In den Kindertagesstätten bleibt Streik ein Fremdwort

Von: Norbert F. Schuldei
Letzte Aktualisierung:
hück-streik-bu
Erzieherin Nadine Kaisers klagt nicht: Sie hat einen orthopädisch angefertigten Stuhl. Die Kleinen nehmen auf dem Stühlchen Platz. Foto: Schuldei

Hückelhoven. Bundesweit traten die meist weiblichen Mitarbeiter von Kindertagesstätten am Mittwoch in den Streik: Für mehr Gesundheitsvorsorge - und für mehr Geld. Das Stadtgebiet Hückelhoven freilich war auch am Mittwoch eine streikfreie Zone, in allen Einrichtungen spielten, tobten oder malten die Kinder wie an anderen Tagen auch.

„Das liegt sicher auch daran, dass gerade Erzieherinnen nur in geringem Maße gewerkschaftlich organisiert sind”, vermutet Ralf Schwarzenberg, Leiter des Jugendamtes der Stadt Hückelhoven.

Ulla Sevenich-Mattar, als Fachbereichsleiterin Kinder- und Jugendhilfe für die zehn Kindertageseinrichtungen der Arbeiterwohlfahrt im Kreis Heinsberg zuständig, sieht zumindest bei ihrem Träger noch einen anderen Grund für die Streikabstinenz der Erzieherinnen: „Wir haben in unseren Einrichtungen eine Menge unternommen, um die gesundheitlichen Beeinträchtigungen, die der Umgang mit Kindern zwangsläufig mit sich bringt, möglichst gering zu halten.”

In der Kindertagesstätte Im Rhin ist gerade Mittagessenszeit. Die Kleinen sitzen auf ihren kindgerechten Stühlchen, Erzieherin Nadine Kaisers sitzt mit am Tisch. Sie allerdings hat einen eigenen Stuhl, einen orthopädisch angefertigten, der sich sowohl farblich als auch vom Design nahtlos an die Kinderstühle anpasst. „Wenn man den Beruf Jahrzehnte ausübt, kann man nicht immer auf den kleinen Stühlchen hocken”, sagt Anita Bräu, die Leiterin der Tagesstätte.

In ihrer Einrichtung gibt es Schallschutzdecken, die den Lärm, den Kinder nun einmal machen, machen müssen und machen müssen dürfen zumindest etwas dämpfen. Und sie zeigt eine ganz neue „Errungenschaft”: Die Lärmampel. Die funktioniert wie eine richtige Verkehrsampel, zeigt eine rotes, gelbes und grünes Licht und reagiert auf Schall, wenn es zu laut im Gruppenraum wird, springt die Ampel auf rot. „Ich bin mal gespannt, wie die Kinder darauf reagieren”, sagt die Leiterin.

Wenn auch in den Einrichtungen der verschiedenen Trägern einiges getan wird, um das Arbeitsumfeld der Erzieherinnen zu verbessern - an einem krankt ihr Beruf besonders: Er wird schlecht bezahlt. Erzieherinnen verdienen im Schnitt 2100 Euro brutto.

Der Warnstreik, zu dem die Gewerkschaft Verdi aufgerufen hatte, sollte auch den Blick der Öffentlichkeit auf die Diskrepanz zwischen dem Wert, der der frühkindlichen Erziehung beigemessen wird, und der niedrigen Vergütung der Fachkräfte lenken. „Für mich ist das auch ein Grund, warum es leider so wenige männliche Erzieher gibt”, sagt Anita Bräu.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert