Ist das nötig? Teilstück mit 18 Unterführungen

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Man kann es kaum sehen, aber es ist so: Röhre an Röhre quert die B 221n als Ortsumgehung von Arsbeck. Was Bürgern missfällt, ist für den Bauherrn Notwendigkeit. Foto: Koenigs

Wegberg-Arsbeck. Mit großer Freude hat Josef Diart aus Heinsberg die Fertigstellung der B221n als Ortsumgehung von Arsbeck zur Kenntnis genommen. Doch dann stutzte er: „Bei der Besichtigung des Teilstücks der neuen Bundesstraße traute ich meinen Augen kaum, denn auf der Trasse, welche etwa einen Kilometer durch den Wald führt, zählte ich 18 Unterführungen in vielerlei unterschiedlichen Größen.

die wahrscheinlich dem Zweck dienen sollen, den Wildwechsel von den Verkehrsteilnehmer fernzuhalten”, schildert er die Situation aus seiner Sicht. Diese 18 Unterführungen seien zu beiden Straßenseiten durch sogenannte Richtungskorridore aus Metall erweitert. Das sei übertriebener Luxus.

„Ich frage mich, gibt es in diesem Waldgebiet so viel Wild, dass dafür 18 Unterführungen erforderlich sind oder ist hier langfristig ein zoologischer Tierpark geplant?” Ironisch meint er: „Woher weiß das Wild, welche der 18 Unterführungen von ihm ohne Beschilderung benutzt werden darf? An einigen Ausgangsseiten befindet sich sogar ein Zaun des dortigen Militärgeländes, welcher das Weiterlaufen verhindert.”

Nach Diarts Ansicht findet dieses aufwändige und für den Steuerzahler sehr kostspieligen Baumaßnahme in Zeiten knapper Kassen beim Bürger auf keinen Fall Verständnis. „Ich bin gespannt, wie die Niederlassung Mönchengladbach des Landesbetriebs Straßenbau NRW diesen Sachverhalt erklärt.” Die Antwort des Landesbetriebs lässt nicht lange auf sich warten. „Das Erfordernis der Durchlässe basiert auf der Beachtung der Artenschutzbelange bei genehmigungspflichtigen Planungs- und Zulassungsverfahren unter Berücksichtigung der europa- beziehungsweise bundesweit geltenden Gesetze, Richtlinien und Verordnung”, heißt es in einem Verwaltungsschreiben. Deshalb sei in Zusammenarbeit mit den Landschaftsbehörden im Planungsstadium ein Konzept erarbeitet worden, in dem die Anzahl, Größe und Lage der erforderlichen Tierdurchlässe festgelegt wurde.

„Der Größenunterschied bei den Durchlässen war notwendig, um den Ansprüchen jeder im Planungsgebiet vorkommenden bodengebundenen Tierart gerecht zu werden und eine gefahrlose Querung der B 221n zu ermöglichen.” Die kleineren Durchlässe im nördlichen Bereich der Baumaßnahmen seien Querungshilfen vorrangig für wandernde Amphibien und Reptilien, für die der Zaun des Militärgeländes kein Hindernis darstelle. Der Landesbetrieb nennt unter anderem Zauneidechsen, Schlingnattern und Kreuzkröten als nach europäischem Recht streng geschützte Arten, denen eine schadlose Querung der Bundesstraße ermöglicht werden müsse.

Beidseitige Leiteinrichtung führten die kleineren Tiere zu den Durchlässen hin und ermöglichen eine Querung unter „Beibehaltung der Amphibienwanderbewegung”. Die größeren Durchlässe seien für Schwarz- und Rehwild geeignet. Wildschutzzäune würden den Wechsel von größeren Tieren über die Fahrbahn verhindern. Um den „Zerschneidungs-, Barriere- und Verinselungseffekt für die Tiere der offenen Feldflur” zu verhindern, seien auch im landwirtschaftlich geprägten Bereich drei Tierdurchlässe vorgesehen. Die Kostenfrage spart der Landesbetrieb aus.
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