Inge Koch-Wittmann lädt zum Literarischen Quartett

Von: syn
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Im Burgh-Keller traf sich zum 18. Mal das Literarische Quartett unter der Leitung von Inge Koch-Wittmann (r.). Mit ihr diskutierten Berthold Koerfer (l.), Mathy Bast und Pia Platzbecker (2.v.r.) über neue Bücher. Foto: Koenigs

Erkelenz. Beim Literarischen Quartett im Burgh-Keller des Cornelius-Burgh-Gymnasiums standen diesmal weibliche Autoren im Vordergrund. Zum 18. Mal hatte Inge Koch-Wittmann zur öffentlichen Buchbesprechung eingeladen.

Ihre Gäste waren diesmal die Pädagogin Mathy Bast, die Elftklässlerin Pia Platzbecker und Berthold Koerfer, dessen Söhne das CBG besucht hatten und die bereits eigene Erfahrungen auf der Literaturbühne des Burgh-Kellers sammeln konnten.

Vorgestellt wurden drei Bücher von Schriftstellerinnen, die sich ihren Themen als Ich-Erzählerinnen genähert hatten. Den Anfang machte Bast mit dem Buch „Das rote Canapee” von der französischen Autorin Michéle Lesbre, in dem eine Frau ihrer verflossenen Liebe nach Russland nachreist, um dort angekommen unverrichteter Dinge wieder umzukehren.

Der Fokus des in Frankreich sehr erfolgreichen Buches, so waren sich alle einig, liege eher auf der Reise mit der transsibirischen Eisenbahn und den Gedanken der Reisenden, die sich mit der Lebensgeschichte ihrer Nachbarin auseinandersetzt. Ein Buch, „das zur Entschleunigung” des Lebens bestens geeignet sei, wie Koch-Wittmann betonte.

Im zweiten Buch des Abends erzählt die katalanische Autorin Maria Barbal das Leben einer Frau auf rund hundert Seiten. Dabei, so betonte Platzbecker, handele es sich bei „Wie ein Stein im Geröll” um einen Klassiker der spanischen Literatur. Beeindruckend fand die Gesprächsrunde den klaren und einfachen Gebrauch von Sprache, in dem sich die Welt der katalanischen Dorfbewohner in den Zeiten des Bürgerkriegs widerspiegele.

Das am meisten besprochene Buch des Abends war sicherlich „Wir müssen über Kevin reden” von Lionel Shriver. Berthold Koerfer hatte die Aufgabe, die Geschichte einer Mutter, die sich mit dem Amoklauf ihres Sohnes auseinanderzusetzen, der an seiner Schule mit einer Armbrust neun Menschen tötet. An sich schon schwerer Tobak, den die Zuschauer da serviert bekamen. Doch dazu kam noch, dass die Ich-Erzählerin keinen Hehl daraus macht, dass sie ihren Sohn nie gemocht hatte und für abgrundtief böse hält.

So wurden mehrere Facetten des Buches beleuchtet, darunter auch die Auseinandersetzung der Mutter mit ihren eigenen Fehlern, wie Koch-Wittmann betonte. Denn von Anfang an konnte sie keine Muttergefühle für ihren Sohn entwickeln, den sie nur bekommen hatte, um dem Traum ihres Mannes vom perfekten Familienglück zu entsprechen. Koerfer gab unumwunden zu, dass er mit dem Buch so seine Probleme hatte, denn er vermisste die Entwicklung innerhalb der Erzählung. „Zu holzschnittartig und schwarzweiß” seien die Charaktere angelegt.

In der Beurteilung gingen die Meinungen der Diskussionsteilnehmer auseinander. So bestritt Bast, dass Kevin wirklich böse sei, wie es in der Erzählung suggeriert werde. Sie räumte ein, dass die Lektüre ihr über weite Strecken unangenehm gewesen sei. Platzbecker erklärte, dass in dem Buch kein einziger positiver Charakter vorkäme, was auch sie gestört hätte. Auch das Publikum setzte sich im Anschluss an die Buchvorstellung intensiv mit dem Buch auseinander und so entstand eine lebhafte Diskussion, bei der schnell klar wurde, dass die Geschichte niemanden unberührt ließ.

Ob es jedoch unbedingt unter den Weihnachtsbaum gehöre, darüber gingen die Auffassungen weit auseinander. Dafür wären die Bücher von Barbal und Lesbre sicherlich besser geeignet, so der Tenor.
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