Im Kino gehen bald die Lichter wieder an

Von: Rainer Herwartz
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Dies alles steht den Kinobesuchern nach der Reinigung ab nächster Woche schon wieder zur Verfügung. Ute und Martin Rostek starten im großen Saal ihres Kinos mit dem Blockbuster „Transformer”. Foto: Rainer Herwartz

Heinsberg. Noch heute hängt das letzte Filmplakat ein wenig trüb geworden in der Vitrine. „Der goldene Kompass” mit Nicole Kidman setzte im Dezember 2007 den Schlusspunkt unter die Kino-Geschichte in Heinsberg. Ein Titel mit Symbolkraft: Die goldenen Zeiten waren längst passé.

Und einen Wegweiser in die Zukunft schien es nicht zu geben. Vieles sprach dafür, dass sich an der Hochstraße der Hauch von Hollywood endgültig auf den dunklen Fluren zu den drei Kinosälen verflüchtigt hatte und die Lichter für immer aus bleiben würden. Doch die Heinsberger - und nicht nur diese - dürfen sich freuen, denn die Kreisstadt wird ab Mittwoch, 24. Juni, wieder ein eigenes Kino an ihrer Flaniermeile besitzen.

Martin Rostek und seine Frau Ute haben sich einiges vorgenommen, um das alte Kino mit seinen rund 300 Sitzplätzen wieder flott zu machen. Erst am Montag haben sie den Pachtvertrag unterzeichnet, doch schon vor rund acht Wochen stand ihr Entschluss fest, aus dem angestaubten Cinema-Center Schritt für Schritt ein modernes Kino mit neuem Namen zu machen.

So wird das „Roxy” zunächst nur mit dem großen, 150 Gäste fassenden Saal eröffnen. „Eigentlich wollten wir erst später aufmachen und zuerst komplett renovieren”, sagt Martin Rostek, doch die drei Blockbuster, die jetzt innerhalb weniger Wochen anstehen, wollten sie sich nicht entgehen lassen: Transformer, Ice Age 3 und der neue Harry Potter.

Angst vor einem muffigen alten Kino bräuchten die Besucher dennoch nicht zu haben, erklärt der gelernte Immobilienwirt, der aus Essen stammt und bereits ein Kultkino in Stockach am Bodensee betreibt. „Ton und Bild wurden professionell eingemessen, das Kino gereinigt und der Eingangsbereich wird bis auf eine neue Leuchtreklame auch schon fertig sein.” In drei Wochen sei dann das komplette Kino bespielbar, aber noch nicht komplett renoviert.

„Mein Vater war schon Filmvorführer, deshalb bin ich von frühester Jugend an dem Kino verbunden”, erzählt Martin Rostek. Dennoch habe seine Frau ihn für verrückt erklärt, als er vor ein paar Jahren plötzlich mit der Idee vor ihr stand, dass 150-Plätze-Haus am Bodensee zu übernehmen und seinen erlernten Job mittelfristig an den Nagel hängen zu wollen. „Ich wusste, dass sein Kindheitstraum immer ein eigenes Kino war”, sagt Ehefrau Ute, „daher stand die Entscheidung dann doch recht schnell fest, obwohl uns das Kino in Stockach als Familie nicht hätte ernähren können.” Mittlerweile trägt es sich jedoch.

Die Rosteks, die mit ihren beiden Kindern ein Haus in Wassenberg gemietet haben, wollten aber wieder ein wenig näher an ihre im Ruhrgebiet lebende Familie heranziehen, und da kam ihnen das Angebot im Internet gerade recht. „Wir möchten hier alt werden mit diesem Kino”, sagt die 47-Jährige, während ihr Ehemann zustimmend nickt.

Und damit dies auch klappt, überlassen die Beiden nichts dem Zufall. Entsprechende Branchenstatistiken und Bilanzen der letzten Jahre gäben berechtigten Anlass zu Hoffnung. „Wenn alles klappt, wird bis Ende des Jahres in den Sälen eins uns zwei eine größere Leinwand hängen. Alle drei Säle erhalten einen Logenbereich mit modernen Komfortsesseln”, erläutert Martin Rostek die Planungen. „Außerdem werden Stufen eingebaut, um die Sicht zu verbessern.”

Neben den klassischen Blockbustern werde auch Arthouse-Kino gespielt. Einmal im Monat soll es bei Kaffee und Kuchen für die ältere Generation ein Highlight geben. Auf die Unterstützung des Einzelhandels in der City setzen Ute und Martin Rostek bei der Idee zu einem so genannten Einkaufskino für die Kleinsten. Diese könnten im Kino einen spannenden Kinderfilm sehen, während ihre Eltern in aller Ruhe shoppen. Ach ja, und wer einmal eine etwas ausgefallenere Geburtstagsparty schmeißen möchte, kann für seine Liebsten durch „Rent a Kino” gleich einen ganzen Kinosaal mieten.

Da all dies natürlich nicht im Zwei-Mann-Betrieb zu bewältigen ist, wollen die Rosteks zehn neue Jobs auf Teilzeitbasis schaffen - hier zeigt der Kompass auf jeden Fall in die richtige Richtung.
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