Inklusion: Was wird aus den Förderschulen?

Von: disch
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Kreis Heinsberg. Es ist das erklärte Ziel der nordrhein-westfälischen Landesregierung, auf dem Weg zur Inklusion in der Schule das gemeinsame Lernen von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderungen auszubauen.

Die Förderung auch von Schülerinnen und Schülern mit unterschiedlichen Behinderungen soll in den allgemeinen Schulen der Regelfall werden, der Unterricht in Förderschulen auf Wunsch der Eltern aber weiterhin möglich bleiben. Die Inklusion wird auch die Schullandschaft - insbesondere die Förderschullandschaft - im Kreis Heinsberg voraussichtlich ab 2014 massiv verändern.

Auftrag für Gutachten

Mit dem Thema Inklusion befasste sich deshalb nun auch der Schulausschuss des Kreises unter Vorsitz von Ralf Derichs (SPD). Die Verwaltung wurde beauftragt, bei der Projektgruppe Bildung und Region (Bonn), die bereits die kreisweite Schulentwicklungsplanung erarbeitet hatte, ein Gutachten in Auftrag zu geben. In diesem Gutachten sollen mögliche Inklusionsszenarien mit ihren Chancen und Problemen - bei verschiedenen Umsetzungsgeschwindigkeiten - aufgezeigt werden. Auch Aspekte wie die finanziellen Auswirkungen auf Kreis und Kommunen, die Belastungssituation der Lehrer und die Qualität von Unterricht sollen untersucht werden. Die Ergebnisse sollen als Grundlage für die weitere politische Beratung dienen.

Allerdings soll der Auftrag an den Gutachter erst erteilt werden, wenn das neunte Schulrechtsänderungsgesetz verabschiedet worden ist. Denn bislang, dies merkte Dr. Gerd Hachen, Schulausschussmitglied und Landtagsabgeordneter der CDU, an, liege lediglich ein Referentenentwurf vor, der im Düsseldorfer Parlament noch nicht beraten worden sei. Und die ersten Stellungnahmen der Verbände seien „vernichtend”. Es müsse befürchtet werden, so Hachen, dass der Wunsch nach schneller Umsetzung vor Sorgfalt gehe und die erreichten hohen Qualitätsstandards sowohl für Kinder mit Förderbedarf wie auch für Kinder an allgemeinen Schulen nicht erhalten werden könnten.

Wer trägt die finanziellen Lasten?

Nach dem einstimmigen Beschluss vom Schulausschuss, der noch von Kreisausschuss und Kreistag abgesegnet werden muss, befürwortet der Kreis Heinsberg die Zielsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention und strebt deshalb eine verstärkte Inklusion für Kinder mit besonderem Förderbedarf an. Der Kreis erwarte aber, dass das Land die erforderlichen rechtlichen, pädagogischen und personellen Voraussetzungen schaffe.

Unabdingbar seien der vollständige Ausgleich der entstehenden finanziellen Belastungen der Schulträger nach dem Konnexitätsprinzip durch das Land, aber auch die Schaffung der personellen Doppelbesetzung in inklusiven Klassen, die vom Verband Bildung und Erziehung als „zentrale Gelingensbedingung” bezeichnet werde.

Die Verwaltung hatte in ihrem Beschlussvorschlag von einem „kommunalen Inklusionsplan” gesprochen, den die Projektgruppe Bildung und Region erstellen solle.Doch Hachen betonte für die über den Tenor der Verwaltungsvorlage „verwunderte” CDU-Mehrheitsfraktion, einen solchen Plan nicht einem Gutachter überlassen zu wollen. „Wir wollen aufbauend auf ermittelten Fakten und Empfehlungen selbst entscheiden.”

Nach Auffassung der Verwaltung besteht bereits jetzt, obwohl das Gesetz noch nicht verabschiedet sei, ein Handlungsbedarf mit Blick auf die Weiterentwicklung der hiesigen Förderschullandschaft - auch angesichts einer Verordnung über Mindestgrößen von Förderschulen. „Dieser Prozess sollte nicht passiv abgewartet, sondern durch den Kreis Heinsberg und seine Städte und Gemeinden aktiv mitgestaltet werden”, so hieß es in der Sitzungsvorlage. Von einer „Vorreiterrolle” war die Rede.

„Diskussionsgrundlage”

Konkrete Umsetzungsmaßnahmen sollten - dies sei auch die Erwartung der Bürgermeister - erst nach Abstimmung mit den Schulleitungen und nach Inkrafttreten der gesetzlichen Regelungen erfolgen. Dezernent Helmut Preuß berichtete aber von einer Besprechung, die Ende August im Kreishaus mit den kommunalen Schulträgern, der Unteren Schulaufsicht sowie dem Inklusionskoordinator beim Schulamt stattgefunden habe.

Dabei seien „Eckpunkte als Diskussionsgrundlage für die Weiterentwicklung der Förderschullandschaft im Kreis Heinsberg” einvernehmlich zwischen den Schulträgern festgelegt worden. Demnach sollen die Förderschulen für Lernen auslaufen. Träger sind Städte, Gemeinden und Zweckverbände. Ebenfalls soll die Gebrüder-Grimm-Schule, die Förderschule des Kreises für Sprache, auslaufen.

Die Janusz-Korczak-Schule, die Förderschule des Kreises für emotionale und soziale Entwicklung, solle als System formal im Sinne einer „Schule ohne Gebäude” bestehen bleiben; die Beschulung der Schüler soll dezentral an Regelschulen in besonderen „pädagogischen Settings”, das heißt unter Hinzuziehung weiterer Akteure wie Gesundheitsamt, Jugendhilfe oder Schulpsychologische Beratungsstelle erfolgen.

Von all dem wären 76 Prozent aller Förderschüler im Kreis betroffen, so Hachen. Nach Rücksprache mit verschiedenen Bürgermeistern sei ihm diese Darstellung von den Schulträgern so nicht bestätigt worden. Die Bürgermeister hätten aber ausdrücklich die Sinnhaftigkeit eines Gutachtens bestätigt.

Der Kreis, der Entscheidungen nur für seine eigenen Schulen treffen kann, soll bei den erforderlichen Abstimmungen zwischen den Schulträgern eine Moderatorenrolle übernehmen.

So sieht die aktuelle Förderschullandschaft aus

Im Kreis Heinsberg gibt es 1666 Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf, davon werden 1096 in Förderschulen im Kreisgebiet, 177 in Förderschulen außerhalb des Kreises und 393 im gemeinsamen Unterricht in Regelschulen unterrichtet. Beim gemeinsamen Unterricht liegt der Kreis weit unter den Landeswerten.

Den Förderschwerpunkt Lernen haben diese Schulen: Comenius-Schule Übach-Palenberg (auslaufend), Don-Bosco-Schule Heinsberg-Oberbruch, Mercator-Schule Gangelt und Pestalozzischule Erkelenz. Hinzu kommt die Peter-Jordan-Schule in Hückelhoven für Lernen, Sprache sowie emotionale und soziale Entwicklung.

Der Kreis ist Träger der Gebrüder-Grimm-Schule in Heinsberg (Sprache), der Janusz-Korczak-Schule in Geilenkirchen (Emotionale und soziale Entwicklung) und der Rurtal-­Schule in Oberbruch (Geistige Entwicklung). Letztere soll bestehen bleiben.

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