Kreis Heinsberg - In der Rur heimisch: Seltene Meerneunaugen werden fast nie gesichtet

In der Rur heimisch: Seltene Meerneunaugen werden fast nie gesichtet

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Das runde Saugmaul mit Zähnen: Ein Meerneunauge ist unterarmdick und wird etwa 80 Zentimeter lang.

Kreis Heinsberg. Bei einer Elektrobefischung zur Bestandsaufnahme von Fischen in der Rur wurden im niederländischen Roermond adulte, also geschlechtsreife Meerneunaugen (Petromyzon marinus) gefangen.

Dies meldete Egon Lüttke, Referent für Öffentlichkeitsarbeit im Bezirk Rurtal des Rheinischen Fischereiverbandes. Dies seien seltene Tiere, die so gut wie niemals gesichtet würden.

Diese armdicken und über ein Meter groß werdenden Tiere besitzen ein rundes Maul, mit dem sie sich an Objekten festsaugen können. Im Innern des runden Mauls befinden sich zahlreiche kleine Zähne, mit denen die Neunaugen das Gewebe ihrer Wirtstiere abraspeln. Sie saugen sich an den Wirten fest und raspeln Löcher in Haut und Gewebe, um sich davon zu ernähren.

Neunaugen leben parasitisch. Neun Augen haben sie allerdings nicht; hinter dem Auge sind vielmehr sieben Kiemenöffnungen angeordnet, die wie Augen aussehen. Neunaugen leben wie Fische im Wasser, sind aber keine Fische, sondern gehören zur Familie der Rundmäuler.

Haben sich die Neunaugen mit ihrem Rundmaul an einem Objekt festgesaugt, ist es nur sehr schwer möglich, diese wieder zu lösen. Lüttke: „Beruhigend darf ich sagen, dass mir kein einziger Fall bekannt ist, in dem ein Erholung suchender Badegast von einem Neunauge angefallen wurde.” Die Wirtstiere seien Fische.

Neunaugen sind laut Lüttke sehr rar anzutreffende Arten, die aufgrund ihrer Lebensweise nicht mit der Angel zu fangen sind. Die Gelegenheit, ein erwachsenes Meerneunauge zu sehen, bietet sich sehr selten. „Gerade deshalb ist es sicherlich interessant zu erfahren, dass diese Tiere auch vor unserer Haustüre heimisch sind”, so Lüttke weiter.

Von Fachunkundigen würden große Meerneunaugen eher als Schlange, bestenfalls als Aal erkannt werden. Bachneunaugen, mit zirka 20 Zentimetern Länge die kleinste Neunaugenart, wurden bereits vor einigen Jahren in der Eifelrur nachgewiesen. Auch Querder, die Larven der Neunaugen, wurden beim Elektrofischen im Rahmen von Bestandsaufnahmen oder Bergungsmaßnahmen im System der Eifelrur gefunden. Meerneunaugen hatten bisher jedoch die wenigsten der beteiligten Fischer gesehen.

Diese Meerneunaugen wandern die Rur hinauf bis weit auf die deutsche Seite des Flusses. Gestoppt werden diese Tiere nur von Wanderhindernissen, zum Beispiel von Wehren. Auf deutscher Seite der Rur ist die erste Barriere vermutlich das Wehr in Linnich.

Die Meerneunaugen kommen nur zum Laichen ins Süßwasser und suchen in den Flüssen Sand- oder Kiesbetten auf. Nach dem Ablaichen sterben die Elterntiere. Die aus den Eiern schlüpfenden Larven sehen noch nicht so aus wie die erwachsenen Tiere.

Die Larven ähneln Würmern, sind blind und haben keine Zähne. Sie bleiben einige Jahre im Schlamm eingegraben und ernähren sich von Kleinstlebewesen. Die im sandigen Untergrund versteckt lebenden Larven (Querder) wurden bereits in vielen Flüssen des Rur-System nachgewiesen.

Bei Arbeiten mit dem Elektrofischgerät reagieren die Larven der Rundmäuler und verlassen den sandigen Untergrund. So wurden Querder in der Rur, im Rodebach und auch im Wehebach registriert. Nach der Metamorphose, der Umwandlung von der Larve zum erwachsenen Tier, wandern die Neunaugen ins Meer ab und kehren geschlechtsreif, ebenso wie die Lachse, zu ihren Geburtsstuben in das Süßwasser zurück.
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