tölke lud die Besucher „zur Erörterung und Einordnung” der Werke und ihrer zumeist ortsansässigen Künstler ein. Die Kunst biete die Möglichkeit, nicht nur feste Orte zu fixieren, „sondern auch Orte der Fantasie und der Utopie”. Die Herangehensweise der Künstler an das gemeinsame Thema eröffnete eine Bandbreite, die von besagtem Sessel über Fotoarbeiten bis hin zur Malerei reichte. Die Erkelenzer Künstlerin Janice Orth präsentiert unter dem Titel „Der Schein trügt” unter anderem Bilder aus dem Tagebaugebiet.

Ihre Bildkacheln durchmischen Detailaufnahmen aus dem Braunkohlegebiet und gemalte Werke und zeigen die Ähnlichkeit informeller Wirkungen von freigelegten Sedimentschichten und erfundenen Farbschichten. Der aus Hückelhoven stammende Fotokünstler Michael Borgulat nimmt sich unter dem Titel „Vertrieben” auch den Auswirklungen des Tagebaus an: Als „Erinnerungen” zeigt er eine verfremdete Fotodarstellung des Hückelhovener Gymnasiums, das er als Jugendlicher besuchte.

Der Grafitti-Kunst im öffentlichen Raum widmet sich der Fotograf Helmut Machat. In seinen Bildern zeigt er, wie die Schmierereien” hässliche Bausubstanz aufwerten. In den Werken Hennig Herzberg de Pers sind die diesjährigen Kölner Domspiele festgehalten, in denen sich Himmel und Hölle als Fixpunkte der Orientierung menschlichen Handelns widerspiegeln. Henriette Echghi befasst sich mit der Wirkung des Berliner Holocaust-Denkmals, während Klaus Altgassen Ausblicke auf erfundene Landschaften beisteuert, wobei er sich optisch einer Mischung aus Google-Earth und archäologischer Fundstätte bedient.

Einen farbintensiven und fast konstruktivistischen Stil präsentiert Miroslav Sigut in seinen Werken, die zu Gedankenspielen und Empfindungen einladen. Toni Jansen steuert neben dem eingangs erwähnten Sessel auch rund 160 Fotografien desselben, doch nie des gleichen Himmels bei.

Die Ausstellung im Alten Rathaus ist am Sonntag, 6. Dezember, von 11 bis 17 Uhr geöffnet.
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