Im Februar 2008 erster Hinweis im Fall Karl D.

Von: disch
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Kreis Heinsberg. Die Kreispolizeibehörde Heinsberg ist erstmals bereits am 20.Februar des Jahres 2008 mit dem Fall Karl D. konfrontiert worden. Dies bestätigte Landrat Stephan Pusch am Dienstag auf Nachfrage bei einem Pressegespräch.

Dennoch sei der aus der Haft entlassene und als gefährlich eingeschätzte Sexualstraftäter letztlich am 1.März 2009 doch überraschend in Heinsberg-Randerath aufgetaucht. Er selbst als Leiter der Kreispolizeibehörde (KPB) sei am Montag, 2.März, zum ersten Mal über den Fall unterrichtet worden, so Pusch.

Pusch schilderte die Chronologie der Abläufe: Das Polizeipräsidium Oberbayern habe im Februar 2008 über das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen den ersten Kontakt mit der KPB Heinsberg aufgenommen. Es sollte geklärt werden, ob der Bruder Karl D. aufnehmen wolle. Auch die Adresse in Randerath sollte überprüft werden. Der Bruder habe Zustimmung signalisiert. Im März 2008 habe die KPB Heinsberg auch die vom Landgericht Regensburg verfügten Führungsauflagen erhalten, doch dann sei wenige Tage später die Mitteilung eingetroffen, dass Karl D. bis zur Entscheidung über die nachträgliche Sicherungsverwahrung in Haft bleiben werde. Am 10.Februar 2009 sei es dann wieder über das Düsseldorfer LKA zu einem Kontakt im Fall Karl D. gekommen. Der Bruder habe jedoch am 16.Februar signalisiert, er wolle Karl D. nicht aufnehmen. Am 27.Februar - dem Tag, als das Landgericht München II entschieden hat, dass es keine nachträgliche Sicherungsverwahrung anordnen wird - sei dann aus Oberbayern die Mitteilung eingetroffen, dass Karl D. zu anderen Verwandten wolle und nicht nach Heinsberg kommen werde.

Doch dann sei am 1.März auf elektronischem Weg vom bayerischen Landeskriminalamt die Nachricht eingetroffen, der aus der Haft entlassene Karl D. sei doch auf dem Weg nach Heinsberg. Von drei Fahrzeugen des Polizeipräsidiums Oberbayern begleitet und observiert, sei er dann am Sonntag, 1.März, um 8.29 Uhr in Randerath eingetroffen. Schon am gleichen Tag sei ein Kamerateam vor Ort aufgetaucht.

Nachdem er am nächsten Tag, am Montag, 2.März, von dem Fall unterrichtet worden sei, so Pusch, sei gemeinsam mit der Polizeiführung überlegt worden, wie nun - neben der fortgesetzten Überwachung rund um die Uhr - zu verfahren sei. In Randerath seien sowohl das Kamerateam als auch die Polizeibeobachtung aufgefallen. Da unüberlegte Reaktionen in einer verunsicherten Bevölkerung zu befürchten gewesen seien, habe er sich bewusst für die „sachliche Information” der Öffentlichkeit über den Fall - unter Hinweis auf die polizeilichen Schutzmaßnahmen - ausgesprochen.

„Das war meine Idee und meine Entscheidung”, so Pusch. Sie sei einmütig von der Polizeiführung mitgetragen worden sei. Es sei darum gegangen, eine Eigendynamik zu verhindern und das Risiko zu minimieren. Auch wenn eine Observation nicht so sicher sei wie eine Sicherungsverwahrung, so sei es doch darum gegangen, Vertrauen in die Polizei zu bewahren. Es sei um Deeskalation gegangen, nicht um Eskalation. Bürger würden nach Puschs Einschätzung Amok laufen, wenn sie das Gefühl hätten, in einer solchen Situation alleine gelassen zu werden.

Datenschutz und Resozialisierung seien hohe Güter, doch er habe in der Abwägung der Unversehrtheit der Bevölkerung einen höheren Stellenwert eingeräumt, begründete Pusch seine Vorgehensweise, nicht nur Randerath als Aufenthaltsort des Sexualstraftäters zu nennen, sondern unter anderem auch den Vornamen und das Kürzel des Familiennamens. Die Anonymität des Mannes wäre ohnehin auf keinen Fall gewahrt geblieben, sagte Pusch.
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