„Integration durch Sport“: Vereine müssen auf die Menschen zugehen

Von: agsb
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„Integration durch Sport“: Bei der Auftaktveranstaltung im Heinsberger Kreishaus sprach Prof. Dr. Christa Kleindienst-Cachay von der Universität Bielefeld über „Integrationspotenziale des Sportvereins“. Foto: agsb

Kreis Heinsberg. Um „Integration durch Sport“ und das „Integrationspotenzial des Sportvereins“ ging es bei einer Veranstaltung im Heinsberger Kreishaus, zu der Vereinsvertreter, aber auch alle anderen interessierten Akteure der kommunalen und lokalen Integrationsarbeit vom Kreissportbund in Zusammenarbeit mit dem Kommunalen Integrationszentrum des Kreises eingeladen worden waren.

KSB-Vorsitzender Ronnie Goertz begrüßte insbesondere die Referenten, Prof. Dr. Christa Kleindienst-Cachay von der Universität Bielefeld sowie Thorsten Aberfeld vom Landessportbund.

Die Gedankengänge vieler Menschen mit dem Schluss „Flüchtling = Gefahr“ wollte Goertz gar nicht erst gelten lassen. „Wenn wir die Potenziale im Sport nutzen, fällt es uns relativ leicht, das negative Bild aufzuhellen und den Integrationsbegriff durchaus menschlicher werden zu lassen“, so Goertz zum Einstieg. Bernd Laprell vom Amt für Bildung und Kultur in der Kreisverwaltung stellte die Arbeit des Kommunalen Integrationszentrums vor.

Prof. Dr. Christa Kleindienst-Cachay präsentierte ein großes Zahlenwerk einer Studie der Uni Bielefeld. Und die Professorin zog gleich ein Fazit: „Ein Teil der Vereine ist schon mitten im Integrationsprozess – aber der größte Teil der Sportvereine hat das Thema Integration noch gar nicht auf der Agenda.“ Die Studie wies ferner aus, dass der Fußball mit weitem Abstand die beliebteste Sportart für Menschen mit Migrationshintergrund sei, wobei hauptsächlich die männliche Jugend sportlich aktiv sei.

Mädchen und weibliche Jugendliche mit Migrationshintergrund sind laut Studie in den Vereinen unterrepräsentiert, Erwachsene und Senioren ebenfalls. Auch da sah Kleindienst-Cachay die Vereine gefordert. Sprachkompetenz, Bildungskarriere und die Integration in den Arbeitsmarkt würden auch durch die sozialen Netzwerke der Vereine gefördert. Die Migranten würden eine Wertschätzung und soziale Unterstützung erfahren. Das fördere die Identifikation mit dem Leben im „Hier und Jetzt“, stellte Kleindienst-Cachay fest.

Mit Stephan Matzerath vom SV Brachelen und Peter Siebertz vom Budosportclub Erkelenz stellten zwei Vertreter ausgezeichneter Vereine als Best-Practice-Beispiele ihre Projekte und Erfahrungen mit erfolgreicher Integrationsarbeit vor. Zu den Erfolgsrezepten zählte es vor allem, auf die Menschen und Familien zuzugehen, um Vertrauen aufzubauen – dies ist in beiden Vereinen ein Schlüssel zum ­Erfolg.

Landrat Stephan Pusch erkannte in der Integration eine große ­Herausforderung, aber auch eine Chance für alle Vereine. Sie müssten sich dem Thema Integration öffnen. Früher seien auch Fusionen von Vereinen vielerorts undenkbar gewesen, inzwischen sie längst erfolgreich vollzogen. Und auch vor dem Hintergrund von Bemühungen um die Aufrechterhaltung des Spielbetriebs so mancher Mannschaft wies Pusch darauf hin, dass durch eine gezielte Integrationsarbeit die Sicherung des Vereinslebens erreicht werden könne.

„Die Vereine müssen umdenken und sind nun gefragt. Die Selbstverständlichkeit, sich einem Verein anzuschließen, ist nicht mehr da. Der Umkehrschluss ist: Wir müssen uns als Verein bewegen, wir müssen auf die Menschen zugehen“, sagte der KSB-Vorsitzende Ronnie Goertz.

Thorsten Aberfeld vom LSB sah in dem Qualifizierungsangebot „Fit für die Vielfalt“ vom Kreissportbund Heinsberg einen weiteren Impuls in Sachen Integrationsangebot durch den Sport. Für ­Aberfeld war ein Satz des KSB-Netzwerk-Koordinators Dieter Bransch im Infoblatt zum Qualifizierungslehrgang „Fit für die Vielfalt“ – „Erleben, wie es ist fremd zu sein“ – mehr als treffend.

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